AOK-Studie Arbeitnehmer im Ruhrgebiet mit höchsten Fehlzeiten

Arbeitnehmer in der Industrieregion Ruhrgebiet verzeichnen die höchsten Arbeitsausfälle in Deutschland

(Foto: dpa-tmn)

Im Ruhrgebiet sind Arbeitnehmer durchschnittlich fünf Tage länger krank geschrieben, als in Freiburg oder München. Das führen Forscher einer AOK-Studie auf die beruflichen Verhältnisse in der Industrieregion zurück. Die Stadt mit dem geringsten Krankenstand liegt im Osten Deutschlands.

Bei den AOK-versicherten Arbeitnehmern hat der Krankenstand im Jahr 2012 im Vergleich zum Vorjahr zugenommen und liegt nunmehr bei 4,9 Prozent, so eine Studie des WIdO, das wissenschaftliche Institut der AOK. Insbesondere psychische Erkrankungen treten demnach immer häufiger auf. Die von ihnen verursachten Ausfalltage sind seit 1994 um 120 Prozent angestiegen und mit langen Ausfallzeiten verbunden: Diese dauern mit 24,9 Tagen je Fall mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt aller Erkrankungen mit 11,8 Tagen je Fall.

In Gelsenkirchen sind die AOK-Versicherten im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 23,5 Tagen am längsten krankgeschrieben gewesen. Die geringsten Fehltage hätten mit 13,8 die Dresdner Beschäftigten gehabt. Mit über 20 Tagen lagen auch Bochum, Duisburg, Dortmund, Essen, Hagen, Herne, Kiel, Krefeld, Ludwigshafen, Mannheim, Oberhausen und Wuppertal im oberen Bereich. In Augsburg, Freiburg und München waren es mit weniger als 15 Tagen besonders wenige Fehltage unter den insgesamt etwa 11 Millionen Arbeitnehmern mit AOK-Versichertenkarte. Die Hauptstadt Berlin liegt mit 18,8 Tagen im oberen Mittelfeld.

In klassischen Industriestädten lassen sich also deutlich mehr Fehlzeiten beobachten als in Städten mit einem höheren Anteil von Beschäftigten im Dienstleistungssektor. Unter den deutschen Großstädten mit den meisten Fehlzeiten befinden sich deshalb viele Kommunen aus Nordrhein-Westfalen.

Das ist kaum verwunderlich, denn Faktoren wie Alter, Geschlecht und Beruf üben einen ebenso großen Einfluss auf die Krankheitshäufigkeit und -länge aus wie die Krankheitsart selbst. So haben Berufe mit hohen körperlichen Arbeitsbelastungen, beispielsweise in der Ver- und Entsorgung, in der industriellen Gießerei aber auch Bus- und Straßenbahnfahrer oder Altenpfleger deutlich höhere Ausfallzeiten. "In Berufen mit hoher körperlicher Arbeitsbelastung und zahlreichen Arbeitsunfällen gibt es mehr krankheitsbedingte Fehltage. Deshalb sind Arbeiter stärker betroffen als Dienstleister im Büro", so Helmut Schröder.

Spezifische Krankheitsrisiken

Die meisten der insgesamt 153 Millionen Krankheitstage 2012 entfielen auf die Gruppe der Muskel- und Skeletterkrankungen (22,9 Prozent), gefolgt von akuten Verletzungen (11,8 Prozent), Atemwegserkrankungen (11,4 Prozent) und psychischen Erkrankungen (10,1 Prozent).

Nachvollziehbare Unterschiede zwischen den Städten zeigen sich insbesondere bei den Muskel- und Skeletterkrankungen sowie den psychischen Erkrankungen: In Gelsenkirchen entfallen mehr als ein Viertel (25,5 Prozent) der Arbeitsunfähigkeitstage auf Muskel- und Skeletterkrankungen, in Dresden nicht einmal ein Fünftel (18,5 Prozent).

Dagegen sind die Arbeitnehmer in Dresden (13,4 Prozent) häufiger als in Gelsenkirchen (10,8 Prozent) wegen psychischer Erkrankungen arbeitsunfähig. Hamburg weist im Fehlzeiten-Ranking einen mittleren Platz auf, belegt jedoch den Spitzenplatz bei den psychischen Erkrankungen: Jeder siebte Fehltag der Beschäftigten (14,1 Prozent) wird durch eine psychische Krankheit begründet. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 10,1 Prozent.

"Diese Ergebnisse machen deutlich, welchen spezifischen Krankheitsrisiken die Beschäftigten mit ihren jeweiligen Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Städten ausgesetzt sind. Präventionsangebote sollten deshalb immer speziell auf die Ausgangssituation der Menschen bezogen werden", so Schröder.

Der Analyse des WIdO liegen die Daten von 11 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern zugrunde, die 2012 in mehr als 1,3 Millionen Betrieben beschäftigt waren.