Erstmals seit Jahren gibt es wieder mehr Jobs für Akademiker. Doch davon profitieren nur wenige. Vor allem wer direkt von der Uni kommt, tut sich schwer.
Ingenieure und IT-Experten, Sozialarbeiter und Lehrer waren die Gewinner auf dem Akademiker-Arbeitsmarkt im vergangenen Jahr. Erstmals seit 2000 gab es wieder mehr Stellenangebote für Hochschulabsolventen. Den Arbeitsagenturen wurden 18 Prozent mehr Jobs als im Vorjahr gemeldet. Auch die Zahl der arbeitslos gemeldeten Akademiker ist um elf Prozent zurückgegangen.
Bescheidene Einkommenswünsche, exzellentes Fachwissen, Berufserfahrung: Die Wunschliste der Arbeitgeber ist lang - Einsteiger schließt sie häufig aus. (© Foto: sueddeutsche.de)
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Die meisten Unternehmen wünschten sich Bewerber mit Berufserfahrung. An sie richteten sich zwei Drittel der Stellenangebote. Gezielt für Absolventen waren weniger als ein Prozent der Jobs ausgeschrieben. "Wenn sie nicht gerade einen exzellenten Lebenslauf präsentieren konnten, gelang vielen der Berufseinstieg erst nach mehreren Praktika - in Einzelfällen mit einem ganz normalen Joballtag, aber ohne die dazu gehörende Vergütung", heißt es im Arbeitsmarktbericht der Bundesagentur für Arbeit.
Doch auch Bewerber mit Berufserfahrung konnten offenbar keine großen Sprünge machen. Die Unternehmen gingen dem Bericht zufolge davon aus, dass Kandidaten "vergleichsweise bescheidene Einkommenswünsche realisieren wollten". Außerdem auf der Erwartungsliste: "exzellente" fachliche Kompetenzen, aktuelles Fachwissen, Lernbereitschaft, Ehrgeiz, Mobilität, Fremdsprachen- und IT-Kenntnisse. Spezialisten seien nur im Ausnahmefall gewünscht gewesen. Gefragt war demnach der Generalist.
Auch beim Alter ihrer künftigen Mitarbeiter hatten die Arbeitgeber genaue Vorstellungen. Mit 40 steigt das Risiko, bald zu den Langzeitarbeitslosen zu gehören. Nur bei Arbeitsplätzen, die langjährige Erfahrung voraussetzen, verschiebt sich die Altersgrenze um bis zu zehn Jahre nach hinten.
Die meisten Stellenangebote erhielten die Arbeitsagenturen für Ingenieure. Vor allem Maschinenbau- und Elektroingenieure waren gefragt. Obwohl Unternehmen teilweise Schwierigkeiten hatten, Stellen zu besetzen, sei der Ingenieurmarkt noch nicht "leergefegt" heißt es im Arbeitsmarkt-Bericht. Bei der Bewerbersuche setzten die Arbeitgeber vor allem auf "jüngere Ingenieure mit einigen Jahren Berufserfahrung".
Für IT-Experten gingen vergangenes Jahr ebenfalls deutlich mehr Job-Angebote ein. Vor allem für Systemanalytiker und Programmierer sah es gut aus. Auch für einige Naturwissenschaftler verbesserten sich die Job-Chancen. Am stärksten gefragt waren Mathematiker, Chemie-Ingenieure und Geowissenschaftler.
Die Nachfrage nach Lehrern legte im vergangenen Jahr leicht zu. Ihre Arbeitslosenquote liegt bei weniger als einem Prozent. Deutlich mehr Stellenangebote gab es für Sozialarbeiter und -pädagogen. Dennoch würde sich für sie die Gehaltsspirale "immer weiter nach unten" bewegen.
Der Arbeitsmarkt für Juristen hat sich stabilisiert. Die Stellenangebote haben um mehr als 25 Prozent zugelegt. Allerdings sind die Einstiegsbedingungen "härter geworden": In kleinen und mittleren Kanzleien ist freie Mitarbeit auf Honorar- oder Stundenbasis vollkommen üblich.
Schlecht sah es für die Geistes- und Sozialwissenschaftler aus: Für Germanisten beispielsweise ist die Nachfrage noch einmal um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Berufseinstieg gelang nur über "das Sammeln mögichst vieler berufspraktischer Erfahrungen".
Über alle Berufe hinweg hat sich der Trend zur Zeitarbeit gefestigt. Fast 30 Prozent aller Job-Angebote waren befristet. Meistens liefen die Verträge nicht länger als ein Jahr. Zeitarbeitsfirmen und Personalvermittler waren im vergangenen Jahr ein regelrechter Jobmotor. Ihr Bedarf an Akademikern legte um 50 Prozent zu.
Im September 2005 waren den Agenturen 379.186 Bewerber mit akademischem Abschluss gemeldet. Das waren 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr. 28 Prozent hatte noch keine Berufserfahrung. Fast ein Drittel war ein Jahr und länger arbeitslos. Der Anteil der Akademiker an allen Arbeitslosen betrug 5,4 Prozent.
Das Risiko arbeitslos zu werden, ist für Akademiker deutlich geringer als für Beschäftigte ohne Hochschulabschluss. Ihre Arbeitslosenquote lag im vergangenen Jahr bei 3,8 Prozent - und damit deutlich unter der generellen Quote von 11,2 Prozent.
Der Großteil der Akademiker, die im vergangenen Jahr ihren Job verloren, hatte zuvor im Sektor Bildung und Erziehung gearbeitet, bei Handelsunternehmen, Behörden, im Gesundheitswesen oder bei Architektur- und Ingenieurbüros.
(sueddeutsche.de)
DFB-Torhüter ter Stegen
Liebe SZ,
die Konkurrenz im Westen meldet auch sinkende Arbeitslosenquoten, erwähnt aber im Artikel, dass die tatsächlichen Zahlen auch nach Aussage der BA gestiegen seien. Und zwar erheblich:
"Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Erwerbslosigkeit im März um 18.000 ab. Berücksichtigt man jedoch die von privaten Vermittlern betreuten Arbeitssuchenden, die im Zuge einer Statistikänderung seit Mai 2009 nicht mehr als arbeitslos ausgewiesen werden, sind es 142.000 mehr."
Ooops?!?
Quelle: http://www.derwesten.de/nachrichten/Arbeitslosenquote-sinkt-in-NRW-auf-9-1-Prozent-id2806701.html
Diesen Hinweis zu der "sinkenden Quote" fände ich auch in einem sich sicherlich als Qualitätsjournalismus auffassenden SZ-Artikel angebracht.