Von Nicola Holzapfel

Schweisst Überlebenstraining Teams wirklich zusammen? Mit Team-Test.

"Sie arbeiten gerne im Team!", "Sie verfügen über ausgeprägte Teamfähigkeiten", "Sie sind eine teamorientierte Persönlichkeit" - kaum eine Job-Anzeige kommt ohne den Begriff "Team" aus. Aber nicht nur der Stellenmarkt verbreitet Mannschaftsgeist: Würde man ein Ranking der meist gebrauchten Worte im Berufs-Alltag erstellen, das Wort Team wäre vorne mit dabei (wie auch Flexibilität, Erfolg, Motivation,...). Ist die deutsche Arbeitswelt also ein Eldorado der Zusammenarbeit? Von wegen! So sehr die Teamarbeit beschworen wird, so sehr scheint es an ihr zu fehlen.

(© Foto: sueddeutsche.de)

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Es gibt Unternehmen, die lassen es sich in weiser Voraussicht von neuen Mitarbeitern schriftlich geben, dass diese teamfähig sind. Andernorts fällt die Team-Maske nach dem Vorstellungsgespräch. Im Arbeitsalltag triumphieren dann persönliche Eitelkeiten über den gemeinsamen Erfolg. Von Gruppendynamik fehlt häufig jede Spur. Stattdessen stecken die Team-Mitglieder in festgefahrenen Strukturen und lähmen sich gegenseitig. Einzelne Faule ruhen sich auf dem Fleiß einiger Engagierter aus. Laute Selbstdarsteller drängen ruhigere Kollegen in den Schweigeboykott. Fiese Naturen mobben, andere tanzen der Gruppe mit ihren originellen Ideen auf der Nase herum. Ein Team zu führen, so scheint es, ist schwieriger als einen Sack Flöhe zu hüten.

Den drohenden Team-Gau vor Augen, geben mache Personalleiter ihre Mitarbeiter in die Hände von Weiterbildungs-Profis. Ganz schlimme Fälle werden schnurstracks in die Pampa geschickt. Dort dürfen sie dann im Überlebenstraining zeigen, was wirklich in ihnen steckt. Auf der Agenda: Gemeinsames Kriechen durchs Unterholz, Überqueren unüberwindlicher Schluchten, Paddeln auf wackligen Flössen durch reißende Gewässer. Und nach überstandenen Qualen: brüderliches Teilen frischen Quellwassers. Was für ein Erlebnis!

Doch hoffentlich kommt keiner dabei auf die Idee, dem Kollegen, der schon seit Monaten nervt, kalte Frösche in den Schlafsack zu stecken. So outet man sich nur als unverbesserliche Team-Niete. Das Survival-Camp soll schließlich zeigen, was echte Gemeinschaft wert ist. Wieder zurück im Alltag, muss der Teamleiter dann nur das bestandene Abenteuer beschwören, um die Gruppe aufs Neue auf Kurs zu bringen: "Wisst ihr noch damals, als wir gemeinsam ums Lagerfeuer saßen und gebrannte Maden verzehrten?"

Fern scheinen da die Zeiten als der Team-Geist mit einer Wohlfühl-Offensive beschworen wurde. Die Boom-Jahre der New Economy, als der Tisch-Fußball neben dem Besprechungstisch stand und man die Abende nie privat zuhause sondern gemeinsam mit Kollegen verbrachte. Manche Teams wurden gar beim gemeinsamen Schwimmbad-Ausflug gesichtet. Und bei Geschäftsreisen übernachtete man selbstverständlich im Mehrbett-Zimmer. Der Zusammenhalt: sagenhaft. Man war viel mehr als ein Team, ja, eine richtige Familie. Und doch hatte das Konzept einen entscheidenden Makel: Es funktionierte nur bis zu dem Moment, wo die Geschäfte nicht mehr so gut liefen und der Kumpel-Chef mit ernstem Gesicht plötzlich Kündigungen verteilte.

Da fiel mancher aus der Team-Wolke. Doch der Wunsch vom perfekten Miteinander ist geblieben. Und das, wo doch jeder weiß, dass weder Tischfußball noch Lagerfeuer weiterhelfen, wenn es ernst wird. Der echte Überlebenskampf, er findet eben nicht im Survival-Training statt, sondern: im Büro.

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