23. Januar 2013, 17:11 Gambia führt Vier-Tage-Woche ein Mehr Freizeit, weniger Freiheit

Die Ankündigung klingt verlockend: Statt fünf Tage müssen Angestellte im öffentlichen Dienst in Gambia bald nur noch vier Tage arbeiten. Der Arbeitgeber des Jahres ist Präsident Yayha Jammeh aber mitnichten. Sondern ein Diktator mit Allmachtsphantasien.

Von Johanna Bruckner

Im Örtchen Bakau, unweit von Gambias Hauptstadt Banjul, gibt es einen urzeitlich anmutenden Tümpel mit, dem Volksglauben nach, heilenden Kräften. Leider leben im Wundergewässer auch Dutzende gut getarnte Krokodile. Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch wird dennoch ein Bad im Reptilien-Becken empfohlen. Furchtbar, könnte man meinen - fruchtbar, sagen jedoch die Einheimischen.

Genaue Zahlen über Krokodil-Attacken sind nicht bekannt. Es darf aber vermutet werden, dass die Urzeitviecher bisweilen eher Unheil als Segen bringen. Das wiederum haben sie mit Yayha Jammeh gemein, dem Präsidenten des westafrikanischen Staates.

Der 47-Jährige, der das kleine Land seit einem Militärputsch 1994 diktatorisch führt, überraschte sein Volk jetzt mit einer Ankündigung, die manchen Europäer neidisch machen dürfte: Das Staatsoberhaupt verkürzte die Wochenarbeitszeit für Angestellte im öffentlichen Dienst von fünf auf vier Tage.

"Zurück auf das Land"

Vom 1. Februar an gelte eine offizielle Arbeitszeit von Montag bis Donnerstag, jeweils von 8 bis 18 Uhr, hieß es in einer offiziellen Erklärung, die im staatlichen Radio verlesen wurde. Schulen, Banken und anderen Institutionen sei freigestellt, ob sie am Samstag öffneten, um den Freitag zu kompensieren.

Der zusätzliche freie Tag, so wünscht es sich der Präsident, solle zum "Beten und Ausruhen" genutzt werden. Jammeh ist Anhänger des radikalen Islam und hatte nach der Regierungsübernahme die Scharia als geltendes Recht eingeführt. Todesstrafe inklusive.

Doch mit Beten ist es nicht getan. Die Menschen hätten nun mehr Zeit für "soziale Aktivitäten und Landwirtschaft", hieß es in der Erklärung weiter. "Zurück auf das Land und anbauen, was wir essen, und essen, was wir anbauen", sei nun die Devise. Angesichts der Tatsache, dass in Gambia immer noch viele Menschen Hunger leiden und die internationale Gemeinschaft regelmäßig einspringen muss, um Nahrungsmittelengpässe zu überbrücken, erscheint diese staatlich verordnete Freizeitgestaltung wie Hohn.

Denn obwohl die Landwirtschaft mit der wichtigste Erwerbsbereich ist, haben die Menschen davon wenig: Jedes zweite Feld wird zum Erdnussanbau genutzt, die Hülsenfrucht und ihre Nebenprodukte werden hauptsächlich exportiert. Reis - das Grundnahrungsmittel der Gambier - wird hingegen nicht ausreichend angebaut und muss zusätzlich importiert werden. Das ist problematisch, denn importierte Produkte sind teuer. Und Gambia, das flächenmäßig nur etwa halb so groß wie Hessen ist und damit der kleinste Staat Kontinentalafrikas, gehört zu den ärmsten Ländern der Welt.

Neben ihren prekären Lebensbedingungen haben die etwa 1,8 Millionen Gambier immer wieder unter den Launen und Allmachtsphantasien ihres Präsidenten zu leiden.

Im vergangenen Jahr verkündete Jammeh plötzlich, er werde alle verhängten Todesurteile vollstrecken - um die Kriminalität zu senken. Erst nach internationalen Protesten ließ er von seinem Plan ab. Allerdings hatte er da bereits mehrere Häftlinge hinrichten lassen. Zuvor machte er mit der wahnwitzigen Aussage von sich reden, er könne Aids durch Handauflegen heilen. Seine Gabe wollte er allerdings nur denjenigen Erkrankten zukommen lassen, die herkömmlichen Therapien abschwören.

Wohl auch deshalb sehen Kritiker die jüngste Ankündigung des Regenten kritisch. Sie führen unter anderem an, dass die Frage nicht geklärt sei, ob die Bezahlung bei einer Vier-Tage-Woche gleich bleibe. Denn faktisch sinkt die Arbeitszeit nicht, da der Präsident das Tagesarbeitspensum gleichzeitig um zwei Stunden erhöht.