Aufbau West
Vorbild Ostdeutschland
07.07.2008, 9:53
In den ostdeutschen Bundesländern haben die Politiker darauf verzichtet, eigenständige Hauptschulen einzurichten. Zu DDR-Zeiten gab es mit der Polytechnischen Oberschule (POS) bis zur zehnten Klasse ein System von Einheitsschulen, in denen auch technische und handwerkliche Übungen auf dem Lehrplan standen. Nach der Wiedervereinigung verwarfen die ostdeutschen Länder zwar das POS-Modell und besannen sich auf die Tradition des Gymnasiums. Die Bildungsgänge der Haupt- und Realschule führten sie aber unter dem Dach einer eigenen Schulform zusammen. Das erleichtert einen Wechsel zwischen den verschiedenen Bildungsgängen, auch wenn Haupt- und Realschüler in höheren Klassen oft getrennt unterrichtet werden.
Mecklenburg-Vorpommern orientierte sich zunächst ganz an der Dreigliedrigkeit des Westens, schwenkte dann aber ebenfalls auf Verbundschulen um, in denen verschiedene Abschlüsse möglich sind. Dies erlaubt den ostdeutschen Ländern, die bereits jetzt stark vom Rückgang der Schülerzahlen betroffen sind, eine größere Flexibilität; Schulen können leichter erhalten werden. In Sachsen beispielsweise hat sich seit der Wiedervereinigung die Bevölkerungszahl fast halbiert. Ein System, das die Kinder auf drei Schulformen verteilt, wäre dort nur schwer aufrechtzuerhalten gewesen.
Große Fortschritte
Der deutsche Pisa-Koordinator Manfred Prenzel attestiert Sachsen aber aus einem anderen Grund "eine ganz ausgezeichnete Arbeit". Denn dort haben Arbeiterkinder vergleichsweise gute Aussichten, die Hochschulreife zu erlangen. Außerdem sind die Leistungen der Schüler ähnlich gut wie in Bayern. Thüringen schnitt in den Pisa-Studien ebenfalls überdurchschnittlich ab, Sachsen-Anhalt zeigte in den vergangenen Jahren große Fortschritte. So ist das zweigliedrige Schulsystem in Ostdeutschland zum möglichen Vorbild für den Westen geworden.
Dies wollen selbst diejenigen Politiker nicht mehr ausschließen, die sonst vehement das dreigliedrige System verteidigen. So hat Baden-Württembergs Kultusminister Helmut Rau (CDU) das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung beauftragt, eine umfassende Studie zur Lernentwicklung der Haupt- und Realschüler anzufertigen. Dabei sollen die Leistungen in Baden-Württemberg mit denen der Mittelschüler in Sachsen verglichen werden.
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