21. Januar 2013, 20:02 Ärger um Berliner Zoo-Chef Frau = 0,1 = Zuchtstute

Der Direktor des Berliner Tierparks, Bernhard Blaszkiewitz, ersetzt die Vornamen von Mitarbeiterinnen in einem internen Dokument mit dem Code 0,1. Dieser steht in der Zoologie für weibliche Tiere oder Zuchtstuten. Kritiker werfen dem Biologen Frauenfeindlichkeit vor - der fühlt sich missverstanden.

Bernhard Blaszkiewitz kann besser mit Tieren als mit Menschen. Dieser Eindruck drängt sich trotz eines Vorfalls aus dem Jahr 2009 auf: Da biss ein Schimpanse dem Direktor des Berliner Zoos und Tierparks den Zeigefinger seiner rechten Hand ab. Am vergangenen Mittwoch zeigte sich der Mann, der sich gerne als zweiter Ziehvater von Eisbär Knut gerierte, dann selbst von seiner bissigen Seite. Rein verbal, versteht sich.

Bei einer Betriebsversammlung warf der 58-jährige Biologe nicht nur Mitarbeitern vor, sie hätten zu Unrecht Weihnachtsgeld angenommen. (Obwohl sie nicht in der Kirche seien.) Er äußerte sich in einer internen Aktennotiz auch in einer Art und Weise, die ihn seine Posten kosten könnte: In dem Dokument ersetzte er die Vornamen von Mitarbeiterinnen mit dem Code 0,1. Dieser wird in der Zoologie zur Kennzeichnung weiblicher Tiere benutzt.

Die Berliner Frauen-Senatorin Dilek Kolat und Gewerkschaftschefin Susanne Stumpenhusen warfen Blaszkiewitz daraufhin frauenfeindliche Äußerungen vor. Kolat legte Blaszkiewitz den Rücktritt nahe: "Wer so handelt, hat sich als Führungspersönlichkeit disqualifiziert. Das ist ein klarer Fall von Diskriminierung", so die SPD-Politikerin.

Zweifelhafter Rechtfertigungsversuch

Der Zoo-Chef wehrte sich gegen die Anschuldigungen: Die Klassifizierung von Frauen-Namen mit dem Zusatz 0,1 für "Weibchen" - in der Zoo-Welt auch für "Zuchtstuten" verwendet - sei "nicht etwa eine Bezeichnung von Missachtung". Vielmehr sei das von ihm "als Höflichkeit gegenüber den weiblichen Mitarbeitern gedacht".

Genutzt hat Blaszkiewitz der zweifelhafte Rechtfertigungsversuch zumindest vorübergehend: Nach einer dreistündigen Krisensitzung hat das Präsidium des Aufsichtsrats an diesem Montag beschlossen, dass der Tierparkchef zunächst im Amt bleiben darf. Zuvor war Blaszkiewitz angehört worden. Nach Angaben von Aufsichtsratschef Frank Bruckmann will sich Blaszkiewitz an diesem Dienstag schriftlich an die Belegschaft wenden.

Außerdem beschlossen die Aufsichtsräte, einen Posten für eine Gleichstellungsbeauftragte einzurichten und eine Anwaltskanzlei zu beauftragen, die strittigen Punkte "einer juristischen Würdigung zu unterziehen".