Von Anne Goebel

Im Lichthof der LMU protestieren Studenten gegen Semestergebühren. Doch viele haben sich damit arrangiert.

Die Aufforderung an den Abfallsäcken ist eindeutig. "Restmüll für Stoiber" und "Papiermüll für Goppel". Besser gelitten als die Herren aus dem Maximilianeum ist ein alter linker Kämpfer. "Nicht betteln und bitten - nur mutig gestritten", Worte von Karl Liebknecht auf einem roten Banner. Ein Hauch von Apo-Zeiten durchweht an diesem Donnerstag den Lichthof der Universität, auf Transparenten, mit gereckten Fäusten werden die vom Landtag beschlossenen Hochschulgebühren gegeißelt - mit dem Unterschied, dass damals, in der glorreichen Phase der Studentenrevolte, so ein Bild kaum denkbar gewesen wäre: Neben der Fahne mit Liebknechts Parole sortiert einer in aller Ruhe seine Vorlesungsunterlagen in eine knitterfreie Louis-Vuitton-Tüte, streicht sich den Anzug glatt und sagt, er sei nicht gegen Studiengebühren. "Die Vorlesungen sind einfach zu voll."

Münchner Studentenprotest im Mai 2006: Es ist ein zwiespältiges Bild, in der vom Asta eingerichteten "Uni-WG" hält sich hartnäckig ein Grüppchen Entschlossener, die bereits die Nacht hier verbracht haben, Flyer verteilen, gegen Bildungsabbau wettern. Drumherum herrscht Normalbetrieb, auf der Steintreppe sitzen Studentinnen mit Laptops, die WG ("Wir lassen uns nicht aus der Uni vertreiben") wird eher bestaunt als gestürmt.

Jakob Döring allerdings ist einer, der eigentlich auf dem Weg in die Vorlesung war - und jetzt auf einem der abgewetzten Sofas sitzt und sich Sorgen um die Zukunft macht. Dass die Studiengebühren bereits im kommenden Semester anstehen, habe er erst auf dem Asta-Handzettel gelesen, "da muss ich wohl was organisieren". Deutlich mehr als die bisherigen 15 Stunden pro Woche werde er jobben müssen, um die 500 Euro je Semester aufzubringen. Seit der Mieterhöhung für sein WG-Zimmer auf 350 Euro sei das Leben als Student in München schon teuer genug.


» Das geht zu Lasten des Studiums. «

Mindestens 650 Euro im Monat, sagt die Medizinstudentin Kerstin Badlehner, gingen jeden Monat für Miete, Lebenshaltungskosten, MVV-Ticket und Bücher drauf. Jetzt noch Gebühren - "die musst du dir durch zusätzliche Jobs erarbeiten. Das geht zu Lasten des Studiums." Dass die neue Regelung eine Verkürzung der Studienzeit bringt, glaubt sie deshalb nicht. Ihre Freundin Isabella Fiorentino steht unter einer der Gipsstatuen, die heute mit steinerner Miene auf Zetteln verkünden "Gebühren sind Scheiße". Isabella sieht das ähnlich. Mit den Streichungen an Instituten habe es angefangen. "Erst gekürzt, dann abgezockt - warum müssen wir das blechen?"

Von der Galerie beobachten die BWL-Studenten Philipp Mendoza und Julia Bachmayr die WG im Lichthof. Asta-Referentin Monika Gerlach und ihre Mitstreiter wollen hier eine weitere Nacht verbringen, "um ein Zeichen zu setzen". Philipp und Julia ist das Zeichen zu schwach. Straßenblockaden wie in Hessen, finden sie, "bringen wenigstens Aufmerksamkeit". Allerdings hätte das an ihrer Meinung nichts geändert. "Gebühren führen dazu, dass die Leute zielgerichtet studieren", sagt Philipp, "und nicht nur, weil sie sonst nichts zu tun haben."

(SZ vom 19.5.2006)

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