Von Sibylle Haas

McDonald's fördert in großem Umfang die Mobilität seiner Mitarbeiter - und erwartet mehr Leistung.

Die Neigung, den Job im eigenen Land gegen eine Stelle im Ausland einzutauschen, ist in Europa kaum vorhanden. Derzeit leben und arbeiten weniger als zwei Prozent der Europäer anderswo als in ihrem Heimatland. Dieser Anteil ist seit dreißig Jahren nahezu unverändert, obwohl in dieser Zeit die rechtlichen Voraussetzungen für die freie Wahl von Wohnen und Arbeiten innerhalb der Europäischen Union (EU) geschaffen worden sind.

Arbeiten im Ausland: Mit dem McPassport in die Welt

Das Unternehmen als Kunstobjekt: Die McDonald's Neonschilder sollen die moderne Kommunikation symbolisieren. Gesehen auf der Biennale in Venedig 2001. (© Foto: dpa)

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"Europa muss eine wirkliche Mobilitätskultur erst noch entwickeln", heißt es in einem Prospekt der Europäischen Kommission zum Europäischen Jahr der Mobilität der Arbeitnehmer 2006. Die Kampagne will durch Information Vorbehalte gegen eine Arbeitsstelle im Ausland abbauen. Der künftige Wohlstand Europas hänge von der Fähigkeit der Arbeitnehmer ab, auf Veränderungen zu reagieren, heißt es weiter.

Für die Fastfood-Kette McDonald's war die EU-Kampagne der Anstoß, um die Mobilität der eigenen Mitarbeiter europaweit zu fördern. Es ist klassisch, dass ausgerechnet ein amerikanisches Unternehmen sich dafür stark macht, denn in Amerika ist die beruflich bedingte örtliche Beweglichkeit viel größer als in Europa.

So ziehen beispielsweise nach Informationen der EU-Kommission gut sieben Prozent der EU-Bürger im Jahr um, für 15 Prozent von ihnen ist dieser Wechsel durch den Job bedingt. Dagegen wechseln 16 Prozent der US-Bürger jährlich ihren Wohnort, 17 Prozent von ihnen aus beruflichen Gründen.

Der Startschuss für das Mobilitätsprogramm von McDonald's fiel Mitte September. Es wird nach und nach in den einzelnen Ländern umgesetzt, Mitte November soll es in Deutschland beginnen. Kernstück ist ein McPassport. Er soll helfen, dass Mitarbeiter - vom Verkäufer bis zum Restaurant-Manager - innerhalb der EU von einem McDonald"s zum anderen einfacher als bisher wechseln können.

Mehr Leistung!

In dem McPassport wird den Mitarbeitern bescheinigt, welche Schulungen und Kompetenzen sie bei McDonald's erworben haben. Mit Noten beurteilt werden auch soziale Kompetenzen, wie Teamarbeit und Kommunikation, sowie Pünktlichkeit und die äußere Erscheinung. Wie ein Reisepass diene er den Beschäftigten als Bescheinigung, erklärt Roman Wolf, Personalchef von McDonald"s Deutschland in München. Umgekehrt könnten sich die anderen Restaurants der Fastfood-Kette der Referenzen der Mitarbeiter sicher sein. Doch nicht jeder bekommt den Pass. "Wer die Schulungen nicht absolviert hat, den können wir nicht empfehlen", betont Wolf.

Das Programm soll die Mitarbeiter nicht nur dazu bewegen, im Ausland zu arbeiten, es soll sie auch stärker an das Unternehmen binden und ihre Leistungsbereitschaft fördern. "Wir wollen nicht, dass gute Leute das Unternehmen verlassen, wenn sie bei uns gute Perspektiven haben", sagt Wolf. Das Programm soll damit auch das Renommee von McDonald's als Arbeitgeber stärken.

McPassport richtet sich an die Mitarbeiter im Restaurant. Während in der Verwaltung und im Management Karrierechancen mit Auslandsjobs schon lange gefördert würden, gebe es so etwas für die Beschäftigten in der Gastronomie noch nicht, erklärt Wolf. Bisher seien Wünsche nach einem Auslandsjob individuell behandelt worden. Der für Beschäftigung zuständige EU-Kommissar Vladimir Spidla hat das Projekt begrüßt. "Die Kommission kann Rahmenbedingungen zwar fördern, umgesetzt werden müssen sie aber an der Basis", sagte er zum Startschuss des Programms im September.

In 25 EU-Mitgliedsländern komme McPassport für etwa 225.000 Mitarbeiter in 5500 Restaurants in Frage. Damit sei das Firmenprogramm die bislang größte Unternehmensinitiative dieser Art, sagt Personalchef Wolf. Allerdings seien Eigeninitiative und Eigenverantwortung gefragt. Wer ins Ausland wolle, müsse die Landessprache verstehen. Auch den Umzug und die Reise müsse jeder selbst organisieren, so Wolf. McDonald's werde aber in jedem Land die Stelle eines "nationalen Koordinators" einrichten, der die Mitarbeiter berät und ihnen hilft, Arbeit im Ausland zu finden.

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(SZ vom 31.10.2006)