Unsicherheit bei chinesischer Visapolitik
Ausländische Studenten in China
17.04.2008, 15:08
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Zunächst hatten mehrere Universitäten in Peking am Donnerstag die Meldung bestätigt: Spätestens im Juli und August sollten alle Austauschstudenten das Land verlassen. Als Grund wurden die Sicherheitsmaßnahmen zu Olympia angegeben. "Selbst wer im nächsten Semester weiterstudiert, muss in den beiden Monaten ausreisen", sagte eine Sprecherin der Peking-Universität. "Es ist bei allen Universitäten dasselbe. Die Anweisung kam von höherer Stelle."
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) kann die Nachricht auf Nachfrage von sueddeutsche.de derzeit weder bestätigen noch dementieren. Bei einem Gespräch diese Woche im Bildungsministerium über die verschärften neuen Visaregelungen sei dieses Thema nicht angesprochen worden.
Auch das Auswärtige Amt in Berlin weiß nichts von einer Ausweisung aller ausländischen Studenten. "Wir haben uns mit der deutschen Botschaft in Peking in Verbindung gesetzt. Dort weiß niemand von dieser Maßnahme", sagte ein Sprecher.
1300 deutsche Studenten in China
Der Vertreter der Freien Universität Berlin in Peking, Thomas Schmidt-Dörr, wies darauf hin, dass viele Studentenvisa ohnehin zum Ende des Semesters Ende Juni oder Anfang Juli ausliefen. Wie ein Aufenthalt verlängert werden könne, sei dann offen, sagte er der dpa. Europäische Diplomaten hatten zuvor von Beschwerden ihrer Studenten in Konsularabteilungen berichtet, dass sie nicht bleiben könnten.
Derzeit sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes etwa 1300 deutsche Studierende an chinesischen Universitäten eingeschrieben - unter ihnen auch Marisa von Scherenberg. Die 24-Jährige studiert in Peking und ist seit zwei Jahren im Land. Eine offizielle Mitteilung seitens der Behörden oder ihrer Universität hat sie noch nicht erhalten. Auch die Medien in Peking haben bislang nicht über den Studenten-Bann berichtet.
"Von dieser Nachricht bin ich vollkommen überrascht", sagt die Studentin. "Eine Ausweisung - das kann eigentlich nicht sein. Ich bin geschockt." Die Situation in China habe sich in den vergangenen Monaten allerdings deutlich verschlechtert, besonders für Europäer: Ausländer würden auf den Straßen Pekings verstärkt kontrolliert, es werde peinlich genau geprüft, wer sich gemeinsam mit Austauschstudenten eine Wohnung teile und ob alle Unterlagen korrekt bei den Behörden vorlägen. Deshalb habe sie sich bisher ohnehin noch nicht entschieden, ob sie während der Olympischen Spiele in China bleiben wolle oder nicht.
"Ein Schlag ins Gesicht"
An Scherenbergs Heimatuniversität in Köln hat sich bereits ein anderer Student gemeldet und von Problemen mit den Behörden und seinem Visum berichtet. Trotzdem ist auch Robert Heuser, der an der Universität den Lehrstuhl für chinesische Rechtskultur innehat und das Austauschprogramm mitbetreut, von der Nachricht vollkommen überrascht. "Sollte sie stimmen, wäre das wie ein Schlag ins Gesicht für die Studenten und unsere Arbeit."
Sollte eine Ausweisung erfolgen, sei dies eine vollkommene Überreaktion Chinas. "Das würde zeigen, wie wenig souverän die chinesische Regierung mit der Situation umgeht und mit welch krassen Fehlurteilen von dieser Seite wir noch rechnen müssen."
Unruhestifter
Heuser vermutet, dass hinter der Aktion eine besondere Furcht vor Studenten stecken könnte: Diese Gruppe gelte als politisch besonders interessiert und engagiert und habe keine Angst, auch öffentlich Kritik zu üben. Unter Umständen fürchte China, ausländische Hochschüler könnten Einfluss auf ihre chinesischen Kommilitonen nehmen, gezielt Informationen verbreiten und sie zu Unruhen anstiften.
Dabei sei diese Befürchtung in der Regel völlig unbegründet. "Gerade Studenten der Sinologie bringen meist das größte Verständnis für die Lage im Land auf", sagt Heuser. "Wer dort einige Zeit lebt, reagiert anders als wir hier."
Vielleicht, so Heuser, könnte auch die rechtliche Lage eine Rolle spielen: "Die eigenen Leute hat China im Griff, die können hart angepackt werden. Bei Ausländern ist das wiederum nicht so einfach." Bevor es zu Auseinandersetzungen komme, gehe man einer Konfrontation mit Ausländern lieber ganz aus dem Weg. "So vermeiden es die Behörden von vorneherein, polizeiliche Tatbestände zu schaffen."
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![]() 18.04.2008 09:45:57 A.Hauss: "Wir bleiben dran" . Es ist nicht nur eine Nacht vergangen ... sondern in China ein ganzer Arbeitstag. Der SPIEGEL konnte gestern schon von Dementis sprechen. Diese Website- Datei ist nicht mehr über die aktuelle SZ-Aufmachersseite verlinkt. Wir bleiben dran - muß wohl ein Scherz sein. ![]()
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