Von Von Nicola Holzapfel

Sie wollen Erfahrungen sammeln oder einen Weg aus der Arbeitslosigkeit finden: Deutsche, die nach einem Job im Ausland suchen. Experten warnen vor unrealistischen Vorstellungen und falschen Versprechungen.

Reif für die Insel mögen viele sein, aber wer heute auswandert, geht auf Nummer sicher. "Das Auswandererbild hat sich geändert", sagt Helga Kunkel-Müller von der evangelischen Auslandsberatung in Hamburg, der größten Beratungsstelle für Ausreisende in Deutschland. "Die Menschen sind total flexibel geworden, aber sie geben nicht alle Wurzeln in Deutschland auf". In die klassischen Auswandererländer, USA und Australien würden nur wenige Deutsche gehen. "Viele bleiben in der EU."

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Das macht auch die Jobsuche leichter. "In den USA sind die Restriktionen immer noch sehr hoch. Wenn man nicht schon einen Arbeitgeber hat, ist der einfachste Weg immer noch in der Lotterie zu gewinnen", sagt Helga Kunkel-Müller. "In der EU wird Mobilität dagegen regelrecht gefördert." Hier gilt das Recht der Freizügigkeit, Deutsche können daher in jedem anderen EU-Land leben und arbeiten. Es ist sogar möglich, sein Arbeitslosengeld zur Jobsuche mitzunehmen. Doch davon machen nur wenige Gebrauch: Beim Arbeitsamt München sind es monatlich nur 20 - fast alles EU-Ausländer, die hier gearbeitet haben und wieder in ihre Heimat, vor allem Italien, wollen. Gerade mal ein deutscher Arbeitsloser ist unter ihnen.

Dabei kann es durchaus Sinn machen, einen Job im Ausland zu suchen. Über die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) haben im vergangenen Jahr 3500 Deutsche Arbeit im Ausland gefunden, etwa die Hälfte waren zuvor arbeitslos. Ein paar tausend Vermittlungen bei mehr als vier Millionen Arbeitslosen - das löst "keine strukturellen Probleme" heißt es bei der ZAV, aber für den Einzelnen sei die Jobsuche im Ausland allemal eine Chance, sagt Sabine Seidler von der ZAV.

"Da möchte ich unbedingt Mut machen", sagt auch Helga Kunkel-Müller von der Auslandsberatung in Hamburg. Zu ihrer Beratung kommen auch mehr Arbeitslose und Beschäftigte, die von Jobverlust bedroht sind, als früher. "Die Motivation hat sich geändert", sagt Kunkel-Müller. "Vor fünfzehn Jahren kamen Klienten, bei denen man das Gefühl hatte: 'Denen geht es eigentlich zu gut'. Aber jetzt ist die Motivation, eine Arbeit zu finden. Es geht um die Existenz."

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