Von Manfred Hummel

Wie sich Unternehmen dafür einsetzen, Schüler fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

Genau betrachtet, profitieren beide Seiten vom Austausch, der seit Jahren unter der Rubrik "Schule und Wirtschaft" stattfindet. Die Schüler, weil sie eine Ahnung bekommen, wie die Wirtschaft "tickt". Und die Unternehmen, weil sie Gelegenheit erhalten, sich zu präsentieren und nach geeignetem Nachwuchs Ausschau zu halten. Nicht selten führen die persönlichen Kontakte zu interessanten Ausbildungsplätzen.

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Die Brücken zwischen Schulen und Betrieben sind mannigfaltig. Das Handwerk kümmert sich besonders um die Hauptschüler und beschreibt in akustischen Porträts Berufe wie den Zimmerer, Maurer und Elektroniker. Eine "Matcherin" kommt in die Schulen, sucht nach Bewerbern für Ausbildungsplätze, führt also "Angebot und Nachfrage" zusammen. Sie hilft den Jugendlichen auch beim Abfassen der Bewerbungsunterlagen. Verteilt wird auch eine eigens entwickelte Hauptschulmappe mit Info-Material für den Unterricht. Schließlich unterstützen die Kammern das Münchner Hauptschul-Projekt "firm", bei dem Schüler Firmen gründen.

Seit den 50er Jahren gehen die Wirtschaftssenioren der Industrie- und Handelskammern in die Schulen. Warben sie früher für die Soziale Marktwirtschaft, bringen sie den Kindern heute die Arbeitswelt näher. In diesem Sinne agiert auch ein paritätisch besetzter Arbeitskreis Schule-Wirtschaft, in dem beispielsweise neue Berufe vorgestellt werden. Eng ist die Kooperation der Schulen mit dem Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft. Pflichtpraktika in der 8. und 9. Jahrgangsstufe der Hauptschulen unterstreichen das Engagement der IHKs. Für andere Schultypen sind diese Praktika freiwillig und finden teilweise in den Ferien statt.

Auf den Chefsessel

Für Hauptschulen hat das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft ein Planspiel entwickelt, den "Beachmanager". So sollen die künftigen Azubis wirtschaftliche Prozesse und Zusammenhänge spielend erlernen. Das Spiel trainiert Schlüsselqualifikationen wie Teamarbeit, vernetztes Denken und verantwortungsvolles Handeln.

Nicht lumpen lassen sich auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft und der Metallarbeitgeber-Verband, wenn es darum geht, der Jugend die Hand zu reichen. Die flächendeckenden Arbeitskreise Schule-Wirtschaft bieten den "Lernort" Wirtschaft an. Die Stiftung Bildungspakt Bayern unterstützt Groß- und Einzelprojekte bei der Kooperation von Schule, Wirtschaft und Elternhaus. Die Stiftung strebt mehr Autonomie der einzelnen Schulen an. Lehrer sollen Verantwortung für die ganze Schule tragen und innovative Unterrichtsmethoden praktizieren.

Bundesweit einzigartig ist ein im Jahr 2001 begonnenes Projekt der bayerischen Wirtschaft: Pro Jahr übernehmen bis zu zehn Gymnasiallehrer ein halbes oder ganzes Jahr lang verantwortungsvolle Positionen in Unternehmen. Ihre Erfahrungen bringen sie wieder in den Schulalltag ein. Sie waren beeindruckt von der Arbeit im Team und den "flachen" Hierarchien, berichteten Lehrer bei einer Zwischenbilanz. Die Unternehmer lobten die Pädagogen als hoch motiviert und sofort einsatzfähig. Wenn es nach Kultusminister Siegfried Schneider und Bertram Brossardt geht, dem Hauptgeschäftsführer des Verbands der bayerischen Wirtschaft, dann soll die Zusammenarbeit intensiviert werden - in beiderseitigem Interesse.

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(SZ vom 3.7.2007)