BWL ist das beliebteste Studienfach Deutschlands. Doch bei Kommilitonen sind die Studenten nicht beliebt: Das Klischee vom karriereorientierten Schleimer im Anzug hält sich hartnäckig.

BWL-Student

Im Anzug zur Vorlesung: Diesem Klischee wird der BWLer nicht immer gerecht. (Foto: iStock)

Der typische BWLer kommt im Anzug zur Vorlesung. Er will sein Studium schnell durchziehen - schließlich hat er nebenbei ja schon seine eigene Firma. Für anderes außer dem Pflichtprogramm bleibt da wenig Zeit. Und Kontakte zu Kommilitonen sind nur drin, wenn sie für die eigene Karriere etwas bringen.

Soweit das Klischee. Ganz so einseitig müssen angehende Betriebswirte aber keineswegs veranlagt sein - denn von Absolventen wird mehr verlangt als bloß das Herunterbeten von Bilanzen.

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"Ein Unternehmen besteht nun mal aus Menschen - man muss deshalb als Betriebswirt auch mit Menschen und nicht nur mit Zahlen umgehen können", sagt Professor Stephanie Teufel vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB) mit Sitz in Köln. Wer in einem Unternehmen einen gehobenen Posten erreichen will, müsse Mitarbeiter führen können. Daher seien auf dem Weg nach oben Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist wichtig.

Nur zwei Prozent sind arbeitslos

Auch wenn das Klischee für manchen abstoßend wirken mag - BWL ist das beliebteste Fach in Deutschland, hat das Statistische Bundesamt in Wiesbaden ermittelt. Mehr als 25.000 Studienanfänger haben es im vergangenen Wintersemester gewählt, gut acht Prozent aller Hochschulneulinge. Insgesamt gab es im vergangenen Herbst 151.000 BWL-Studenten - damit stellen sie die größte Gruppe unter den fast zwei Millionen Hochschülern in Deutschland.

Ein Grund für die Beliebtheit des Fachs dürfte Teufel zufolge sein, dass viele sich gute Jobchancen von einem BWL-Studium versprechen. Ganz falsch liegen sie damit nicht: Laut dem Hochschul-Informations-Systems (HIS) in Hannover sind rund 90 Prozent der Absolventen in dem Fach fünf Jahre nach dem Abschluss erwerbstätig. Arbeitslos sind nur zwei Prozent der Uniabgänger und drei Prozent der FH-Absolventen.

Einsteiger hätten zum Teil aber falsche Vorstellungen über das Fach und ihre Karrierechancen, warnt die Professorin: "Manche glauben, das sei ein Schmalspurstudium, das man ohne große Mühe bewältigen kann und mit dem man dann automatisch gleich ganz oben landet."

Auf der nächsten Seite: Mit welchen Fächerkombinationen BWL-Studenten auf dem Arbeitsmarkt die besten Chancen haben.

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Leserkommentare (43)



27.05.2009 10:58:58

kvwupp:

Ich habe Wirtschaftswissenschaften mit sozialwissenschaftlicher Ausrichtung studiert, also eine Kombination von BWL, VWL und Sozialwissenschaften.

Ich bin deshalb auch Diplom-Ökonomin und nicht Diplom-Betriebswirtin oder Diplom-Kauffrau und auf diesen Unterschied lege ich großen Wert!

Die in dem Artikel beschriebenen Typen habe ich aber auch kennengelernt, die haben als Studienschwerpunkt dann gerne "Finanzen und Revision" gewählt, weil man da möglichst weit weg war von so einem "Kram" wie dem Überdenken der sozialen Auswirkungen betriebs- und volkswirtschaftlicher Entscheidungen, wie das z.B. in den Studienschwerpunkten "Arbeit und Produktion" oder "Planung und Organisation" damals durchaus üblich war.

Allerdings wurde das Fach "Wirtschaftswissenschaften" seit Ende der 80er Jahre systematisch von einigen dominierenden Professoren so umstrukturiert, dass der gesamte Studiengang heute einen klassischen BWL-Studium gleicht, anstatt den Bereich der sozialwissenschaftlichen Ausrichtung als eigenes Profil zu erkennen und systematisch auszubauen. Das war halt nicht marktgerecht.


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