Die Bewerbungsmappen kommen einfach zurück, und es sind viele. Keiner schrieb Yana Peil warum. Allenfalls ein mageres "Dankeschön" und "alles Gute für die Zukunft", richten die Personalabteilungen aus. So ging das monatelang. Bewerber aussortieren, weil sie eine Frau sind, weil sie Yilmaz oder Oblomow heißen statt Obermüller, ist verboten - und so sind die Firmen wortkarg geworden.

Yana Peil kann sich also nur zusammenreimen, was ihr all die Absagen einbrockt: Es liegt nicht an ihrem guten Abschlusszeugnis von der Hochschule in Kempten, wo sie Tourismus studiert hat, nicht an ihrem Deutsch, das sie mit leichtem Akzent, aber fließend spricht. Wohl eher daran, dass sie Ukrainerin ist, dass die Chefs im Bewerbungsgespräch immer nach ihrer Aufenthaltserlaubnis fragten. Zu allem Überfluss lautete ihr Nachname damals, vor ihrer Heirat, Fedoryuk. "Bei Bewerbungen war das eine Katastrophe", sagt Peil.

Man kann nicht sagen, dass Ukrainer den besten Ruf hätten in Deutschland, schon gar nicht nach der Visaaffäre um erschlichene Reisegenehmigungen vor sieben Jahren. Ukrainer in Deutschland verbinden viele mit Schwarzarbeitern, Autoschiebern oder Prostituierten. Das trifft auch Menschen, die gar nichts damit zu tun haben. Der Regierungsbericht zum Fortschritt der Integration hat solch einen Verdacht vergangene Woche erst wieder bestärkt. Trotz der gleichen Qualifikation verdienen Migranten im Schnitt weniger, stellten die Forscher fest.

Peils schwarze Serie endete bei einer Bewerbung, wo all das keine Rolle spielte: Der Münchner Geschenkedienstleister Mydays erprobt seit gut einem Jahr anonymisierte Bewerbungen. Wer eine Stelle in der internationalen Internetfirma will, der darf keine übliche Bewerbung mit Namen, Alter und Porträtfoto schicken, sondern muss sich online an einem vierseitigen Formular abarbeiten. "Vermeiden Sie Angaben, die Rückschlüsse auf Ihren Namen, Ihr Alter, Ihr Geschlecht, Ihren Familienstand oder Ihre Herkunft zulassen", heißt es da. Der Bewerber darf sich nur mit Zeugnissen, Abschlüssen, Berufserfahrung oder sonstigem Engagement präsentieren.

Mydays nimmt an einem Pilotprojekt teil, das auch der DGB unterstützt. Zusammen mit der Telekom, der Post und drei weiteren Konzernen erproben sie eine Bewerbungskultur für die Migrationsgesellschaft - oder, je nach Sichtweise, für die alternde Gesellschaft, oder eine, die Frauen mehr Chancen gibt. Nach gut einem Jahr Erprobungsphase will die Antidiskriminierungsstelle des Bundes in diesem Frühjahr eine Bilanz vorlegen. Ist das Experiment erfolgreich, könnte dies der Anfang einer völlig neuen Bewerbungskultur im Lande sein. In anderen Staaten wie den USA oder Kanada sind solche Bewerbungen längst verbreitet.