Arbeitsblockaden Die Gründe sind sehr individuell

Gibt es universelle Gründe für die Aufschieberitis?

Nein. Über die Gründe des Aufschiebens muss sich ein Jeder selbst klarwerden. Das geht am besten mit einer schriftlichen Bestandsaufnahme, in der man in einer stillen Minute eine Art Bilanz zieht. Dazu gehört auch, die unangenehmen Dinge und Gefühle zu benennen en, eben genau das, was man mit dem Aufschieben vermeiden möchte.

Haben Sie Patentrezepte gegen das Aufschieben - vor allem im Büro kann das ständige Nichterledigen von Arbeit schließlich zu Problemen führen?

Patentrezepte gibt es nicht. Es gibt Menschen, bei denen funktioniert es, die unangenehmen Dinge gleich am Morgen zu erledigen. Ein anderer allerdings schiebt es bei dieser Strategie dann auf, früh ins Büro zu gehen. Negative Gefühle sind leichter zu ertragen, wenn man sich selbst das Durchhalten mit positiven Konsequenzen belohnt. Für viele Menschen zum Beispiel ist es die wirksamste Belohnung, Kontakt mit anderen Menschen zu haben.

Ist Aufschieben immer krankhaft?

Nein. Denn wir alle schieben Unangenehmes vor uns her: die Unterlagen für die Steuererklärung zusammensammeln, den Schreibtisch aufräumen. Das ist in der Regel harmlos. Schwieriger wird es, wenn wir immer wieder große Herausforderungen meiden: eine große Arbeit anfangen, aber nicht zu Ende schreiben, nach einer neuen Arbeitsstelle suchen, wenn wir mit dem aktuellen Job unzufrieden sind. Wirklich gefährlich wird es, wenn wir Vorhaben immer wieder hinauszögern, die wir selbst als wichtig und dringend einstufen. Denn das zieht Pleiten nach sich, und darunter leidet unser Selbstwertgefühl. Wir leiden unter uns selbst - und wer darüber bereits einen Job verloren hat oder wessen Beziehung dadurch zerbrochen ist, läuft Gefahr, sich selbst zu hassen.

Ist das der Zeitpunkt, sich professionelle Hilfe zu holen?

In dieser Situation muss man dringend die Schwachpunkte identifizieren: Zwar haben wir Konflikte nicht so gern, doch um mich zum Besseren zu verändern, muss ich meine eigenen Defizite entdecken und beheben. Professionelle Hilfe sollte ich mir spätestens dann organisieren, wenn Konsequenzen von außen drohen - also der Job in Gefahr ist, die Familie kurz vor dem Zerbrechen steht oder ich mich depressiv fühle.