Trotz Kündigungen, Kurzarbeit und Einstellungsstopp: Auch in der Krise gibt es gute Stellen - sie sind nur nicht immer ausgeschrieben.
Für Akademiker hat die Wirtschaftskrise ein Gutes: Sie zeigt, dass ein Studium vor Arbeitslosigkeit schützt. Doch das scheint bei den Berufseinsteigern, die jetzt ihr Diplom in der Tasche haben, noch nicht angekommen zu sein. Bei ihnen haben die Negativschlagzeilen der vergangenen Monate Besorgnis ausgelöst. Zwei Drittel der Wirtschaftswissenschaftler und jeder zweite angehende Ingenieur glauben, dass es dieses Jahr schwierig wird, einen Job zu finden. Das zeigt eine Umfrage der Berliner Beratungsfirma Trendence unter 18.000 examensnahen Studenten und Absolventen.
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Augen auf: Auch in der Wirtschaftskrise gibt es Jobs - man muss sie nur finden. (© Foto: dpa)
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Dabei ist die durchschnittliche Akademiker-Arbeitslosigkeit im ersten Halbjahr 2009 gegenüber dem Vorjahreshalbjahr leicht gesunken - und das, obwohl die allgemeinen Arbeitslosenzahlen zugelegt haben. Die Job-Angebote für Akademiker sind im selben Zeitraum im Vergleich zu denen für nicht-akademische Berufsgruppen nur leicht zurückgegangen.
Besonders gesucht wird zurzeit im Gesundheits- und Sozialwesen. Ärzte, Apotheker, Therapeuten und Sozialpädagogen stehen auf der Gewinnerseite. Auch Geisteswissenschaftler sind gut dabei. Abwärts ging es dagegen gerade für Fachrichtungen, die in den vergangenen Jahren stark gefragt waren: für Maschinenbau- und Fahrzeugingenieure, aber auch für Wirtschaftsingenieure.
Es ist ein Arbeitgebermarkt
In einem Punkt haben die verängstigten Absolventen recht: Der Berufseinstieg ist schwieriger geworden. Stärker wird momentan nach Berufserfahrenen gesucht. "In den vergangenen Jahren haben sich die Absolventen feiern lassen. Das hat sich um 180 Grad gedreht. Jetzt ist es ein Arbeitgebermarkt", sagt Jürgen Bühler von der Stuttgarter Personalberatung Alma Mater. Doch das bedeutet nicht, dass die Jobsuche zum Desaster werden muss. Es kommt auf die Fachrichtung und die Branche an - und auf die eigenen Erwartungen.
Am schwierigsten ist es in den Branchen, die von der Krise am härtesten betroffen sind. 40 Prozent der deutschen Unternehmen spüren wirtschaftliche Auswirkungen. Das gilt vor allem in den Bereichen Metall, Chemie sowie im Druck- und Verlagsgewerbe. Einstellungsstopp heißt es dort. Das zeigt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. "In der Automobilbranche hat es selbst eine exzellente Nachwuchskraft schwer, die bislang alles richtig gemacht hat", sagt Jürgen Bühler. Dazu gehört für ihn: Praxis- und Auslandserfahrung und Ahnung von Zukunftsthemen.
Es herrscht Stille
Das heißt aber nicht, dass es gar keine Stellen gäbe. "Es gibt Chancen", sagt Ralf Beckmann von der Bundesagentur für Arbeit. "Auch in der Krise wird in jeder Branche Personal gesucht." Allerdings weniger als bei Hochkonjunktur, und nicht alle Stellen würden ausgeschrieben. Beckmann rät daher zu Initiativ-Bewerbungen. Personalmarketing ist in vielen Firmen in den vergangenen Monaten auf der Prioritätenliste ganz nach unten gerutscht. Wo sonst mit Imagekampagnen und aufwendigen Veranstaltungen um die Aufmerksamkeit der Studenten gebuhlt wird, herrscht jetzt Stille.
"Geht es wirtschaftlich aufwärts, sagen alle: Wir müssen uns langfristig positionieren. Aber wenn es abwärts geht und kein Geld da ist, wird das schnell vergessen. Gerade kleinere Firmen haben oft gar nicht den Spielraum dafür", sagt Personalberater Bühler. Diese Zurückhaltung gilt aber nicht für alle Unternehmen. Von den Dax-Konzernen zum Beispiel wollen zwei Drittel im selben Umfang Absolventen einstellen wie im vergangenen Jahr. Das zeigt eine Umfrage des Manager-Magazins. Und manche Firmen legen in der Bewerbersuche sogar zu.
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