Der Psychologe Stephan Grünewald erklärt, warum die Bundesbürger zwar viele Patente anmelden, aber Angst vor einer Unternehmensgründung haben.
Stephan Grünewald, 50, ist Psychologe, Mitbegründer des Marktforschungsinstituts Rheingold und Autor des Buchs Deutschland auf der Couch. Er erklärt, warum die Deutschen zwar gerne tüfteln und werkeln, aber so zögerlich Unternehmen gründen.
Bild vergrößern
Psychologe Stephan Grünewald vom Institut Rheingold weiß, warum die Deutschen Angst vor der Selbständigkeit haben. (© Ralf Baumgarten)
Anzeige
SZ: Herr Grünewald, die Deutschen gründen wesentlich weniger Firmen als beispielsweise die Amerikaner - warum?
Grünewald: Die Deutschen haben keine übergreifende nationale Identität. Die Amerikaner dagegen haben eine. Sie identifizieren sich über einen gemeinsamen Pioniergeist, der in ihrer Geschichte begründet ist: vom Tellerwäscher zum Millionär und eben auch mal umgekehrt. Aufstieg und Abstieg sind in dieser Gesellschaft möglich. So ein gemeinsames Selbstverständnis haben wir nicht.
SZ: Und das führt dazu, dass sich weniger in die Selbständigkeit trauen?
Grünewald: Identität gibt Halt. Dadurch, dass sie uns fehlt, sind wir sehr schnell in einem Zustand der Unruhe und des Zweifels. Es führt zu zwei typischen Verhaltensweisen. Die erste ist die, die die Deutschen groß gemacht hat: die Werkelmentalität, Grundlage der Ingenieurskunst. Wir suchen uns wegen der fehlenden Identität - und setzen die Unruhe produktiv um: Wir werkeln, wir erfinden, wir dichten. In keinem Land gibt es so viele Baumärkte und Hobbykeller. Und wir melden viele Patente an.
SZ: Und die andere Seite der fehlenden Identität?
Grünwald: Die Unruhe und die Zweifel lähmen uns. Wir versuchen Sicherheit herzustellen durch Bürokratie, Statistiken, DIN-Normen. Damit legen wir uns lahm, damit zementieren wir alles. Bei uns ist vieles formalisiert, das ist der Tod jeder Eigeninitiative. Und: Die Bürokratie verhindert Gründungen durch zu hohe Auflagen und sie führt auch schon im Vorfeld dazu, dass Menschen sich von vorneherein zu sehr auf den Staat verlassen und nichts Neues ausprobieren. Wir delegieren die Risiken an den Staat.
SZ: Und so werden dann aus den deutschen Tüftlern eben keine Unternehmer?
Grünewald: In unserer Studie zu dem "typisch Deutschen" haben wir herausgefunden, dass das produktive Werkeln oft im Hobbykeller oder im Verein stattfindet, also in berechenbaren Formen.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 3 nächste Seite
- Existenzgründer im Gespräch (1) Ein Shirt für alle Fälle 18.02.2011
- SZ: Gründerserie Im Land der Zauderer 19.02.2011
- Zufriedenheit im Job Morgen wird alles anders 03.08.2010
- Existenzgründer im Gespräch (2) Keine Lust auf Rente 23.02.2011
- Kinderbetreuung Die Kleinen? Bei der Online-Bekanntschaft 21.12.2010
- Tipps für Existenzgründer Der Bauch verdient mit 03.12.2010
Bruce Springsteen in Frankfurt
Alles für die Massenproduktion. Nur ...
... mit Niedriglöhnen, wie in China und ohne Steuern wären sie rentabel gewesen. Und das Zeug in China herstellen zu lassen, damit mir in einem Jahr die Chinesen die Produktion abgekupfert haben, ...
Nee, nee...
So arbeite ich weiter als abhängig Beschäftigter und zahle brav meine Steuern.
Sollen sich doch andere Firmen eine blutige Nase holen mit dem Kopierweltmeistern!
"... sind doch alle etwa gleich ausgebildet. Und einen Bezug zu ihrem Produkt haben sie oft nicht mehr, dadurch produzieren sie austauschbare Dinge. "
Im Gegensatz zu den Leuten mit Liebe zum Produkt werden die SAP Verwalter aber verflixt hoch bezahlt, obwohl die selbst laut Autor austauschbar sind. Irgendwo ist ein Fehler, entweder in der Theorie der Marktwirtschaft oder in der Realität.
Identität habe, also keine Gemeinschaftsseele habe,
dann will er den Leib des Deutschlands aber auf die Couch legen und dessen Seele untersuchen!
Also bitte, entweder oder!
FAZIT:
Wir sehen daran, daß der Autor nicht die Realität unseres Landes zu der Grundlage seines Buches macht, sondern ideologische Eigenkonstruktionen und Ideen von dem Land für das Buch grundlegt.
Damit kann er dann leicht ein sehr elegant wirkendes, hübsches Buch schreiben, das sicherlich auch Preise bekommen wird, aber dennoch nichts taugt.
Es taugt nichts, wie auch ein noch so schönes Haus auf einer miserablen Fundament - Grundplatte nichts taugt!
man ein magisches Königtum mit einer daran angedockten Gemeinschaft des Volks hat, wie im alten Frankreich.
Auch im Orient ist der Machthaber der erste unter Brüdern, es ist eine Familie, zentral gesteuert.
Die Germanen organisierten sich dagegen über Rechts- Genossenschaften, dann über eine Schichtung von ständischen Gesellschaften im Mittellalter.
Man hat da ethische Ideale, aber nicht Identitäten mit einem König, der alle versorgen soll, also magisch wirkt.
Die fehlende Identität der Deutschen ist also viel moderner und demokratischer als diese Überidentifizierung der Italiener, Franzosen, Angländer, Amerikaner mit ihrer romanischen "Sklavensystem- Hochkultur"- Grundlage.
Diese identifizieren sich alle mit der römischen Kultur, wollen imperial sein!
Die Deutschen wollten und wollen max. ein christl. Reich haben, das Christliche machtvoll beschützen, Friedensreich sein, aber nicht imperial sein!
Hitler hat diese Art den Deutschen aufzudrücken versucht, wollte diese ewigen Germanen mit ihrer fehlenden antiken Baukulturgeschichte (Hitler verachtete die Germanen, weil sie nur in Holzbauten und in Dürfern gewohnt hatten) heidnisch- römisch machen: daher sein Drang zu Kolosseum- Bauten!
Unsere unklare Identität ist begründet in der Ungeklärtheit unserer weltlich mentalen Herkunft. Diese wird seit 1200 Jahren ständig als "barbarisch" bezeichnet.
Wir verstehen - intellketuell gesehen - nicht unsere Art der Metaphysik, nicht die speziellen Sprachform. Unsere Kreativität u. Erfindertum kommt aus unserem Rechtsverständnis, das widerum führte zur Abstraktion und zu Technik!
UND: Die genannte "Unruhe" ist ein rein akademisches Problem und keines der breiten Bevölkerung! Ich teile also nicht die allzu vordergründige Argumenatation des Autors!
"Aufstieg und Abstieg sind in dieser Gesellschaft möglich. So ein gemeinsames Selbstverständnis haben wir nicht."
Nö, wie auch? Abstieg ist für die meisten von uns jederzeit möglich (ab einem gewissen Status/Kontostand allerdings eher schwierig), Aufstieg nur sehr begrenzt (ohne entsprechende Herkunft oder Verbindungen); ich bezweifle, dass dies in den USA viel anders ist.
"Wir werkeln, wir erfinden, wir dichten. In keinem Land gibt es so viele Baumärkte und Hobbykeller."
Liegt vielleicht daran, dass, wenn ich in meinem Hobbykeller etwas innovatives herstelle, mich daran freuen kann. Wenn ich mit dieser Idee eine Firma gründe, ist es nicht unwahrscheinlich, von irgendwelchen Konzernen oder Patenttrollen in Grund und Boden geklagt zu werden (wenn mich vorher die Gründlichkeit der deutschen Bürokratie noch nicht umgebracht hat).
"Und wir melden viele Patente an."
Weniger "wir", als vielmehr die Konzerne, oder? Ich kenne einige kleinere Firmen, die ziemlich viel Geld für Patentanmeldung ausgeben, ohne Verletzungen einklagen zu wollen. Die machen das einfach nur, damit sie nicht von besagten Konzernen in Grund und Boden geklagt werden. Rausgeworfenes Geld eigentlich, aber anscheinend notwendig.
Paging