Animateure müssen unkompliziert und kreativ sein - und bereit, für 650 Euro rund um die Uhr zu arbeiten.
Wenn eine Ehe nach zehn Jahren in die Brüche geht, dauert es mindestens fünf Jahre, bis man die Trennung verkraftet hat, behaupten Psychologen. Die Trennung von einem Job kann mitunter genauso schmerzhaft und langwierig sein. Drei Jahre hat Melanie als Animateurin in einem großen Ferienclub gearbeitet. Danach brauchte sie anderthalb Jahre, um wieder im eigenen Leben anzukommen. "Ein Jahr in einem Club ist wie fünf Jahre in einem Durchschnittsdasein", meint sie. Jeden Abend stand sie als Tänzerin auf der Bühne, traf interessante Leute und wurde von den Gästen vergöttert. "Das Leben war eine einzige Feier."
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Vergnügte Alleskönner: Animateure müssen unterhalten können, rund um die Uhr. (© Foto: iStockphoto)
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Der Schriftsteller Uwe Timm erzählt in seinem Roman "Rot" von Tessy, einer Animateurin, die nach 15 Jahren - also 75 Clubjahren - tot am Strand gefunden wird, vollgepumpt mit Tabletten. "Sie konnte sich endlich ausruhen. Endlich, nach all den Jahren der Schlaflosigkeit. Sie war stark und schön und gesund. Sie war dafür da, gute Laune zu verbreiten. Keine Traurigkeit aufkommen zu lassen. Die schwerste Arbeit der Welt."
"Ein hammerharter Job", sagt auch Jens Schmidt von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Arbeitsagentur in Bonn. "Den Stundenlohn auszurechnen, macht keinen Sinn." Wer rund um die Uhr arbeitet, hat ohnehin keine Zeit zum Geldausgeben. Da kann es sich lohnen, für 650 Euro netto im Monat zu arbeiten - das entspricht dem Durchschnittsgehalt der Branche. Kost und Logis sind frei. Während der Hauptsaison von April bis Oktober herrscht Bewerbermangel. Doch im Winter haben nur die Besten Arbeit, etwa in Ägypten oder in den Skigebieten.
Die Veranstalter verlangen "absolute geografische Flexibilität", sagt Schmidt. Der Animateur erfährt die Reiseroute oft erst ein paar Tage vor Abflug. Dann muss er sich nicht nur von seinem Heimatland verabschieden, sondern auch von seinem Privatleben. Die offizielle Arbeitszeit in den Clubs beträgt zwar meist nicht mehr als acht Stunden. Doch es wird erwartet, dass der Animateur auch in der Freizeit für die Gäste da ist. Wer sich absondert und im eigenen Zimmer herumhängt, wird nicht lange toleriert. Nur ein Tag die Woche ist frei.
Wenn der Anbieter finanziell unter Druck steht, hat das Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen. So wirbt eine private Vermittlungsagentur bei ihren Auftraggebern - darunter Betreiber von Ferienanlagen an Nord- und Ostsee - damit, dass sie besonders unkomplizierte Animateure zur Verfügung stellt. Das heißt: Sie begnügen sich mit einem Vertrag, der ihnen kaum Rechte einräumt, und einem Minilohn von 400 Euro. Bewerber sollten sich gut über den Arbeitgeber informieren und Verträge sorgfältig lesen. Wer gar ohne Vertrag und gültige Arbeitserlaubnis die Reise antritt, kann im Konfliktfall ohne Versicherung und Gehalt dastehen. Auch die Rückreise muss er dann selbst bezahlen.
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