Zwar schreiben sich erstmals seit 2003 wieder mehr Abiturienten für ein Studium ein - doch nur dort, wo Unis keine Studiengebühren verlangen. Die Abgabe hält junge Menschen von den Hochschulen fern.
Voller Hörsaal: Länder ohne allgemeine Studiengebühren haben mehr Erstsemester. Foto: dpa
Studiengebühren schrecken junge Menschen ab: Einige der sieben Bundesländer, die allgemeine Studiengebühren verlangen, verzeichneten 2007 entgegen des allgemeinen Trends sogar einen Rückgang bei den Erstimmatrikulationen. Das teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Berlin mit.
Dagegen nahm die Quote in den Ländern ohne Gebühren meist überdurchschnittlich zu. Insgesamt stieg die Zahl der Studienanfänger erstmals seit 2003 wieder. Rund 358.200 Menschen nahmen ein Studium auf. Das sind rund vier Prozent mehr als im Vorjahr.
Länder wie Bremen und Brandenburg, die auf allgemeine Gebühren verzichten, konnten Zuwächse von jeweils 14 Prozent verzeichnen, Thüringen und Sachsen von jeweils neun Prozent. Dagegen ging die Zahl der Erstimmatrikulierten in Ländern mit allgemeinen Studiengebühren zurück: Im Saarland immatrikulierten sich drei Prozent weniger, in Baden-Württemberg zwei Prozent und in Hessen 0,4 Prozent. Vor allem Fachhochschulen scheinen für die Anfänger immer attraktiver zu werden: Hier betrug die Zunahme acht Prozent, an den Universitäten dagegen lediglich knapp zwei Prozent.
Die Studienanfängerquote lag im Studienjahr 2007 bei 36,6 Prozent. Damit war erstmals seit 2003, als die Quote bei 38,9 Prozent lag, ein Anstieg zum Vorjahr zu beobachten. Die Studienanfängerquote beschreibt den Anteil der Anfänger an der gleichaltrigen Bevölkerung. SPD und Union hatten in ihrem Koalitionsvertrag 2005 einen Anteil von 40 Prozent als Ziel genannt.
Anteil der Studentinnen unverändert
Im internationalen Vergleich ist die deutsche Quote niedrig. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen beginnt in den OECD-Ländern ein Studium (54 Prozent). In Australien lag die Quote 2005 gar bei 82 Prozent. Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) führte den Anstieg bei den Studienanfängern auf den Hochschulpakt 2020 zurück. Die Hochschulen hätten einen Meilenstein erreicht, um die im Hochschulpakt vereinbarte Zielmarke von rund 90.000 zusätzlichen Studienanfängern zu erreichen. Die Zahlen zeigten aber auch, dass hierfür noch Anstrengungen nötig seien.
Insgesamt sind in Deutschland rund 1,95 Millionen Menschen für ein Studium eingeschrieben. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein leichter Rückgang von zwei Prozent. Der Anteil der Studentinnen liegt unverändert bei 48 Prozent.
Immer mehr Bedeutung bekommen die Bachelor- und Masterstudiengänge. Während sich 2005 rund 29 Prozent für einen Bachelor-Studiengang entschieden, waren es 2006 bereits 37 Prozent. Masterabschlüsse strebten 2006 fünf Prozent an (2005: vier Prozent). Bis 2010 soll das Studienangebot flächendeckend auf Bachelor und Master umgestellt sein. Das ist ein Ziel des 1999 in Bologna von den Wissenschaftsministern aus 29 europäischen Ländern initiierten Reformprozesses zur Vereinheitlichung von Studienabschlüssen.
Gebühren für Langzeitstudenten
Zugleich sinkt der Anteil der Langzeitstudenten: Während 2000/01 deren Anteil noch zehn Prozent betrug, lag er 2006/07 bei lediglich sechs Prozent, wie der Vizepräsident des Bundesamts, Peter Weigl, sagte. Von Langzeitstudenten nehmen elf Bundesländer Gebühren. Als Langzeitstudenten gelten jene, die im 15. oder einem höheren Fachsemester studieren.
Nicht so erfreulich sind die Zahlen im Hinblick auf den akuten Fachkräftemangel: Während sich 2006 die Zahl der Absolventen der Naturwissenschaften und Mathematik immerhin erhöhte, sank sie bei den Ingenieurwissenschaften. In Mathematik/Naturwissenschaften nahm die Zahl in den letzten zehn Jahren von 36.300 auf 43.100 Absolventen zu, bei den Ingenieurwissenschaften sank sie seitdem um 17 Prozent auf 40.900.
Der Anteil ausländischer Studenten ist weiter auf einem hohen Niveau. Im Wintersemester 2006/07 waren den Angaben zufolge 246.400 Studierende mit ausländischer Nationalität immatrikuliert. Die durchschnittlichen Kosten für einen Hochschulabsolventen liegen den Angaben zufolge bei knapp 49.000 Euro. Mit über 184.000 Euro sind die Ausgaben für ein Medizinstudium besonders hoch.




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