Der Job ist weg, das Geld wird weniger - und Eltern überlegen, was sie ihren Kindern zumuten können. Denn die Kleinen lernen in der Schule: Wer materiell nicht mithalten kann, gehört zu den Verlierern.
Ein Gespräch mit dem Chef, ein Brief und dann ist klar: Der Job ist weg. Die Finanzkrise hat ein neues Opfer gefordert. So wie beim Ehepaar Schmidt in München. Im Januar verlor der Vater von zwei Kindern seinen Arbeitsplatz. "Das ging schnell", erzählt der Ingenieur, der bei einer amerikanischen IT-Firma arbeitete.
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Existenzängste und Geldsorgen spüren auch Kinder: Trotzdem versuchen viele Eltern, wirtschaftliche Probleme zu verbergen (© Foto: ddp)
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Seit Februar bezieht er sein monatliches Einkommen von der Agentur für Arbeit. Der Dienstwagen ist weg, die Sicherheit auch. Die monatlichen Raten für die Baufinanzierung sind trotzdem fällig. Immerhin hat die Ehefrau noch eine halbe Stelle als Assistentin. Sie sei geschockt gewesen, erzählt Frau Schmidt. "Schließlich kennt man die wirtschaftliche Situation derzeit."
Konsumstatus aufrecht erhalten
Hypo Real Estate, Opel, Qimonda... Die Liste der Unternehmen in Schwierigkeiten ist lang. In manchen Familien zerbricht das Bild von der eigenen heilen Welt. Bisher dachte man, alles sei sicher: das Haus, der Arbeitsplatz, das Auto. Das ist nun vorbei. Diese Unsicherheit spüren auch Kinder. Existenzängste und Geldsorgen belasten Familien. Psychisch auffällige Kinder hätten häufig auch einen wirtschaftlich schwierigen Hintergrund, weiß der Münchner Kinderarzt und Psychiater Joest Martinius aus langjähriger Erfahrung.
Häufig versuchen Vater und Mutter, wirtschaftliche Probleme zu verbergen. Der Nachwuchs soll nicht spüren, dass das Geld knapp ist. "Aus einer Kindergartenstudie wissen wir, dass selbst arme Eltern versuchen, bei ihren Kindern einen Konsumstatus aufrechtzuerhalten", erklärt Dieter Korczak, Geschäftsführer des Instituts für Grundlagen- und Programmforschung in München.
Geburtstagsfeiern als Events
Man versuche, das übliche Niveau zu erreichen, damit die Kinder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen könnten. Das ist nicht leicht in einer Zeit, in der die Kinderzimmer mit Spielzeug überquellen, Geburtstagsfeiern richtige Events sind und Klamotten möglichst teuer sein müssen.
Und was sagen die Experten? In einer Krise muss alles auf den Prüfstand, so ihre Überzeugung. Kassensturz ist angesagt. Und zwar gemeinsam mit den Kindern. Man solle sie schon in jungen Jahren an das Thema Geld heranführen und anschaulich machen, welchen Wert es habe, sagt Martinius. Das könnten auch schon Grundschulkinder begreifen.
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Liebling, Kinder, kommt bitte mal alle herbei - wir müssen uns deutlich arrangieren. Vergeßt erst einmal *alles* was ich euch bisher beibringen wollte. Wer arbeiten will, der findet auch welche - stimmt nicht, denn ich will Arbeit, kriege aber keine (zu alt, zu jung, unterqualifiziert, überqualifiziert, zu teuer). Arbeitslose sind allesamt dumm, faul, ungebildet, drogenabhängig - stimmt nicht, denn ich bin der lebende Gegenbeweis. Arbeitslose sind auch keine Untermenschen - wir sind selbst Arbeitslose. Oder: es ist ganz OK ein Untermensch zu sein. Lerne was, dann wirst du was - stimmt auch nicht. Aber lernt trotzdem, denn nicht für die Schule sondern fürs Leben lernt man.
Die nächsten 10 Monate lang stehen wir finanziell noch gut da. ALG ist zwar niedrig, aber die Ausgaben für den Job fallen ja weg. Das gleicht sich in etwa aus. In 10 Monaten sieht das aber anders aus. Liebling: wenn ich auf Hartzmurks gesetzt bin, dann wird dein Einkommen bei mir angerechnet - deine Halbtagsstelle schadet uns allen. Kinder: wenn ihr ein Taschengeld mit Zeitungsaustragen, Rasenmähen, oder so verdient, dann wird das bei uns abgezogen. Leistung wird sofort bestraft, also macht diesen Fehler nicht.
Beim essen wird nicht gespart. Aber alles andere muß radikal beschnitten werden. Kleidung müßt ihr länger tragen, neue Elektronik fällt weg und statt dem Bus nehmt ihr künftig das Fahrrad. Falls jemand blöde Bemerkungen macht, dann sagt "euer Alter hätt grad seine esoterisch-ökologische Phase", da kann keiner von den mikrowellenverseuchten, Kinderkrieg-um-Koltan-Nazis mithalten. Es mag sein, dass künftig Leute ins Haus kommen die eigentlich nie über die Schwelle gekommen wären. Aber das sind doch keine Späthippies, Junkies oder Aosziale. Die haben nur kein Geld für neue Kleidung (wie wir ja auch), sparen an Seife und Rasur (wie wir dann auch), Können aber allerlei sein, Handwerker, Ingenieure, versiert im Sozialrecht. Und es gibt auch manches was wir von denen lernen können. Gärtnern etwa, dazu hatte ich ja nie Zeit, aber die wissen wie man Karotten, Gras und Salat anbaut. Die haben noch mancherlei im Keller falls Heizung, Auto oder Wasserleitung streiken. Und die wissen bereits wie man ohne Geld ganz angenehm lebt.
Also: laßt euch nicht vom oberflächlichen Anschein täuschen - denn wir können den Anschein nicht mehr aufrecht erhalten. Nicht jeder mit zerrissenen Jeans ist ein Krimineller. Keiner mit dem neuesten Handy ist ein netter Kumpel.
sich den Kinderwunsch und sind damit gut beraten.
Wer heute noch Kinder hat kann mir nur bedingt leid tun. Er hatte andere Optionen.
Es gibt sowieso schon zu viele Menschen auf diesem Globus die nach der kapitalistischen Maxime leben "Ich konsumiere also bin ich ".
Wir kaufen und kaufen und kaufen, lasst die Materialien fließen, und sie fließen, und wie! nach Annies einfachen Worten. Wir arbeiten, kaufen ein, dann arbeiten wir wieder, um das Gekaufte zu bezahlen, und in solcher Tretmühle ist es nicht verwunderlich, dass unser allgemeines Glücksgefühl weniger und weniger wird.
Wollen wir wirklich so unser Leben und unsere Wirtschaft leben? Müssen wir tatsächlich unser Leben einem System unterordnen, welches das Leben der Menschen, die Umgebung zerstört, ein System, das uns komplett aus dem Gleichgewicht mit der Natur bringt und uns letztendlich doch nicht glücklich macht? weiter unter ....
http://www.kabbalahblog.de/eine-unerzaehlte-geschichte-die-konsumgesselschaft/
Celine Polo
Wer nicht mithält, gehört zu den Gewinnern, weil er erkannt hat, dass der angegebene Takt falsch ist (biologisch gesehen). Unser Konsum ist gleichzeitig eine unserer Krankheiten, die die Verursacher gerne verarzten. Denn die Symptome lassen sich sehr lukrativ verarzten.
Übrigens, die Wirtschaft mit den Dienstleistern zu beleben, deren Arbeit mit 19% besteuert wird, was Eltern dazu zwingt, mehr für das Essen in den Schulen zu zahlen, finde ich sinnlos. Und das ganze vor den Augen unserer Kinder, denen das meistens unbewußt ist, weil sie die Kausalität nicht verstehen.
Gerade ohne Geld wird man schnell zum Materialisten. Dem gilt es entgegenzuwirken. Also muss man nicht dauernd mit seinen Kindern nachrechnen, was man sich alles leisten oder nicht leisten kann. Oder ihnen ständig klar machen, dass das Geld nicht aus dem Automaten kommt, sondern man für alles etwas leisten muss. Genau so entstehen Geizhälse, Angsthasen und Konsumsklaven. Wenn man wenig hat, macht man eben andere Sachen, die wenig kosten und versucht nicht ständig das leidige Geld zum Gesprächsthema zu erhöhen. Manchmal muss man als Eltern eben auch die Klappe halten können und nicht jedes Thema muss im Familienrat durchgekaut werden.
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