Von David Schraven

Studentenvertretern fällt der Umgang mit Geld bisweilen schwer. An der Uni Duisburg-Essen ist der AStA jetzt pleite.

Cocktail

Überblick verloren: Zwischen Café und Autovermietung haben manche Studentenvertretungen Schulden angehäuft. Foto: photodisc

Das Problem des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) der Universität Duisburg-Essen lässt sich anhand der Cocktail-Karte seines hauseigenen Kulturcafés beschreiben. Dort im Angebot: Sex on the Beach, Spanish Wallbanger, Whiskey Sour sowie 41 andere hochprozentige Getränke - allesamt zu konsumentenfreundlichen Preisen ab 2,50 Euro. Über Jahre schenkte der von der Alternativen Liste dominierte linke AStA auf diese Weise den Kommilitonen ein - und häufte Schulden auf Schulden.

Auch ansonsten hatten die Studentenvertreter offenbar Probleme, mit Waren und Geld umzugehen. Für die Spirituosen gaben sie fast doppelt so viel aus wie für alle anderen Angebote im Café. Und wie Kontrolleure der Hochschule feststellten: Jeden Monat verschwand dort Schnaps. Kistenweise.

100.000 Euro futsch

Wie groß die Misswirtschaft gewesen sein muss, zeigte sich, als der linke AStA Anfang des Monats durch ein Bündnis um den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) und Jungsozialisten (Jusos) abgelöst wurde: Der neue AStA erklärte sich für zahlungsunfähig. Darunter haben vor allem die mehr als 60 Angestellten des AStA zu leiden, für die monatlich etwa 40.000 Euro fällig sind. "Die Gehälter für August und September werden wir definitiv nicht zahlen können", sagt AStA-Vorsitzender Boris Schön (RCDS). Sein Stellvertreter Oliver Bay rechnet vor, dass von den Sozialbeiträgen der Studenten für das Wintersemester in Höhe von 408.000 Euro mehr als 380.000 für Schulden ausgegeben werden müssen. "Vom Rest müssen wir Löhne, Steuern, Mieten, Versicherungen und sonst noch alles bezahlen", sagt Bay.

Immer wieder plagen Finanzskandale Studentenvertretungen. Erst im Frühjahr musste sich der AStA der Bonner Universität des Vorwurfes erwehren, er verschludere Geld. Buchprüfer des Staatlichen Rechnungsprüfungsamtes Köln hatten kritisiert, 99 Prozent der Einnahmen seien für Personal verplant. In Kassel mussten Studentenvertreter über 50.000 Euro in ein defizitäres Café pumpen, an der Frankfurter Goethe-Universität verlor der AStA 100.000 Euro mit einer hauseigenen Autovermietung.

500.000 Euro Schulden

Auch die Finanzkrise an der Uni Duisburg-Essen ist nicht neu: 2004 bemängelten Prüfer des nordrhein-westfälischen Landesrechnungshofes, Gelder für Semestertickets seien veruntreut worden. Als sich vor Jahresfrist 500.000 Euro Schulden angehäuft hatten, schritt die Uni-Spitze ein. Unter der Aufsicht von Rektor Lothar Zechlin sollte der AStA in zwei Jahren schuldenfrei werden. Zwei Beauftragte sollten die Sanierung überwachen. Was sie seither berichteten, war jedoch eher beunruhigend. In einem vertraulichen Papier an das Rektorat schrieb der Beauftragte Gerrit Kremer im Februar, der AStA habe "den Überblick über die Geschäfte verloren". Im April warnte Kremer vor einem Haushaltsloch von "etwa 230.000 Euro" sowie einer möglichen "Zahlungsunfähigkeit".

Trotz dieser Warnungen gab Rektor Zechlin im Juli seine Aufsicht zurück; die Sanierung sei auf einem guten Weg, sagte er damals. Und das, obwohl das Rektorat mit "einer Liquiditätslücke" gerechnet habe, wie Prorektor Rainer Leisten einräumt. Den Grund für die Entscheidung habe der damalige AStA-Vorsitzende Sven Kühn geliefert. Der habe versichert, dass im kommenden Jahr alle Probleme gelöst sein würden, so Leisten. Rektor Zechlin selber war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der inzwischen abgewählte Kühn glaubt noch immer nicht an die Pleite. Er vermutet hinter der angekündigten Zahlungsunfähigkeit einen Trick seiner Nachfolger. Diese wollten nur "die Wirtschaftsbetriebe des AStA dichtmachen". Tatsächlich strebt der neue AStA eine "brachiale Kernsanierung" an, mit der er vor allem Personal abbauen will.

Auch das für die Hochschulen zuständige Innovationsministerium in Düsseldorf will aus den diversen Finanzskandalen Konsequenzen ziehen. Ein Sprecher kündigt an, die Verordnung zur Haushalts- und Wirtschaftsführung der Studentenvertretungen werde geändert - die Fehler der Vergangenheit dürften sich nicht wiederholen.

(SZ vom 29.8.2005)