Vom einsamen Tüftler zum Manager am Kunden und Teamarbeiter: Das Berufsbild des Ingenieurs hat sich gewandelt. Die Ausbildung ist hart, doch die Jobchancen sind gut. Wo sie gesucht werden.
Es ist einfach nicht aus den Köpfen zu bekommen. Das Bild der vor sich hin tüftelnden Ingenieure, die womöglich noch im Blaumann konstruieren, schrauben und löten und die heimische Garage für ihre ersten Basteleien nutzen. "Immer noch gilt ein Ingenieur als der Tausendsassa, der mit dem Schraubenschlüssel fast Unmögliches möglich macht", meint Tom P. Kohler, Elektrotechnik-Student an der TU München und Sprecher des Netzwerkes junger Elektroingenieure im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE).
Diplom-Ingenieurin Elke Thiele arbeitet an Methoden zur Produktion selbstleuchtender Bekleidung. Für das Foto präsentiert sie ein Netz aus Lichtleitfasern. (© Foto: dpa)
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Den Spruch, dass dem "Ingeniör nichts zu schwör" sei, kann er mittlerweile nicht mehr hören. Zu komplex seien die Aufgaben, als dass sie von einem Ingenieur alleine gelöst werden könnten. Vielmehr sei die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams zur Basis für jeden erfolgreich arbeitenden Ingenieur geworden. "Ingenieure müssen in der Lage sein, sich schnell auf neue Technologien und Fragestellungen einzustellen. Und sie müssen auf Bedürfnisse und Erwartungen des Kunden eingehen", beschreibt Michael Stadler, Präsident des VDE das Berufsbild. Es gehe längst nicht mehr nur um das technisch Machbare, sondern um die Suche nach einer optimalen Lösung mit begrenzten Mitteln. "Der Ingenieur ist kein Technokrat; für Möglichkeiten und Gefahren muss er ein Sensorium entwickeln", so Stadler.
Der Anspruch an angehende Ingenieure sei entsprechend hoch. Und das beginnt bereits bei der Ausbildung an den Fachhochschulen und Universitäten. "Das Studium ist kein Honigschlecken. Man muss sich durchbeißen", betont Erich Barke, Präsident der Universität Hannover und Direktor des Instituts für Mikroelektronische Systeme.
Das hat Konsequenzen: Gerade in den wichtigen Fachbereichen Maschinenbau und Elektrotechnik ist die Abbrecherquote mit rund 50 Prozent an den Universitäten und 35 Prozent an den Fachhochschulen überdurchschnittlich hoch. Hinzu kommt, dass sich die Zahl derjenigen Abiturienten, die sich für ingenieurwissenschaftliche Fächer begeistern können, gemessen am Bedarf eher bescheiden ausnimmt: "Leider ist der Zuwachs von Studienanfängern in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern deutlich unterproportional und der Frauenanteil nach wie vor sehr gering", fasst Jürgen Egeln, vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung zusammen.
Beispiel Elektrotechnik: Begannen im Sommer vergangenen Jahres noch 19.000 Studierende das Studium der Elektrotechnik, so waren es im Wintersemester sieben Prozent weniger, also nur noch rund 17.700 Neuimmatrikulationen. An Universitäten und Technischen Hochschulen wurde ein Rückgang um drei Prozent verzeichnet. Der Rückgang der Studienanfänger an Fachhochschulen beträgt sogar zehn Prozent. Nach aktuellen Schätzungen werden in diesem Jahr rund 8.000 Absolventen die Hochschulen verlassen. Der Bedarf aber liegt bei mindestens 10.000.
Fast so dramatisch wie bei den Elektroingenieuren sieht Willi Fuchs vom Verein Deutscher Ingenieure die Gesamtsituation. "Laut unserer Untersuchung rechnen 57 Prozent der erfolgreichen Unternehmen mit weiter steigendem Ingenieurbedarf. Das zeigt, dass wir eine Herkules-Aufgabe vor uns haben, die große Anzahl an qualifizierten Ingenieuren zu beschaffen." Nach der VDI-Studie 2005 waren im vergangenen Jahr rund 58.000 Stellen im Ingenieurwesen zu besetzen, aber nur für etwa 43.000 freie Jobs konnten Fachkräfte gefunden werden.
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