Von Nicola Holzapfel

Wie es eine Bloggerin mit der Angst zu tun bekam und am Ende ein anderer der Gelackmeierte ist. Ein Internet-Drama.

(Foto: Frederic Huwendiek)

Die Organisation Transparency International hat ein Problem. Sie hat den Unmut der Blogger auf sich gezogen. Das Internet-Drama begann vergangenen Freitag und steigert sich seither täglich. Die Negativ-PR reißt nicht ab. "Meine Güte, die sind so – ungeschickt", kommentiert ein Leser das versuchte Krisenmanagement der Organisation.

Ein Blog-Eintrag hat die Lawine ins Rollen gebracht. Beabsichtigt war das von der Autorin nicht.

Das gewöhnliche Blogger-Leben verläuft ruhig. Die große Mehrheit schreibt vor sich hin, ohne dass es weiter auffallen würde. Manche erschreiben sich einen kleinen Fankreis. Einige schaffen es, sich auf einem bestimmten Gebiet als bekannte Autoren zu etablieren. Aber alle beobachten aufmerksam, was in der Blogosphäre vor sich geht. Geschieht etwas von Interesse, spricht sich das durch gegenseitige Verlinkungen sehr schnell herum. Auf die Art und Weise kann ein ruhiges Blogger-Leben von einem Moment auf den anderen sehr aufregend werden.

Das ist Monika vom Blog Gedankenträger passiert. Etwas mehr als 100 Besucher hatte sie täglich - bis zu dem Tag, an dem eine Abmahnung in ihrer E-Mail-Box lag.

Im Januar hatte die Bloggerin, deren Name der Redaktion vorliegt, in ihrem Weblog beschrieben, warum ihre Freundin nach der Probezeit ihren Job verlor. Zwei Monate später erhielt sie dafür eine Abmahnung von deren ehemaligen Arbeitgeber: der deutschen Sektion von Transparency International.

Monika war überrascht: "Meiner Meinung nach war das Posting nicht zu aggressiv. Ich wollte der Organisation nicht schaden, jedoch hat sie sich in diesem speziellen Sachverhalt meines Erachtens nicht an die Maßstäbe gehalten, denen sie sich selbst verschrieben hat."

Nun sollte sie den Eintrag, der schon so lange zurück lag, löschen. "Ich wusste zunächst nicht, ob ich dieser Aufforderung nachkommen muss. Der Brief war sehr einschüchternd formuliert", sagt Monika. Die Abmahnung kam Freitag Nachmittag via E-Mail, die Frist war auf Sonntagnacht gesetzt. Schließlich traf Monika eine Entscheidung, die weitreichende Folgen hatte: Sie löschte den Beitrag und stellte stattdessen eine neue erläuternde Version ins Netz, bei der die Organisation nicht mehr namentlich genannt war. Außerdem zitierte sie die Abmahnung – auch ohne den Namen zu nennen.

Andere Blogger bekamen davon Wind und die Geschichte verbreitete sich in Windeseile im Internet. Wer nun in der Blog-Suche technorati.com das Stichwort "Transparency International" eingibt, findet Treffer über Treffer: Überall wird der Streit genüsslich ausgebreitet.


» Die Sichtweise ist: Goliath schlägt David. Aber David darf machen, was er will. «

"Wir sind in die Mangel der Blogger gekommen", sagt Bäumel von der deutschen Sektion von Transparency International. "Die Sichtweise ist: Goliath schlägt David. Auf der anderen Seite darf David machen, was er will. Uns hat gestört, dass mit den Fakten nicht richtig umgegangen wurde."

Man spürt seine Verwunderung über den Wirbel, die die Anwaltsbriefe ausgelöst haben: "Wir haben nichts Rechtswidriges getan. Einer Festangestellten wurde die Probezeit nicht verlängert. Mehr ist es nicht."

Der Bloggerin Monika ist wichtig, dass nicht der Eindruck entsteht, sie hätte etwas Falsches geschrieben. Transparency äußerst sich über den Fall inzwischen sehr offen. Vielleicht zu offen: Offenbar hatte die Organisation zwischenzeitlich sogar eine Pressemitteilung mit einigen Details herausgeben, sie inzwischen aber wieder zurückgezogen. Die Blogger amüsieren sich über jedes weitere Fettnäpfchen, in das Transparency tritt. "Unser täglich PR-Gau gib' uns heute", kommentiert etwa einer.

Natürlich sind Transparency nicht die ersten, die den Spott der Blogger auf sich gezogen haben. Heidi Klum beispielsweise sorgte monatelang in der Szene für Lacher. Ihr Vater hatte einen Blogger abgemahnt, weil der einen Eintrag über das Model mit deren Namen betitelte.

Glaubt man dem Law-Blog sind diese prominenten Beispiele keine Ausnahme. Inzwischen würde es sehr schnell Abmahnungen hageln. Der Law-Blogger, hinter dem sich der Jurist Udo Vetter verbirgt, sah sich deswegen sogar veranlasst Tipps zu geben, was veröffentlicht werden darf und was eher nicht.

Bloggerin Monika hat sich Udo Vetter aus Vorsicht gleich als Anwalt genommen und wartet, was weiter passiert.


» Egal was wir jetzt machen, ist falsch. «

Bei Tranparency International wartet man derweil darauf, dass sich der Sturm wieder legt. "Egal was wir jetzt machen, ist falsch", sagt Bäumel. "Hinterher ist man immer klüger. Vielleicht hätten wir gar nicht reagieren sollen".

Dieses Erkenntnis setzt Transpareny offenbar schnell um: Auf die Frage, was jetzt weiter geschehen wird, antwortet Bäumel: "Nichts. Wir machen einfach Nichts."

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