Von Von Stefan Weber

Filmvorführer für 1200 Euro im Monat: Wer an der Kasse arbeitet, bekommt noch weniger.

Ralph Knapp ist froh, einer der Dienstältesten im Wuppertaler Cinemaxx-Kino zu sein. "Hätte ich nach dem 30. Januar 2004 dort angefangen, müsste ich mit rund 200 Euro netto weniger im Monat auskommen", sagt der 45-Jährige. 200 Euro weniger bedeuten in seinem Fall: 1000 Euro statt 1200 Euro, und die Differenz macht manchmal den Unterschied aus zwischen ein wenig Luxus und einem strammen Sparkurs. Knapp ist Filmvorführer. Manche bezeichnen ihn als Projektionisten, aber wenn er das hört, muss er selbst ein wenig schmunzeln. Seit knapp sieben Jahren arbeitet der Wuppertaler im Cinemaxx an der Bundesallee, dem mit neun Sälen und 2700 Plätzen größten Filmtheater der Stadt.

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(© Grafik: SZ)

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Keine Extras mehr

Dass Kollegen, die sehr viel kürzer dabei sind als Knapp weniger verdienen, hat damit zu tun, dass die Cinemaxx-Gruppe nach dem Auslaufen des Tarifvertrags Ende Januar 2004 eine hauseigene Vergütung mit niedrigeren Löhnen durchgesetzt hat. Ein Filmvorführer erhält nun am Anfang 7,74 Euro in der Stunde, zuvor waren es 8,82 Euro gewesen. Und wer an der Kasse arbeitet, muss sich mit 6,50 Euro begnügen, gegenüber 7,39 Euro zuvor.

Früher erhielten Vollzeitkräfte zu Weihnachten 650 Euro extra - auch das ist vorbei. Urlaubsgeld wird in der Kinobranche ohnehin nicht gezahlt. Nach fünf Jahren haben die Mitarbeiter die höchste Stufe der Vergütungstabelle erreicht: Für Knapp bedeutet dies einen Stundenlohn von 10,94 Euro.

Sein Arbeitstag beginnt entweder um 15 oder um 18 Uhr und endet meist um zwei Uhr in der Nacht. Besonders viel zu tun ist am Mittwoch. Dann sind die Vorbereitungen für die am nächsten Tag anlaufenden neuen Filme zu treffen: Die in mehreren Rollen mit jeweils 600 Meter Länge angelieferten Streifen müssen geklebt und auf eine große Spule aufgezogen werden. Zudem gilt es, die Werbespots nach Wunsch der Kunden zu platzieren. "Das ist meist aufwändiger als die Bearbeitung des Films", sagt Knapp.

Streifen, die aus dem Programm genommen werden, müssen getrennt werden und wandern entweder ins Lager oder werden an einen anderen Abspieler geschickt. Wer ein wenig Geschick mitbringt, kann die ersten Fertigkeiten eines Projektionisten nach Einschätzung von Knapp in zwei bis drei Monaten erlernen. Während der Film läuft, sitzt er in einem zentralen Vorführraum und verfolgt auf mehreren Bildschirmen, ob die Filme störungsfrei zu sehen sind: "Eine oft stressfreie Zeit. Aber natürlich habe ich dennoch keine Muße, einen Film in Ruhe anzuschauen."

Aus Liebe zum Kino, so erzählt der Wuppertaler, sei er schon 1982 zu diesem Job gekommen - und das eher zufällig. Der erlernte Beruf des Maschineneinrichters begeisterte ihn bald nur noch wenig. Knapp half in einem Lichtspielhaus aus und bekam dort rasch eine feste Stelle. Auch während kurzer Phasen der Arbeitslosigkeit in den vergangenen 20 Jahren hat sich Knapp nicht vorstellen können, eine andere Tätigkeit zu ergreifen. Er liebt das Kino. Selbst in der Freizeit zieht es ihn ins Filmtheater - dann allerdings weniger in Multiplex-Häuser, sondern eher in kleine Programmkinos "mit viel Atmosphäre".

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(SZ vom 29.10.2004)