Von Nina Faltin

Unseriöse Stellenangebote der Arbeitsagentur: Wenn sich das Vorstellungsgespräch als Verkaufsveranstaltung entpuppt.

Das Vorstellungsgespräch findet in einem der nobelsten Hochhäuser am Potsdamer Platz in Berlin statt. Die Bewerber sind in Anzug und Kostüm erschienen. Für den Job sind sie perfekt qualifiziert: Martin Hartmann hat gerade sein Übersetzer-Studium abgeschlossen. Miriam Meier (beide Namen geändert) ist ebenfalls geprüfte Übersetzerin. Zuletzt war sie hauptberuflich Hausfrau und Mutter, jetzt möchte sie zurück in den Beruf. Doch beim Vorstellungsgespräch spielt der Job auf einmal gar keine Rolle mehr. Stattdessen werden die Bewerber zur Kasse gebeten.

(© Foto: iStockphoto / Montage)

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Das Sprachinstitut DM-Lingua mit Niederlassungen in Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Lüneburg und Moskau sucht ,,freiberufliche Dolmetscher und Übersetzer für alle Sprachen in Vollzeit''. Hartmann hat das Job-Angebot im Stellenpool der Arbeitsagentur gefunden. Meier bekam es von ihrer Sachbearbeiterin zugeschickt und ist als Arbeitslosengeld-Empfängerin verpflichtet, den Termin wahrzunehmen. Im Vorzimmer treffen sie auf weitere Bewerber, manche sind extra aus anderen Städten angereist und wollen sich die Fahrtkosten von der Arbeitsagentur ersetzen lassen.

Alle Bewerber müssen zunächst einen Anmeldebogen ausfüllen. Auf der Rückseite sollen sie mit Kugelschreiber einen Baum zeichnen - warum, bleibt unklar. David Mikaelian, Chef des Sprachinstituts, empfängt immer zwei Kandidaten auf einmal. Der Armenier präsentiert sich auf seiner Internetseite als aufstrebender Geschäftsmann mit besten Verbindungen in Politik und Kultur, der in Moskau studiert hat und vor 15 Jahren nach Hamburg kam. Seine Firma, die mit dem Slogan ,,Ihre Sprache sprechen wir'' wirbt, bietet Übersetzungen in 90 Sprachen an - wobei es schon mit dem Deutschen zu hapern scheint. Auf der Seite www.dmlingua.de heißt es: ,,Die Grammatik und Landeskunde, angeknüpft an den zahlreichen Übungen, befestigen das Lernprogramm.''

Institutsleiter Mikaelian schenkt Wasser ein und plaudert. Über Deutschlands schöne Städte und Frauen, das Wetter und die Wiedervereinigung. ,,Nun kommen wir zu dem Teil, unsere zukünftige Zusammenarbeit betreffend'', sagt er geschraubt. Doch über Arbeitsbedingungen, Bezahlung oder künftige Aufträge erfahren die Bewerber nichts. Mikaelian macht lediglich klar, dass er Übersetzer braucht, die auch als Dolmetscher einsetzbar sind. Doch dafür müssten sie sich zuerst fortbilden. Er drückt ihnen einen Prospekt mit Seminaren seines Instituts in die Hand und empfiehlt ein Rhetorik- und Sprechtraining zum Preis von 192 Euro sowie eine dreistündige Einführung in das Dolmetschen für 150 Euro. Für künftige Mitarbeiter gelte ein Sonderpreis von 298 Euro für beide Kurse. Die Einwände der Bewerber, sie hätten bereits an Dolmetscher-Seminaren teilgenommen und keine Probleme mit der Stimme, lässt er nicht gelten.

"Grundsätzlich kann ein Arbeitgeber von seinem künftigen Mitarbeiter eine Weiterbildung verlangen'', sagt Holger Lunau, Sprecher der Industrie- und Handelskammer Berlin. Der beschriebene Fall erscheint ihm aber dubios. Wer aufgefordert werde, vor Arbeitsbeginn in die Tasche zu greifen, solle das Angebot genau prüfen lassen. An die versprochene Beschäftigung nach der Weiterbildung glaubt Lunau nicht. Für kriminell hält er das Ganze allerdings nicht, es handele sich um eine rechtliche Grauzone.

Gibt es keinen Schutz vor dubiosen Jobs bei der Arbeitsagentur? "Wie überall sonst gibt es auch hier schwarze Schafe'', sagt Heinz Oberlach, Sprecher der Bundesagentur in Nürnberg. "Und zwar auf beiden Seiten - bei den Arbeitgebern und den Job-Suchenden. Jeden Einzelnen im Vorfeld zu überprüfen, ist für uns so gut wie unmöglich."

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