Akquisiteure für Elite-Unis Studieren und Engagieren

In Yale wolle man Studenten, die Einsatz zeigen und neben der Schule ihre vielfältigen Interessen und Talente unter Beweis stellen, erklärt Westphal: "Mit guten Noten allein kommt man da nicht weit. Einen Einser-Abschluss haben fast alle." Es gehe nicht darum, dass die Alumni Bewerber auf Herz und Nieren testen. Sie sollen "herausfinden, ob die Bewerber aus den vielfältigen Möglichkeiten der Universität einen Nutzen ziehen würden".

Davon hat Klieber in seinem Bewerbungsgespräch offenbar überzeugt. Heute studiert er im dritten Semester in Yale. Rückblickend glaubt der 22-Jährige, dass unter anderem seine Biathlon-Karriere den Ausschlag für die Zulassung gegeben hat. Dass er mit der Absolventin während des Gesprächs auf einer Wellenlänge gewesen sei, habe sicherlich nicht geschadet.

Princeton-Alumna Wangenheim sieht den Vorteil dieser Gespräche darin, dass die Absolventen unvoreingenommen sind. "Wir wissen vor dem Gespräch nicht, welche Noten ein Bewerber hat und dürfen nicht danach fragen." Themen wie Politik und Religion seien ebenfalls tabu. Wangenheim möchte lieber erfahren, ob jemand in seiner Freizeit Klavierkonzerte gibt, eine Firma gegründet hat oder in einer Sportmannschaft Mitglied ist. Ähnlich ist das laut Dessain im Bewerbungsprozess für die Harvard Business School: "Unser Auswahlpersonal will sehen, ob jemand neugierig ist, sich in seinem Umfeld einbringt oder in der Lage ist, eine Idee infrage zu stellen." Deshalb würden in den Gesprächen keine Fakten abgeprüft.

So locker die Gespräche ablaufen, so hart ist der Rest des Bewerbungsprozesses. Dazu gehören Wissenstests, Aufsätze sowie ein Sprachtest. Wer für sein Bachelor-Studium in die USA gehen möchte, solle sich nicht nur an einer, sondern eher an acht Universitäten bewerben, sagt Wangenheim. Auch Klieber hat nicht alles auf eine Karte gesetzt. Am Ende bekam er Zusagen aus Yale und Stanford. "An Yale haben mich das Kursprogramm und die Architektur überzeugt", erzählt er. Im ersten Jahr musste er hart arbeiten. Trotzdem schrieb er nebenbei für eine Studentenzeitung, sammelte mit Kommilitonen Geld für karitative Zwecke und wurde Vorsitzender des Deutsch-Clubs. Nach dem Abschluss möchte er ein Unternehmen gründen. Und vielleicht wird er ebenfalls helfen, Elite-Studenten für Yale zu finden.