"Verantwortungsvolle Tätigkeit in motiviertem Umfeld"
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"Die Grönholm-Methode": Vier Bewerber warten im Besprechungszimmer auf ihr Abschluss-gespräch und merken nicht, dass das Auswahlverfahren längst begonnen hat. (© Foto: oH)
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Nicht jeder, der sich initiativ bewirbt und dann zu einem Treffen in ein Restaurant eingeladen wird, muss mit Hintergedanken des Chefs rechnen. Wenn man aber ein zweites oder gar drittes Mal eine Unterhaltung mit seinem Wunscharbeitgeber führt, ohne dass dabei ein Job herausspringt, ist das ziemlich frustrierend. Warum sich Vorgesetzte überhaupt die Zeit für solche Verabredungen oder für Kennenlern-Tage nehmen, die derzeit immer öfter angeboten werden, ist nicht so leicht zu erklären.
"Oft stehen die genauen Aufgaben für einen neuen Mitarbeiter noch gar nicht fest, wenn eine Firma mit der Suche beginnt", sagt Daniela König, Geschäftsführerin der Managementberatung Mühlenhoff & Partner. "Vor allem mittelständische Firmen sondieren erst mal, welche Bewerber mit welchen Qualifikationen sie zu welchem Gehalt bekommen können. Je nachdem, was sie einem Kandidaten zutrauen, wird das Aufgabengebiet dann genauer eingegrenzt, wenn jemand bereits in der engeren Wahl ist." Vor diesem Hintergrund ist es kein Wunder, dass manche Anzeigen, in denen von einer "verantwortungsvollen Tätigkeit in einem motivierten Umfeld" die Rede ist, irgendwie klingen, als wüsste die Personalabteilung selbst nicht genau, wen sie eigentlich sucht.
Zermürbend können für Jobsuchende auch bürokratische Hürden sein, die viele Firmen trotz der Beschleunigung durch Online-Bewerbungen immer noch bremsen. "Einige Unternehmen verfügen nicht gerade über ein ausgefeiltes Personalmanagement", sagt Steffen Westermann. Erkrankt beispielsweise ein Sachbearbeiter, der für eine vakante Stelle zuständig ist, übernehmen Kollegen die Bearbeitung, die möglicherweise nicht richtig über das Profil des Jobs informiert wurden. So manche Mappe von geeigneten Bewerbern landet dann schon mal im Papierkorb. In großen Firmen kann es vorkommen, dass die Unterlagen sogar mehrere Jahre im Giftschrank liegen und ein Kandidat dann plötzlich einen Anruf bekommt und gefragt wird, ob er noch interessiert sei.
Unter Verdacht
Für manche bürokratischen Abläufe gibt es gute Gründe. Etwa für die Bitte an Bewerber, ihre Unterlagen in dreifacher Form einzureichen oder Formblätter handschriftlich auszufüllen. "Wenn Bewerber, die einen geschönten Lebenslauf vorlegen, die gleichen Angaben noch mal auf standardisierten Formularen machen müssen, schleichen sich schnell Ungereimtheiten ein", sagt Westermann. "So kann man Hochstapler leicht entlarven." Das Gefühl, per se unter Verdacht zu stehen, ein Betrüger zu sein, ist unangenehm. Nicht nur Langzeitbewerber, die vielleicht schon mehr als ein Jahr einen Job suchen und deren Selbstwertgefühl am Boden ist, schlittern leicht in eine Depression. Dass immer nur einer von vielen Kandidaten einen Job bekommen kann, ist da ein schwacher Trost. Bewerber sind fast nie in einer komfortablen Situation. Umso schlimmer ist, wenn sie auch noch mit rüpelhaftem Gebaren von Personalchefs, Stressinterviews oder perfiden Psychotests konfrontiert werden.
Um Arbeitgebern den Spiegel vorzuhalten, haben Thomas Klauck und Katrin Lehnert aus Berlin die "Absageagentur" gegründet. Bewerber können selbst Absagen formulieren und ins Internet stellen. "Mit bitterer Überraschung", schreibt dort ein Bewerber an das Goethe-Institut, "habe ich Ihre Glückwünsche zum Erreichen der zweiten Stufe im Auswahlverfahren um das Trainee-Programm zur Kenntnis genommen. In der ersten Stufe, der Online-Bewerbung, gab ich unter Qualifikation an, dass ich viel Alkohol vertrage. Als Referenzen nannte ich Guido Westerwelle und Roman Herzog. Daraus kann ich nur folgende Schlüsse ziehen: Sie haben sich meine Bewerbung gar nicht richtig angesehen. Es kommt Ihnen nur auf die Form, nicht aber auf den Inhalt an." Der frustrierte Bewerber schließt mit dem Gruß: "Unter Berücksichtigung dieser Aspekte bleibt mir nichts anderes übrig, als Ihnen eine Absage zu erteilen. Für Ihre Zukunft wünsche ich Ihnen alles Gute."
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(SZ vom 27.09.2008/gut)
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