Komplett verstummt

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Die Folgen können weit reichen und sogar dazu führen, dass Menschen ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Sie ziehen sich zurück, gehen kaum mehr aus dem Haus und nicht ans Telefon. Manchmal folgen auf die Sprachlosigkeit Panikattacken. Denn im Berufsleben stehen Stimmprobleme jeder Karriere im Weg. Die Betroffenen arbeiten zudem meist in Jobs, in denen sie sehr viel sprechen müssen. Nach Schönweilers Erfahrung sind das vor allem Lehrer, die in unruhigen Klassen ihre Schüler übertönen müssen. Auch Callcenter-Mitarbeiter und Verkäufer gehören zu seinen Patienten.

"Wir behandeln zunehmend alte Menschen", ergänzt Professor Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie in Münster. Denn bei alten Menschen nimmt die Elastizität der Stimmbänder ab, auch die Schleimhäute werden trockener. Ein Schlaganfall kann die Stimme komplett zum Verstummen bringen.

Ein Psychologe hilft

Heiser wird eine Stimme, wenn der komplizierte Bewegungsablauf der Stimmbänder nicht mehr richtig funktioniert. Zum Sprechen werden sie in Schwingung versetzt. Sind diese Schwingungen unregelmäßig, etwa wegen einer Schwellung, klingt die Stimme rau. Behaucht, also ungewöhnlich zart, hört sie sich an, wenn sich die beiden Stimmbänder nicht berühren, zum Beispiel bei einer Lähmung. "Als chronisch gilt eine Heiserkeit, wenn sie nach drei Monaten immer noch da ist", sagt Schönweiler.

Ist die Stimme oft oder über eine längere Zeit heiser, empfiehlt sich der Gang zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dieser untersucht unter anderem den Kehlkopf. Viele Patienten werden zum Logopäden geschickt und dort in der Regel 20 Stunden behandelt. "Bei seelischen Ursachen sollte auf jeden Fall ein Psychologe hinzugezogen werden", sagt Zehnhoff-Dinessen. "Denn sonst kommt vielleicht die Stimme wieder, aber der Patient kriegt ein Magengeschwür."

Falsche Tonlage, überlastete Stimmbänder

Beim Logopäden lernen einige Patienten erstmals ihre eigene Stimmlage kennen. Laut Schönweiler sprechen ein bis zwei Prozent der Bevölkerung in einer falschen Tonlage. Die Folgen sind überlastete Stimmbänder. Um die eigene Stimmlage zu entdecken, genügt ein Summen. Hört sich dieser Ton ganz anders an als die eigene Stimme, haben die Stimmbänder beim Sprechen viel zu tun. Es gibt mehrere Übungen, um das Sprechen in der eigenen Stimmlage zu trainieren. Wichtig ist auch die Stimmhygiene. "Dazu gehört vieles: die Bauchatmung, bequeme Kleidung und ausreichendes Trinken", sagt Schönweiler.

Allein damit ist es bei den Patienten in Weilmünster nicht getan. "Wir sind für die harten Fälle zuständig", sagt die Therapeutin Vera Basquitt. Etwa 400 Patienten aus ganz Deutschland werden hier im Jahr behandelt, in der Regel bleiben sie sechs Wochen. Ihr Tag ist vollgepackt mit verschiedenen Therapiestunden. Neben der Arbeit mit den Logopäden gibt es Bewegungs-, Entspannungs-, Musik- und Psychotherapie - damit die Stimme wiederkommt.

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  1. Wem es die Sprache verschlägt
  2. Sie lesen jetzt Auf die Sprachlosigkeit folgen Panikattacken
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(SZ vom 9.5.2009/bön)