Ähnlich ergeht es vielen Habilitierten, die als Privatdozenten manchmal ohne Vergütung zwischen mehreren Unis im In- und Ausland herumreisen, um die Chance auf einen Lehrstuhl zu wahren und die Venia Legendi (die Berechtigung, Vorlesungen zu halten) nicht zu verlieren. Privatdozenten sind zur Lehre verpflichtet, sonst verlieren sie ihren Status. Mitunter bekommen sie für den Unterricht aber keinen Cent. Und so manche Privatdozenten erlangen nie eine Professur. Der Deutsche Hochschulverband beobachtet die unsichere Lage der Dozenten mit Sorge. "Inakzeptabel" nennt Verbandssprecher Matthias Jaroch die gängige Praxis, Lehrverpflichtungen von Privatdozenten nicht zu vergüten.
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Eitelkeit und Scham
Volker von Prittwitz, außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft in Berlin, bezeichnet sich selbst als Wanderarbeiter, dessen Bezahlung weit unter Hartz-IV-Kriterien angesiedelt sei. Er macht sich stark für eine Allianz zwischen allen von "Ausbeutung" Betroffenen an den Hochschulen. Als Privatdozent und als Lehrbeauftragter pendele man zwischen Eitelkeit, Karrierewunsch und Scham wegen der fehlenden Bezahlung. Prittwitz nennt die gegenwärtige Lage eine "Katastrophe" für die betroffenen Dozenten.
Die Chancen, dass sich ein Heer von Lehrbeauftragten und Privatdozenten sammelt, das für ihre Interessen kämpft, sind aber gering - viele hoffen eben, irgendwie allein weiterzukommen.
Ein Jahr - das hat der Münchner Ethnologe Treiber sich als zeitliche Grenze gesetzt, dann will er der Finanznot entkommen und sich eine Arbeit suchen, von der er besser leben kann. Am liebsten bliebe er in der akademischen Welt. Derzeit finanziert er sich zwei Tage Uni durch drei Tage Schule. An einem Gymnasium unterrichtet Treiber Deutsch und Ethik. Trotz guter Ausbildung hat er an Schulen auch keine richtige Perspektive, denn ihm fehlt das Referendariat.
Etwas besser könnte es Lehrbeauftragten gehen, wenn die zuständigen Uni-Kommissionen ein höheres Entgelt als Maßnahme zur Verbesserung der Lehre anerkennen. Dann wäre es möglich, höhere Honorare für die "Generation Lehrauftrag" aus den vielerorts eingeführten Studiengebühren zu bezahlen. Profitieren könnten Dozenten auch vom Hochschulpakt, den Bund und Länder vereinbart haben, um den Studentenandrang zu bewältigen. Rund eine Milliarde Euro sollen dafür bis 2010 fließen. Mit dem Geld wollen die Hochschulen neue Stellen für Wissenschaftler schaffen.
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(SZ vom 27.11.2006)
Verfassungsrichter rügen Billig-Professuren
Ein nicht zu unterschätzender Aspekt bei dieser Sachlage ist der leider schon allzu existente Brain-Drain an deutschen Hochschulen. Mangelhafte Arbeitsbedingungen, geringe bis lächerliche Bezahlungen, schlechte Perspektiven an Hochschulen und ausufernde Drittmittel-Bürokratie sorgen in vielen Fachbereichen dafür, dass schon lange nicht mehr die geistige Elite an Hochschulen verbleibt und dort arbeitet, sondern nur die, die diese für ein "Denkerland" beschämende Situationen geistig und seelig verkraften können. Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, dass die besten und motiviertesten Mitarbeiter möglichst schnell die Hochschule Richtung Wirtschaft oder Ausland verlassen haben . Dies gilt vor allem für die technischen/naturwissenschaftlichen Disziplinen in denen man Alternativen zur Hochschule hat.
Die Geisteswissenschaftler haben es, da ihre Fächer oftmals von Bildungspolitikern als "Schnick-Schnack" angesehen werden, sowohl in der freien Wirtschaft als auch an einer Hochschule noch wesentlich schwerer.
Leider sehe ich keine Besserung in näherer Zukunft, da die Politik nur von Wahl zu Wahl denkt, Bildungspollitik aber eine langfristige Investition ist und leider die Hochschulprofesoren und Wissenschaftsverbände leider nicht in der Lage sind, ihre Lage und ihre Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland der breiten Öffentlichkeit klar zu machen.
Die haarsträubende Realität, die dieser Artikel offen legt ist nicht neu. Auch wenn sich die AkademikerInnen von dem Hochschulbetrieb abwenden und sich in anderen Tätigkeitsfeldern zu etablieren suchen, finden sie kaum noch Verdiensmöglichkeiten, um ihren Lebensuterhalt zu bestreiten. Nur wer über ein fettes Polster (ökonomisches und soziales Kapital) verfügt, hat eine Chance. Wer vor diesem Hintergrund den vielen Arbeitslosen, MigrantInnen und jungen Menschen in unserem Land auch noch einen zu geringen Bildungsstand oder mangelnde Bereitschaft zur (Weiter-)Bildung nachsagt ist zynisch! Eine Lumpen-Intelligenzia ist wohl kaum dazu geeignet, Bildung als erstrebenswertes Ideal zu vermitteln.
gocogo
Ich kann mich dem Artikel nur anschließen. Es zeigt die unattraktive Umgebung für Akademiker. Es wird viel verlangt, aber wenig, bzw. gar nichts gegeben. Ich promoviere z.Z. habe allerdings eine Lehrtätigkeit in China. Zum einem ist der Stundenlohn mit umgerechnet 15EUR höher, zum anderen habe ich hier ganz andere Lebenshaltungskosten. Somit reicht es zu weit mehr als einem Feierabendbier. Wenn sich da nicht bald was in Deutschland ändert, werden sich gut ausgebildete Akademiker noch stärker im Ausland umsehen. Dort gibt es oft weitaus bessere Aussichten als Hoffnung auf Besserung.