Von Julia Bönisch

Die Studienreform erhöht den Druck auf Studenten. Immer mehr labile Hochschüler greifen wegen Stress, hohen Anforderungen und der Konkurrenz unter Kommilitonen zu Psychopharmaka.

Pillen

Psychopharmaka: Studenten benötigen häufiger Medikamente als Berufstätige. (Foto: dpa)

Viele berufstätige Akademiker trauern ihrer Studentenzeit nach. Lange Semesterferien, freie Zeiteinteilung, wenig Verantwortung. Teure Urlaube auf einer traumhaften Südseeinsel waren für die meisten zwar nicht drin, aber die Mischfinanzierung aus Bafög, Nebenjob und einer Finanzspritze von Mama und Papa reichte, um ganz gut zu leben.

Nie wieder fühlt man sich so selbstbestimmt wie an der Uni. Mit dem ersten Job sieht zwar der Kontostand besser aus, doch die Freiheit endet. Die Entscheidung, lieber am Wochenende oder spät abends zu arbeiten statt zwischen 9 und 18 Uhr, steht den meisten Angestellten nicht mehr offen.

Und das Studium ist die Zeit der Freundschaften: Die meisten Akademiker lernen ihren Partner an der Uni kennen, hier entstehen Cliquen, die ein Leben lang halten. Ein attraktives Sozialleben, große Souveränität über Zeit und Raum: Deshalb gelten Hochschüler gemeinhin zu den zufriedensten Gruppen in der Bevölkerung. Die Sorgenkinder der Gesellschaft sind andere: Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger, verarmte Rentner.

Spagat zwischen Studium und Job

Doch das Glück der Studenten ist offenbar bedroht: Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warnt schon länger, dass immer mehr Hochschüler vom Burn-out-Syndrom betroffen seien. Laut der letzten Sozialerhebung des DSW leiden elf Prozent aller Studenten unter psychischen Krankheiten - Tendenz steigend.

In die gleiche Kerbe schlägt nun eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse (TK): Demnach sind zehn Prozent der Medikamente, die Studenten insgesamt verordnet bekommen, Psychopharmaka. Immer häufiger liegen neben Grippemitteln, Nasensprays und Salben also Antidepressiva auf dem Nachttisch. Häufiger auch, als bei der Vergleichsgruppe der Berufstätigen.

Als psychisch belastende Faktoren nennen die Studenten unter anderem Zeitdruck, Konkurrenz unter Kommilitonen und die hohen fachlichen Anforderungen, die das Studium an sie stellt. Einige Hochschüler gehen nur noch mit Pillen in die Prüfung.

"Der Zeit- und Leistungsdruck für die Studenten wächst", bestätigt Andrea Hoops, stellvertretende Generalsekretärin des DSW. "Für viele Hochschüler wird es immer schwieriger, den Spagat zwischen dem Studium und einem Job zu schaffen." Doch ohne Nebenverdienst können sich viele die Uni inklusive Studiengebühren nicht leisten.

Auf der nächsten Seite: Wie die erste Bachelor-Generation mit dem Leistungsdruck umgeht.

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Leserkommentare (12)



12.02.2009 13:52:23

binerle1982:

Ich bin selber Studentin eines Diplomstudiengangs und habe bei den meisten meiner Kommilitonen das Gefühl, dass diese für alles mögliche Zeit haben, aber wenn's dann mal ans Lernen geht, dann ist das Gejammer schnell groß. Genauso wenn es um Pünktlichkeit bei Veranstaltungen geht oder um die Frage der Anwesenheitspflicht in Seminaren.

Natürlich ist ein Studium je nach Fächerkombination großer Aufwand, noch dazu mit einem Nebenjob. Jeder Student, der aber mal richtig irgendwo gearbeitet hat, über längere Zeit und nicht nur hier und da ein paar Stunden die Woche, wird sich nach wie vor über die Freiheiten, die ein Studium mit sich bringt, freuen. Ich sage da nur 5 Monate Ferien pro Jahr gegen 20-30 Tage als Arbeitnehmer...


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