Abfälliger Tweet US-Professor schmäht übergewichtige Doktoranden

Professoren sollen Promovierenden mit Wissen und warmen Worten zu Seite stehen. Eigentlich. Ein Professor in den USA hat Doktoranden mit Gewichtsproblemen jetzt jedoch öffentlich geraten, ihre Dissertation besser gleich aufzugeben.

Normalerweise versucht Geoffrey Miller seinen Studenten das menschliche Verhalten mit der Evolution zu erklären. Jetzt hat der Professor für Evolutionspsychologie an der Universität von New Mexico jedoch selbst eine Lektion bekommen - darin, wie schnell ein einziger Tweet eine akademische Karriere in Gefahr bringen kann.

Am vergangenen Wochenende hatte Miller, der aktuell zu Besuch an der New York University (NYU) ist, unter seinem Twitter-Namen @matingmind folgende Kurznachricht abgesetzt:

Dear obese PhD applicants: if you didn't have the willpower to stop eating carbs, you won't have the willpower to do a dissertation #truth

Frei übersetzt lautet Millers "Wahrheit" wie folgt:

An alle übergewichtigen Doktoranden-Bewerber: Wenn ihr nicht die Willenskraft hattet, Kohlenhydrate von eurem Speiseplan zu streichen, werdet ihr auch nicht die Willenskraft für eine Disseration aufbringen.

Wie die News-Webseite The Atlantic Wire berichtet, löste der Post vom Sonntagnachmittag innerhalb weniger Stunden einen kleineren Shitstorm aus. Besonders Kollegen aus der Wissenschaft zeigten sich entsetzt über die menschenverachtende Aussage. So twitterte Jay Rosen, Journalismus-Professor an der NYU:

Der Autor und Journalist (Wired Magazine) Steve Silberman rückt den Wissenschaftler und seinen Schmäh-Tweet gar in ideologische Nähe zu den Nazis und ihrer Idee der genetischen Selektion.

Offenbar wurde Miller angesichts dieser harschen Kritik sehr bald klar, welches Eigentor er mit seinem Schmäh-Tweet geschossen hatte. Nach Angaben von Atlantic Wire entschärfte er seine ursprüngliche Aussage zunächst, um wenig später reumütig Abbitte zu leisten. Er wolle sich aufrichtig bei allen für seinen "idiotischen, impulsiven und von schlechtem Urteilsvermögen zeugenden Tweet" entschuldigen, so Miller, wiederum auf Twitter. "Er spiegelt nicht meine wahren Ansichen, Werte oder Standards wider."

Mittlerweile ist keine der Kurznachrichten mehr einsehbar - der US-Professor hat sein Twitter-Profil für die Öffentlichkeit gesperrt. Doch sowohl seine Entschuldigung als auch der Rückzug in die Privatheit kommen zu spät: Längst haben US-Medien den Tweet des Anstoßes dokumentiert - und frühere Aussagen Millers ausgegraben, die ihn als Anhänger der Eugenik zu entlarven scheinen.

Sein Ruf ist beschädigt - und auch sein Job ist wohl in Gefahr. Denn an der Universität von New Mexico zeigt man sich wenig begeistert von der "Öffentlichkeitsarbeit" des Professors. Auf der Webseite der Hochschule heißt es: "Wir sind tief besorgt über die Auswirkung der Aussage, die in keiner Weise den Grundsätzen oder Zulassungsbedingungen der UNM entspricht." Man werde den Vorfall untersuchen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.

Das Statement schließt mit einer Spitze an Miller - die sich auch andere digital naifs zu Herzen nehmen sollten:

(...) Wir sind alle zu Besonnenheit verpflichtet, wenn wir uns sozialer Medien oder anderer Kommunikationsmittel bedienen.