Von Von Nicola Holzapfel

37.000, 43.000 oder 56.000 Euro: Was Berufseinsteiger verdienen können.

Gehaltsumfragen sind eine schöne und zugleich gefährliche Sache. Einerseits erlauben sie einen Einblick in den Markt und helfen, den eigenen Marktwert einzuschätzen. Aber andererseits verleiten sie zu vorschnellen Schlüssen und im ungünstigsten Fall zu überzogenen Erwartungen. Hochschulabsolventen, die zu viel verlangen, gibt es auch beim derzeitigen Arbeitsmarkt. Davon berichten Arbeitgeber und Personaldienstleister.

Geldschein

Gehälterstudien liefern oft nur Durchschnittsangaben. Ausreißer nach unten - wie ein Einstiegsgehalt von 20.000 Euro in Berlin - oder oben werden oft nicht dargestellt. (© Foto: Vera Thiessat)

Anzeige

Vielleicht haben sich die forschen Bewerber zuvor die falsche Umfrage gegriffen oder die Zahlen nicht genau studiert. Wer mehrere Studien vergleicht, entdeckt oft unterschiedliche Ergebnisse. Manchmal werden die Gehälter von Berufseinsteigern erhoben, dann von Akademikern, die bis zu drei Jahre im Job sind. Manchmal werden die Einkommen nur nach Funktion ausgewiesen, ein anderes Mal nur in einer bestimmten Branche erhoben.

Fangen wir mit der aktuellsten Studie an, für die die Verdienstmöglichkeiten von Berufseinsteigern ermittelt wurden. Und fangen wir klein an:

514 Euro. Das ist das durchschnittliche Monatsgehalt, mit dem Hochschulabsolventen rechnen können, wenn sie ein Praktikum machen. Das hat eine Umfrage des Rekruiting-Dienstleisters alma mater ergeben. Besser klingt da schon das ermittelte Einstiegsgehalt für den ersten Job, das im Schnitt bei knapp 37.700 Euro liegt.

Das ist eine griffige Zahl, aber wer mehr Infos aus der Studie rausziehen will, muss sich die Angaben genau anschauen und erst mit Begriffen wie "Median" und "Quartil" zurechtkommen. So ist im Marketing der Median beispielsweise 38.000 Euro, das heißt, dass 50 Prozent der erhobenen Gehälter darüber, 50 Prozent darunter liegen. Das Gehalt im ersten Quartil liegt bei 35.000 Euro. Das ist nicht die Untergrenze, sondern bedeutet, dass 25 Prozent der Gehälter noch niedriger sind als 35.000 Euro.

Die Studie, für die mehr als 1000 Gehaltsangaben aus Firmen unterschiedlichster Größe zusammen kamen, zeigt, dass die Gehälter in Großunternehmen deutlich höher liegen: Absolventen können bei Arbeitgebern mit mehr als 1000 Mitarbeitern bis zu zwölf Prozent mehr verdienen. Das hängt der Studie zufolge damit zusammen, dass die kleineren Firmen seltener tarifgebunden sind und Einstiegsgehälter leichter an den Markt anpassen können.

Laut alma mater sind die Einstiegsgehälter seit Jahren rückläufig. Vor allem am unteren Ende der Gehälter sei erkennbar, dass die "Verhandlungsbereitschaft vieler Absolventen wächst."

Verlockender klingen die Ergebnisse der Umfrage der IG Metall, die regelmäßig die Einstiegsgehälter von Hochschulabsolventen in Automobil-, Elektro-, IT-, Maschinenbau- und Telekommunikationsunternehmen untersucht. Zuletzt wurden im Herbst vergangenen Jahres die Gehälter in 16 großen Firmen erhoben, von denen die meisten nach Tarifvertrag bezahlen.

Uni-Absolventen mit VWL- oder BWL-Diplom kommen demnach im Schnitt auf 47.395 Euro. Ingenieure, Informatiker und Naturwissenschaftler steigen mit 48.629 Euro noch höher ein.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Von besonderen und anderen Absolventen
  2. Von besonderen und anderen Absolventen
Leser empfehlen