30. November 2012 11:22 "Gap Year" nach dem Bachelor Warum eine Auszeit viele Risiken birgt

Auszeit zwischen Bachelor und Master: Das "Gap Year" hat in vielen anderen Ländern Tradition. die meisten Studenten nutzen die Zeit, um die Welt zu entdecken oder sich beruflich zu orientieren. Doch die Pause nach dem ersten Abschluss ist nicht ohne Gefahren.

Carl Escher nutzt sein "Gap Year", um ein Praktikum bei der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn zu machen.

(Foto: dpa-tmn)

In Großbritannien und den USA hat das "Gap Year" eine lange Tradition: Hochschulabsolventen nehmen eine Auszeit, bevor nach dem Abschluss der Ernst des Lebens beginnt. Die einen nutzen sie, um sich beruflich zu orientieren. Andere genießen noch einmal die große Freiheit und reisen als Rucksacktouristen um die Welt. Auch in Deutschland wird das "Gap-Year" populär - als Auszeit zwischen Bachelor und Master.

Ein "Gap Year" plant auch Carl Escher, der einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre hat. Seine Auszeit betrachtet er nicht als Urlaub. Gerade absolviert der 25-Jährige ein mehrmonatiges Praktikum bei der Deutschen Unesco-Kommission in Bonn. "Bevor es mit dem Masterstudium weitergeht, möchte ich auch noch eine Sprachreise nach Lateinamerika machen", sagt Escher.

Zeit, um über den Tellerrand zu blicken, hatte er in den letzten Jahren nicht. "Ich habe ein duales Studium gemacht", erklärt er. Das bedeutet, dass er während der vorlesungsfreien Zeiten eine Ausbildung in einem Unternehmen absolvierte. "Das Studium war wirklich sehr klassisch BWL, sehr einseitig", sagt er.

Er merkte bald, dass ihm etwas fehlte. Deshalb entschied sich Escher, zwar den Abschluss zu machen. Danach wollte er sich jedoch neu orientieren. "Jetzt ist noch einmal ein guter Zeitpunkt, um das zu machen", glaubt er. Prinzipiell besteht keine Verpflichtung, den Master direkt an den Bachelor anzuschließen. "Die Chancen sind auch die gleichen, egal ob man sich direkt bewirbt oder erst ein Jahr später", versichert Jörg Ottmann von der Zentralen Studienberatung der Goethe-Universität in Frankfurt am Main.

So entsteht ein neues Zeitfenster, das ähnlich genutzt werden kann, wie viele es bereits nach dem Schulabschluss tun. Zeit für praktische Berufserfahrung, Bildungsreisen oder soziales Engagement. Trotzdem würde Ottmann eher davon abraten, ein "Gap Year" nach dem Bachelor zu nehmen. "Es ist besser, solche Sachen während des Bachelor- oder Masterstudiums zu machen, nicht dazwischen."

Auslandsaufenthalte und Praktika während des Studiums hätten den großen Vorteil, dass die Immatrikulation erhalten bleibt. Am Studentenstatus hängen viele Vergünstigungen, die wegfallen, wenn die Pause zu lang wird. "Im Praktikum verdient man oft nichts oder nur sehr wenig, umso wichtiger ist es, an der Hochschule eingeschrieben zu sein."

Außerdem vergeben viele Unternehmen Praktika überhaupt nur an eingeschriebene Studenten. Auch Ingrid Kurz-Eckardt vom Hochschulteam der Arbeitsagentur in Nürnberg warnt zur Vorsicht. "An der Immatrikulation hängen Rentenanrechnungszeiten, die vergünstigte Krankenversicherung und bei Leuten unter 25 Jahren auch das Kindergeld", warnt sie. Das sollten Studenten sich stets bewusst machen und in ihre Planungen mit einbeziehen.

Sie halte es für wesentlich besser, ein oder zwei Urlaubssemester einzulegen. "Oder man schaut, wie lang die Pause ist, die sowieso zwischen der Abgabe der Abschlussarbeit und dem Beginn des Masters liegt." Die sei oft schon lang genug, um ein Praktikum oder einen längeren Auslandsaufenthalt oder gar beides zu planen.

Wer auf die Auszeit nicht verzichten möchte, sollte sich frühzeitig über Möglichkeiten und eventuelle Probleme informieren. Optimal sei, die Planung abzuschließen, bevor die Abschlussarbeit angegangen wird. Denn währenddessen ist nur wenig Zeit für andere Gedanken. "Wenn es ins Ausland gehen soll, sind sogar mindestens anderthalb Jahre Vorausplanung die Faustregel", erklärt Kurz-Eckardt.

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Escher hatte für die Zeit nach dem Bachelor zweigleisig geplant. "Ich habe mich auch nach geeigneten Masterplätzen umgesehen", sagt er. "Ich möchte aber etwas in Richtung Wirtschaftspolitik machen und weg von der reinen BWL." Dieser Wechsel ist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen. Also entschied er sich für das "Gap Year". Der Selbstfindung oder dem Urlaub dient die Auszeit jedoch nicht: Mit seinem Praktikum will er auch seinem Wunsch-Master ein Stück näher kommen. Die praktischen Erfahrungen sollen seine Chancen bei der Bewerbung erhöhen.

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