An Rachida Dati scheiden sich die Geister. Frankreichs Justizministerin arbeitet kurz nach der Geburt weiter - das regt die Franzosen auf: Dürfen Mütter das?
Paris - An Rachida Dati scheiden sich die Geister, mal wieder. Frankreichs Justizministerin war am Mittwoch, nur fünf Tage nach der Entbindung ihrer Tochter durch einen Kaiserschnitt, schon wieder arbeiten gegangen. Kaum wurde sie aus dem Krankenhaus entlassen, erschien sie strahlend im schwarzen Kostüm und in Highheels im Kreis der Minister, ohne besondere Zeichen der Müdigkeit.
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Rachida Dati hochschwanger: Ist sie ein Vorbild, gar eine Superfrau, oder geht es hier mehr um falsch verstandene Emanzipation oder schlicht um die Angst um den Arbeitsplatz? (© Foto: afp)
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Doch nicht alle Franzosen finden das stark. Mittlerweile tobt eine Debatte darüber, ob Dati mit ihrem Einsatz anderen Müttern einen Gefallen getan hat. Ist sie ein Vorbild, gar eine Superfrau, oder geht es hier mehr um falsch verstandene Emanzipation oder schlicht um die Angst um den Arbeitsplatz? Einige loben die Professionalität und Aufopferungsbereitschaft der Ministerin. Die große Mehrheit der veröffentlichten Kommentare kritisiert Dati jedoch. Sie habe den Frauen einen Tort angetan - aus arbeitsrechtlichen, gesellschaftlichen und medizinischen, vor allem aber aus psychologischen Gründen.
"Unerträglichen Druck"
So bemängelt die Frauenrechtlerin Maya Sturduts, die Arbeitgeber könnten das Beispiel nutzen und einen "unerträglichen Druck" auf arbeitende Mütter ausüben. Die Auffassung "Schaut her, es geht doch" könnte zur gesellschaftlichen Maxime werden. Andere fürchten, Datis Verhalten bewirke bei Müttern, die ihren Kindern mehr Zeit widmen wollen, ein schlechtes Gewissen.
Schließlich hat es seinen Grund, dass der gesetzliche Mutterschutz in Frankreich 16 Wochen beträgt und acht Wochen Arbeitsverbot nach der Geburt einschließt: Er dient dem Schutz der Gesundheit von Mutter und Kind. Die EU-Kommission will ihn sogar auf 18 Wochen verlängern. 84 Prozent der französischen Mütter wünschen sich eine noch längere Auszeit. 70 Prozent geben in einer Studie der Regierung an, sie würden gerne ein Jahr zu Hause bleiben, wenn sie könnten. Zudem sei der Mutterschutz eine sozialpolitische Errungenschaft, argumentieren sogar Unternehmerinnen.
Bedürfnisse von Mutter und Kind
Für Ministerinnen gilt er gleichwohl nicht. Sie beziehen kein Gehalt, sondern bekommen eine Entschädigung. Die Justizministerin tut also nichts Illegales. Hinzu kommt, dass Datis Arbeitgeber, in diesem Fall Staatspräsident Nicolas Sarkozy, am Mittwoch eine der wichtigsten Reformen in der Justizgeschichte Frankreichs verkündete: die Abschaffung des Untersuchungsrichters.
Hätte die Ministerin da fehlen können? "Dati hätte ihre Karriere auf das Spiel gesetzt, wenn sie länger zu Hause geblieben wäre", sagt die Leiterin der französischen Profamilia, Marie-Pierre Martinez. Der Kinderpsychiater Alain Lazartigues geht noch weiter: "Jemand tut ihr da Gewalt an, wenn sie es nicht selber tut", sagt er. Die Bedürfnisse von Mutter und Kind würden nicht ausreichend respektiert.
Da ist zum einen die Mutter: Sie brauche drei bis vier Wochen Ruhezeit nach einem Kaiserschnitt, sagt der Vizepräsident des französischen Gynäkologen-Verbandes, Georges-Fabrice Blum. Auf der anderen Seite das Kind: "Wenn eine Mutter so früh von ihrem Kind getrennt wird, kann nur sehr schwierig ein inniges Vertrauensverhältnis zwischen beiden entstehen", so der Kinderarzt Philippe Grandsenne. Und was macht der Vater? Den hält Dati weiter geheim.
(SZ vom 10.1.2009/bön)
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Die Frau arbeitet doch nicht koerperlich. Und es war auch nicht die Rede davon, dass sie 10 Stunden im Buero verbringt.
Zu einer Sitzung kann sie das Baby ja mitnehmen. Stillen in der Ministerrunde / fuenf Minuten Pause zum Windeln wechseln - das waere doch mal vorbildliche Unternehmenskultur!
"Andere fürchten, Datis Verhalten bewirke bei Müttern, die ihren Kindern mehr Zeit widmen wollen, ein schlechtes Gewissen"
Meine Güte, das wird jede Mutter der Welt für sich selbst entscheiden können wieviel Zeit sie sich nimmt für die Kinder. In manchen Familien, vermutlich werden das hier einige nicht glauben können (soll es aber geben), bleiben die Männer zu Hause und versorgen die Kinder. Und das funktioniert sogar gut, denn auch Männer können Kinder lieben und sich hervorragend um sie kümmern.
"Schließlich hat es seinen Grund, dass der gesetzliche Mutterschutz in Frankreich 16 Wochen beträgt und acht Wochen Arbeitsverbot nach der Geburt einschließt: Er dient dem Schutz der Gesundheit von Mutter und Kind."
Die Rechte der Mütter wurden von der Ministerin doch nicht ausser Kraft gesetzt, immer die Kirche im Dorf lassen. Wenn Frau Mustermann flugs wieder arbeiten geht, weil sie das will, kräht auch kein Hahn danach.
Dass ausgerechnet Frauenrechtlerinnen sich kritisch zu Datis Verhalten äußern, entbehrt nicht einer gewissen Ironie...
"So bemängelt die Frauenrechtlerin Maya Sturduts, die Arbeitgeber könnten das Beispiel nutzen und einen "unerträglichen Druck" auf arbeitende Mütter ausüben. Die Auffassung 'Schaut her, es geht doch' könnte zur gesellschaftlichen Maxime werden. Andere fürchten, Datis Verhalten bewirke bei Müttern, die ihren Kindern mehr Zeit widmen wollen, ein schlechtes Gewissen."
Genau das sind die Folgen von Datis Verhalten. Als Ministerin ist sie ein Vorbild, ihr (schlechtes) Beispiel wird - so ist zu befürchten - von den Vorgesetzten und Personalchefs berufstätiger Frauen als Druckmittel herangezogen werden.
Dati hätte im Gegenteil einen ausreichend langen Mutterschutzurlaub nehmen sollen, um an Arbeitgeber und Frauen ein klares Signal zu senden: auch Mütter und Familien sind wichtig und haben Rechte gegenüber der Gesellschaft.
Die ganze Debatte finde ich ein bisschen überzogen. Die Ministerin geht wieder zu einer Sitzung (die nicht 20 Stunden gedauert hat vermutlich). Es besteht die Möglichkeit, dass der Vater das Kind versorgt (über diesen schweigt sie ja), das weiß ja niemand so genau.
Vielleicht ensteht gerade ein sehr inniges Vertrauensverhältnis zum Vater ? Auch das weiß niemand. Wäre aber durchaus denkbar.
Paging