Eingeschränkt geeignet
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Die zuständige Abteilung des Ministeriums begründete die Auswahl von "American Beauty" mit dem Argument, der Film stelle die Brüchigkeit des amerikanischen Traums beispielhaft dar. Nun mag der Film ohne Zweifel für eine bestimmte Gruppe von Zuschauern unterhaltsam und interessant sein, der Film ist jedoch nur eingeschränkt geeignet als ein Unterrichtsstoff, mit dem Schüler sich wochenlang beschäftigen müssen. Auf die eingeschränkte Eignung des Films als alternativlose Abitur-Vorgabe ist das Ministerium in einer ausführlichen Eingabe hingewiesen worden.
Im November 2008 wurden die Einwände zunächst zurückgewiesen, schließlich entschied jedoch die Schulministerin Barbara Sommer (CDU) persönlich, dem Film eine Alternative an die Seite zu stellen. Nachdem im Spiegel unter dem Titel "Prüde Prüfung" an dieser Entscheidung Kritik geübt worden war, fragte die SPD-Opposition im Landtag, warum neben "American Beauty" ein zweiter Film vorgegeben werde: "Ist diese Landesregierung zu prüde?"
Bbrillanter schwarzer Schüler oder Waisenjunge
Das Ministerium hat mittlerweile die Alternative bekanntgegeben. Es handelt sich um den Spielfilm "The Great Gatsby". Er spielt in den USA der zwanziger Jahre und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der durch Alkoholschmuggel zu einem Vermögen gekommen ist und versucht, seine inzwischen verheiratete Jugendliebe zurückzugewinnen. Der Film endet mit der Ermordung Gatsbys und dem Selbstmord des Täters. Formal haben die Schüler jetzt die Wahl zwischen zwei Filmen. Betrachtet man aber die Morbidität von "American Beauty" und "The Great Gatsby", ist es eine Wahl zwischen Skylla und Charybdis.
Es wird das Geheimnis des Ministeriums bleiben, warum keiner der Filme berücksichtigt wurde, die Kritiker als didaktisch geeignete Alternativen vorgeschlagen haben: die Filme "Erin Brockovich", "The Cider House Rules", "Finding Forrester". Die Hauptfiguren dieser Filme zeigen, wie ein Leben gelingen kann, wenn Selbstvertrauen, Verantwortungs- und Anstrengungsbereitschaft das Leben leiten. Erin Brockovich, eine alleinerziehende Mutter, Homer, ein Waisenjunge ohne formale Bildung, und Jamal Wallace, ein brillanter schwarzer Schüler und Basketballspieler, erfüllen jeder für sich und in unterschiedlicher Weise den Amerikanischen Traum.
Der Autor war Lehrer für Englisch und Latein, Leiter einer gymnasialen Oberstufe und Referent in der Lehrerfortbildung. Er hat über die Filmanalyse im Englischunterricht promoviert.
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(SZ vom 29.6.2009/bön)
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Unnütze Hygienemaßnahmen
Sehr geehrter Herr Dr. X,
zweifelsohne ist ihr Artikel unterhaltsam, betrachtet man ihre Aussagen jedoch etwas näher, so erfährt man, dass hier ein Mensch am Werk gewesen war, der im Bezug auf seinen Artikel vor allem durch eines charakterisiert werden kann: Engstirnigkeit.
Sie verwechseln trotz ihrer hohen Position, die ja dezent ans Ende des Artikels gesetzt ist und Seriösität untermalt, Intention und Bildebene und listen lediglich provokante Situation innerhalb des Filmes auf, um ihre konservative Meinung zu untermauern!
"(...) es geht um Verführung Minderjähriger und Stressabbau mittels Waffengewalt" schildern Sie empört, gänzlich unbeeindruckt davon, dass dies markante Eigenschaften der Satire sind und das eigentliche Thema eine deutliche Kritik an unserer kapitalistischen Gesellschaft ist, in der jeder einzelne seine wahren Werte und Gefühle hinter dem Schein des Ordinären versteckt. Glauben Sie etwa, dass der Schüler nun jenen Ricky, der sein Geld mit Drogen verdient, nachahmen möchte, weil er viel Geld dadurch erhält, obwohl er offensichtlich psychisch labil ist? Glauben Sie, dass der Schüler nicht in der Lage ist, das Thema der Blindheit vor den wirklich wichtigen Dingen des Lebens hinter der ganzen provokanten und deshalb so geschickten Fassade des Films zu erschließen? Ich denke, dass die Betrachtung des American Dreams in keinster Weise nur durch ein blendendes "Yes, we can" geschehen sollte, denn die Schule sollte dem Schüler vor allem eines lehren: Die Fähigkeit, ein Thema von allen Seiten zu durchleuchten, Kritik zu äußern und manchmal auch mithilfe von Satire sein eigenes Moralitätsbewusstsein zu hinterfragen. Und nun sagen Sie, der Film sei ein gewaltätiger und abschreckender, nicht abiturrelevanter Schmarm? Nur wer die Satire nicht versteht, kommt zu solchen Äußerungen und es obliegt dem Lehrer, den Schülern die unglaubliche Tragweite des Films "American Beauty" im Ansatz verständlich zu machen. Die Schönheit der Welt findet sich dort zwar nur in einer Plastiktüte wieder, aber sie hat etwas markant philosophisches, wobei auch Tabuthemen wie die Verführung Minderjähriger als Mittel zur Provokation eingesetzt werden, um uns auf den Missstand der heutigen Zeit aufmerksam zu machen, zumal jene Verführung nicht mal ansatzweise mit dem sensiblen Thema der Vergwaltigung gekoppelt ist. Dies spricht für Qualität oder sagen Sie, Erich Kästner sei es nicht wert im Deutschunterricht besprochen zu werden, weil er i
Der Autor hat absolut Recht. Unsere Welt ist so verkommen und perspektivlos, dass es an der Zeit ist Schülern Idealbilder und Gebrauchsanweisungen für ein gelungenes und erfüllendes Leben an die Hand zu geben. Ich erschaudere förmlich, wenn ich daran denke, wie diese Schüler der gymnasialen Oberstufe den Inhalt des Filmes kritiklos im copy-paste Verfahren für die eigene Zukunft übernehmen werden. Das dürfen wir so nicht geschehen lassen!
Angepasse Filmtitel im Englisch- oder Deutschunterricht können da nur der Anfang sein! Darüberhinaus müssen wir andere Fächer einbinden, wie Geschichte, Kunst, Musik oder Religion. Über Schlachten und schlechte Kapitel der Weltgeschichte darf an Schulen nicht mehr geprochen werden, dies verursacht traumatische Erlebnisse mit unabsehbaren Folgen. Kunst und Musik sollten von ihren kritischen Inhalten befreit werden und stattdessen die schöne Weltordnung verkünden mit Malereien einer vollkommenen Gesellschaft, und liedern, die den Zusammenhalt stärken.
Lasst uns noch viele weitere Fächer einbinden, bis wir letztendlich beim fach Religion oder Ethik angekommen sind: Dieses muss bundesweit 12 Jahre lang Pflicht sein und zum einzigen Inhalt die erstrebenswerte Idealfamilie haben.
Dieser Lehrplan hätte dann endlich das Individuum im Blick. jeder einzelne wird dann gehhirngewaschen - pardon - ich meinte natürlich auf den richtigen Weg geführt.
Für die Zukunft und eine neue Armee vorbildlicher Familienväter, Hausmütter, staatskonformer Mitbürger und kritikloser Medienkonsumenten. Welch ein Traum!
Der Autor des Artikels schreibt über die Morbidität in American Beauty, listet Gewaltszenen und Liederliches auf und vergisst dabei zu erwähnen, dass Satire nun mal genauso funktioniert.
Wie wäre es mit Romeo + Julia in der US-Verfilmung von Baz Luhrmann von 1996?
Aus Versatzstücken des aktuellen Actionkinos, der Popmusik-Kultur, einer gehörigen Dosis religiösem Kitsch und dem 400 Jahre alten Originaltext entstand eine durch die überbordende Fülle der Einfälle die Wahrnehmungsfähigkeiten des Zuschauers herausfordernde fulminante Version der Shakespeareschen Liebestragödie für die MTV-Generation. Trotz einiger Schwächen ist der Film insgesamt ein spannender Versuch, Shakespeare in einem aktuellen Kontext der Reflexion über Gewalt und moderne Medienkultur anzusiedeln. (Lexikon des internationalen Films).
Hätte Shakespeare schon die technischen Möglichkeiten von 1996 gehabt - ich glaube er hätte es fast genauso gemacht.
Wie viele Menschen gibt es, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind und dem grauen Alltag entfliehen wollen indem sie einfach ihren Job kündigen, um wirklich das zu tun, was schon immer ihr Traum war? Natürlich scheitert dieser Traum am Ende durch den Tod, aber trotzdem kann die Hauptfigur des Films nicht sagen er hätte sein Leben nicht in vollsten Zügen genossen und gelebt, denn er stirbt mit einem Lächeln im Gesicht und ist voll mit sich in Einklang, so wie er es sich zu Beginn gewünscht hatte.
Auch das übertriebene Gehabe der Cheerleaderin Angela, die die beste Freundin von Lesters Tochter Jane ist, findet man im normalen Schulalltag wieder. Es gibt doch immer Menschen, die sich für etwas Besseres halten und ihr im Grunde langweiliges Leben durch ein paar Lügen aufpeppen wollen.
Warum sollte dieser Film also nicht Abiturpflichtthema sein? Oftmals tragen Filme auch zur Auflockerung des Unterrichts bei und es ist in den Abiturprüfungen sogar nicht verboten detaillierte Filmanalysen, seitens Kameraeinstellungen und Musikthemen, durchzuführen. Wieso also keine Abiturprüfung über diesen Film?
Im Grunde genommen, dürfte sich der Autor darüber gar nicht aufregen, wenn man bedenkt dass dieser Film im Abendprogramm im öffentlichen Fernsehen zu sehen war (06.02.2007, um 20:15 Uhr auf Sat1), frei für jeden zugänglich, und dies bleibt sicher kein Einzelfall.
Der Film ist auch nicht umsonst mit 5 Academy Awards ausgezeichnet worden. Filme sind dazu da, um den Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Natürlich ist der amerikanische Traum, vom „Tellerwäscher zum Millionär“ heute nicht mehr so einfach umzusetzen. Es soll allerdings auch schon Menschen gegeben haben, die es wirklich von der Putzfrau zur Managerin geschafft haben.
Jedenfalls sollte man im Unterricht, nicht wie vorgeschlagen die Einseitigkeit des „American Dream“ behandeln, sondern auch auf die wahren Umstände des Lebens eingehen. Deswegen halte ich es für äußerst fraglich, ob man mit „Friede, Freude, Eierkuchen“- Filmen seine eigene Meinung über dieses Thema bilden kann. Denn auch wenn man einen bestimmten Artikel liest, weiß man nicht wie sehr der Autor seine eigene Meinung darin versteckt hat. Darum sollte man auch immer vergleichend andere Artikel lesen und sich somit seine eigene Meinung bilden. Genauso wie man zum Thema „Amercian Dream“ den Film „American Beauty“ sehen sollte, der auf die Kehrseite der Medaille eingeht.
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Paging