Arbeiten im Ausland: die Expat-Falle Wer ablehnt, ist unten durch

Meist läuft es so: Jahrelang signalisiert der ehrgeizige Ingenieur oder Betriebswirt, dass er um jeden Preis Karriere machen will. Nichts passiert. Eines Tages ruft ihn der Chef ins Büro. Heute sei sein Tag, schmeichelt er, in Peking werde dringend ein Vertriebsingenieur benötigt. Darauf habe der Mitarbeiter doch nur gewartet, nicht wahr? "Überlegen Sie sich das. Aber zögern Sie nicht zu lange. Sagen Sie mir am Montag Bescheid?"

Italiener mögen's locker

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"Klar", bestätigt Tim Rau, "ein solches Angebot ist einmalig, in der Regel wird man kein zweites Mal gefragt. Abzulehnen bedeutet einen dicken Malus in der Personalakte." Allerdings würden meist nur solche Mitarbeiter angesprochen, von denen man bereits wisse, dass sie an einem Auslandseinsatz interessiert seien. "Man kann sich also rechtzeitig, bevor die Frage gestellt wird, über das Firmennetzwerk informieren, wo die früher entsandten Kollegen nach ihrer Rückkehr untergekommen sind." Findet man sie gar nicht mehr im Firmennetz, dann sind sie mit großer Wahrscheinlichkeit in die Expat-Falle geraten.

Fern der Zentrale wächst die Gefahr der Entfremdung von beiden Seiten. "Der Mitarbeiter im Ausland hat einen neuen Lebensmittelpunkt, zu Hause wird er vergessen", sagt Rau. Der einzige Weg aus der Falle sind regelmäßige Besuche im Headquarter. "Man sollte schon vor der Entsendung verbindlich vereinbaren, mindestens jedes halbe Jahr die Zentrale besuchen zu können, besser noch jedes Vierteljahr. Denn sonst dreht sich die Welt ohne den Expat weiter."

Weil immer mehr enttäuschte Rückkehrer ihrem Ärger Luft machen, nehmen sensible Personaler das Thema allmählich ernst. Der Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller Trumpf aus dem baden-württembergischen Ditzingen wird in den nächsten Monaten ein Team von Mitarbeitern nach China schicken, um den lokalen Einkauf aufzubauen. "Einige für wenige Wochen, andere für mehrere Jahre", sagt Gerd Duffke, Leiter der Personalentwicklung. "Jeder absolviert vorher ein interkulturelles Training, damit er weiß, was auf ihn zukommt."

Was die Mitarbeiter erwartet, wenn sie nach Ditzingen zurückkehren, kann Duffke heute natürlich noch nicht sagen. Als Vorbeugungsmaßnahme gegen mögliche Reintegrationsprobleme dient ein regelmäßiger schriftlicher und persönlicher Informationsaustausch. Außerdem will die Personalentwicklung den Prozess der Wiedereingliederung auf solide Füße stellen. "Und zwar nicht erst ein paar Wochen vor der Rückkehr, sondern viel früher", sagt Duffke. Wenn jemand zwei oder drei Jahre weg ist, müsse er sich erst wieder einleben. Es sei wichtig, dass die Firma das aktiv unterstütze. "Das darf keine Einbahnstraße ein. Wir können die Leute nicht bitten, für uns ins Ausland zu gehen, und sie anschließend im Regen stehen lassen."

Das klingt klug. Trotzdem sollte kein Expat darauf vertrauen, dass sich die Verantwortlichen in der Zentrale nach drei oder fünf Jahren an ihre Zusagen erinnern. Vielleicht ist der damalige Personalchef längst in Rente. Vielleicht hat der Eigentümer und damit die Personalstrategie gewechselt. Vielleicht stehen die Daheimgebliebenen an der Karriereleiter Schlange und lassen die nur vom Telefon bekannten Kollegen nicht vor. Wer dann nicht rempeln will, wird seine Träume anderswo wahr machen müssen.