Arbeiten in der Pharmabranche Gesucht: Naturwissenschaftler plus

Berufseinsteiger verdienen bei Bayer und Co. schon mal 50.000 Euro. Aber Traumkandidaten sind rar, denn gefragt sind nicht die Fachidioten.

Von Von Chris Löwer

Berufseinsteiger in der Pharmabranche sollten vor allem eines nicht haben: eine Zahlenphobie. Wenigstens einen Hauch wirtschaftlichen Verständnisses sollten Anwärter mitbringen. "Unser Traumkandidat ist ein exzellenter Naturwissenschaftler mit sehr guten Kenntnissen in der Betriebswirtschaft und im Finanzwesen", skizziert Gerhard Tschentscher das Idealprofil. Er muss es wissen als Personalleiter bei Pfizer. "Doch diese Kandidaten sind extrem rar, da die meisten Studiengänge diese Kombination nicht vorsehen. Eine Ausnahme bildet da der Wirtschaftsingenieur."

Auch wenn es auf den ersten Blick irritiert, dass Medizinern ein bisschen BWL nicht schaden soll, wird schnell klar, warum: Die Fachkräfte steigen rasch in Führungspositionen auf und entscheiden da über Märkte, neue Produkte, Standorte. Und: In dieser Branche geht es immer um viel Geld, denn jede Investition in die Neuentwicklung eines Präparates ist ein hohes Risiko.

So kommt es, dass der Weg ins Pharmageschäft besonders hellen und vielseitig interessierten Köpfen vorbehalten ist. Bei Schering in Berlin formuliert man das so: "Wir sind nun mal in der Lage, nur die besten der Besten auszuwählen. Uns interessieren eher Absolventen mit einem sehr guten als mit einem guten Abschluss", sagt Personalreferentin Gabriele Liebmann. Das heißt auch: Auslandserfahrung und eine Promotion sind bei Akademikern ein Muss.

Wenig anders klingt das in den Personalabteilungen von Aventis bis Merck. Landauf landab macht sich noch ein weiterer Trend bemerkbar: Betriebswirte sind auf dem Vormarsch. "Seit etwa zwei Jahren ist speziell der Bedarf an Wirtschaftswissenschaftlern stark gestiegen, die etwa in den Bereichen Controlling, Finanzen und Steuern eingesetzt werden", so Dirk Pfenning, Personaler bei Bayer.

Fast scheint es, dass die Jobs in Forschung und Entwicklung für Biochemiker, Pharmazeuten und Mediziner eine nachgeordnete Rolle spielen. Verantwortlich dafür macht der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) die strenge Gesetzgebung in Deutschland und Europa, die die ohnehin international aufgestellten Unternehmen im außereuropäischen Ausland forschen lässt. Folge: Vor allem Vertrieb, Marketing und klinische Erprobung nach der Zulassung von Medikamenten spielen an den deutschen Standorten eine Rolle.

Harte Konkurrenz

Das wiederum bedeutet, dass vor allem Pharmaberater gesucht werden. Bislang war das ein Feld für Kandidaten mit Mittlerer Reife und für Abiturienten, die sich das Mühsal Studium ersparen wollten. Ein Blick in die Jobbörsen zeigt, dass diese Gruppe unverändert gute Chancen hat, vorausgesetzt das Zeugnis ist makellos, vor allem in Chemie, Biologie, Physik und Mathematik.

Neu ist aber, dass den Schulabgängern zunehmend eine harte Konkurrenz erwächst: "In diesem wichtigen Bereich sind die Einstiegschancen für Hochschulabsolventen sehr gut. Allerdings ist das Bewerberangebot sehr schwach, da vielen Naturwissenschaftlern eine Verkaufstätigkeit wenig attraktiv erscheint, und es ihnen abgesehen davon an entsprechenden Fähigkeiten mangelt", so Tschentscher. Zu erwarten ist, dass künftig Azubis im Außendienst weniger zum Zuge kommen werden.