300.000 Praktikanten angelten sich 2004 und 2005 einen festen Job. 85 Prozent aller Uni-Absolventen stehen schon nach einem Praktikum im Berufsleben: Neue Studien entkräften das Bild von der aussichtslosen "Generation Praktikum".
In den Jahren 2004 und 2005 wurden 2,3 Prozent aller freien Stellen an Praktikanten vergeben, fand Eugen Spitznagel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) heraus. "Das ist eine nicht unbeträchtliche Größe", sagt er.
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Besonders häufig übernahmen kleine Unternehmen und der Dienstleistungssektor Praktikanten. Bei diesen handelte es sich allerdings nicht vornehmlich um Berufseinsteiger: 45 Prozent der übernommenen Praktikanten waren zwischen 30 und 40 Jahre alt, 35 Prozent unmittelbar vor der Einstellung arbeitslos. Überrascht hat Eugen Spitznagel, dass lediglich 15 Prozent der Stellen, die mit Praktikanten besetzt wurden, eine Hochschulausbildung erforderten. Die Praktikanten in Berufen, die einen mittleren Schulabschluss voraussetzen, haben demnach bessere Chancen.
Der IAB-Studie zufolge sind allerdings Arbeitsverhältnisse, die aus einem Praktikum resultieren, öfter befristet - nämlich zu 55 Prozent. Die befristeten Stellen machen sonst nur 43 Prozent aus.
Ein Jahr nach dem Uni-Abschluss haben fast alle einen Job
Auch eine aktuelle Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung legt den Schluss nahe: Die Praktika-Endlosschleife ist eine Legende. Demnach hat die große Mehrzahl der Hochschulabsolventen lediglich ein Praktikum hinter sich; nur 15 Prozent, berichtet Spitznagel, hospitierten zweimal oder öfter. "Ein bemerkenswerter Befund", glaubt er. Zumal 93 Prozent aller Studenten schon zwölf Monate nach ihrem Abschluss einen Job hätten.
Ein großes "Aber" kommt allerdings auch von IAB-Forscher Eugen Spitznagel: "Was inhaltlich in den Praktika passiert, kann durchaus Anlass zu Bedenken geben." Und mit diesen Bedenken muss sich die Politik am Montag befassen.
DGB fordert Mindestlohn für Praktikanten
Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD) hatte bereits im vergangenen Herbst angekündigt, sich für die Rechte von Praktikanten einzusetzen. Getan hat sich bisher wenig. Die Jugendabteilung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hat deshalb mit einer Online-Petition Druck gemacht. Erfolgreich: Ein "Rekord-Ergebnis" von 60.000 Unterstützern erzielte die Initiative laut DGB-Sprecherin Claudia Falk. Am Montag befasst sich der Petitionsausschuss des Bundestages mit den Forderungen der DGB-Jugend.
300 Euro Mindestlohn und eine Begrenzung auf drei Monate für jedes Praktikum - so lautet das Ziel des DGB. Dass sie es kaum erreichen werden, weiß Claudia Falk "Wir hoffen aber schon auf flankierende Maßnahmen, um Praktikanten zu schützen", sagt sie. Silvia Helbig von der DGB-Jugend hat bereits politische Unterstützung gefunden: Die SPD-Abgeordnete Annette Kramme aus dem Arbeitsausschuss habe ihre Hilfe für die Verbesserung des Praktikantenschutzes zugesichert.
Die Strategie des Arbeitsministeriums besteht indes vor allem in der Aufklärung der Praktikanten und Arbeitgeber. Am Freitag ging eine neue Seite des Ministeriums online: Auf www.generationpraktikum.de sollen sich Praktikanten zum Beispiel darüber informieren können, unter welchen Bedingungen ihnen eine Bezahlung zusteht und welche Möglichkeiten es notfalls für eine Klage gibt.
Was einen neuen gesetzlichen Rahmen und Schutz für Praktika angeht, heißt es von Ministeriumssprecherin Heike Helfer jedoch weiterhin: "Da ist nichts geplant."
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