Von Christine Burtscheidt

Bayerns jüngster Abiturient übersprang vier Klassen, aber seine Mitschüler machten es ihm nicht immer leicht.

Hochbegabter Abiturient geht mit 15 an die Hochschule

Mit einer 1,2 im Zeugnis zählt David Widmann zu den besten Abiturienten Bayerns - und er ist mit 15 der jüngste unter allen. (Foto: Hartmut Pöstges)

Lässig kommt er daher in seinem gemusterten Hemd, den blauen Shorts und den gegelten Haaren. Lässig klingt auch der Satz, den er gleich zu Beginn sagt: "Ein gewisses Talent muss man schon haben." Dabei ist David Widmann nicht so ein cooler Typ, wie es den Anschein hat; schon gar nicht, wenn er über seine Begabungen sprechen soll.

"Die vielen Interviews, das ist ganz schön stressig", sagt er. Viel lieber redet er vom Fußball. Weshalb es gut sei, als Verteidiger beim BCF Wolfratshausen zu spielen oder weshalb die Deutschen Weltmeister würden. Wenn heute die Abiturzeugnisse in Bayern überreicht werden, wird es sich Winfried Steflbauer, sein Direktor am Ickinger Gymnasium, nicht nehmen lassen, die besonderen Fähigkeiten Davids herauszustellen.

Mit einer 1,2 im Zeugnis zählt er zu den besten Abiturienten im Land und mit seinen 15 Jahren ist er noch dazu der jüngste. Der Jüngste dürfte er vorerst auch bleiben, wenn er im Herbst mit einem Doppelstudium in Informatik und Mathematik an der Technischen Universität in München beginnt.

"Davids Stinkephasen"

Also die klassische Geschichte eines Wunderkindes? "Nein", sagt sein Vater, Eugen Widmann. Gerade das wolle er auf keinen Fall in der Zeitung lesen. Denn Davids Leben habe durchaus seine Brüche. Ohne die Unterstützung der Eltern und Lehrer hätte auch alles ganz anders laufen können. Denn anfangs galt David als Problemkind.

Im Kindergarten litt er unter einer Sprachstörung, wollte lieber zuhause bleiben, war schon mal launisch und nicht ansprechbar, was sein Vater heute freundlich mit "Davids Stinkephasen" umschreibt. Erst später habe sich gezeigt, dass dies Ausdruck seiner Unterforderung war. Der Junge habe sich schlichtweg gelangweilt.

Eher zufällig wurde eine Lehrerin aufmerksam, die einsprang, als die Klassenleiterin krank war. Ihr fiel auf, dass David den Stoff besonders schnell aufnahm. Und so riet sie den Eltern, doch einen Test zu machen. Der stellte prompt seine Hochbegabung fest. Wie hoch der IQ war, weiß heute keiner mehr: "Was sagt auch so eine Zahl", winkt der Vater ab.

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