Es reicht nicht aus zu wissen, was eine Frikandel speciaal ist: Viele Deutsche suchen ihr berufliches Glück in den Niederlanden - und finden kulturelle Unterschiede.

Es reicht nicht aus zu wissen, was eine Frikandel speciaal ist. Deutsche Arbeitnehmer, die in den Niederlanden eine neue Tätigkeit aufnehmen, überschätzen oft die Gemeinsamkeiten mit dem Nachbarland. Zu diesem Ergebnis kommt Yvonne Brockhaus, Personalberaterin der Deutsch-Niederländischen Handelskammer (DNHK) in Den Haag. "Trotz der scheinbaren kulturellen Nähe ist der Start im Nachbarland eine Herausforderung, die eine gute Vorbereitung erfordert", so Brockhaus. Die Handelskammer vermittelt bereits seit Jahren deutsche Bewerber an niederländische Unternehmen. Gerade in jüngster Zeit seien angesichts der verschlechterten Wirtschaftslage viele Menschen daran interessiert, auf dem flexibleren niederländischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

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Deutsche Arbeitnehmer, die in den Niederlanden arbeiten, überschätzen oft die Gemeinsamkeiten mit dem Nachbarland. (© Foto: dpa)

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Vor allem die Zahl der deutschen Pendler an der 577 Kilometer langen deutsch-niederländischen Grenze ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Etwa 32400Menschen haben ihren Arbeitsplatz im Nachbarland. "Dabei nimmt die Anzahl der Grenzpendler aus den Niederlanden weiterhin ab, während die Zahl der aus Deutschland pendelnden Personen zunimmt. Im vergangenen Jahr um 17,4 Prozent gegenüber 2007", heißt es in einer Studie des grenzüberschreitenden Kommunalverbandes Euregio in Gronau. Einen Arbeitsplatz in Deutschland hatten 10.260 Holländer, fast acht Prozent weniger als 2007. Im Jahr 2000 waren noch insgesamt 21.961 Grenzgänger gezählt worden.

Niedrige Arbeitslosenquote

Ein wichtiger Grund für den Beginn einer Beschäftigung im Nachbarland ist die Attraktivität des dortigen Arbeitsmarktes. Die Niederlande haben seit Jahren eine der niedrigsten Arbeitslosenquoten in Europa. 2008 lag die Quote dort bei 2,8 Prozent, in Deutschland waren es 7,3 Prozent.

Vor allem im Vertrieb, bei der internationalen Kundenbetreuung, in technischen Berufen und der Bauwirtschaft böten die Niederlande deutschen Arbeitnehmern gute Chancen, so DNHK-Beraterin Brockhaus. "Viele reizen die arbeitnehmerfreundlichen Bedingungen in niederländischen Firmen", sagt sie. Und auch wenn die Bruttolöhne noch immer unter denen in Deutschland lägen, bleibe netto meist genauso viel in der Tasche.

Kulturelle Fettnäpfchen

Nicht nur mangelnde niederländische Sprachkenntnisse, auch kulturelle Eigenheiten, etwa beim Bewerbungsverfahren, seien für viele Deutsche ein Stolperstein. "Eine Bewerbungsmappe nach deutschem Muster ist in den Niederlanden praktisch unbekannt. Statt Arbeitszeugnissen verlangen viele Unternehmen persönliche Referenzen. Das verunsichert viele deutsche Arbeitssuchende", erklärt Brockhaus.

Auch nach Antritt der Arbeit kommt es häufig zu Missverständnissen. Wer das Land nicht kennt, tritt schnell ins kulturelle Fettnäpfchen. "Das führt dann sowohl auf Seiten des Arbeitnehmers wie des Arbeitgebers zu Frustration." Wer erfolgreich starten wolle, sollte die niederländische Sprache zumindest in Grundzügen erlernen und sich kulturell schulen lassen. Die DNHK bietet unter Titeln wie "Niederlande-Knigge" und "Multikulturelle Teams" regelmäßig entsprechende Kurse an. Dort werden auch niederländische Unternehmen geschult, die an der Beschäftigung deutscher Mitarbeiter interessiert sind.

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