Nur was für Weicheier und Muttersöhnchen? Gerade am Anfang leiden viele Studenten unter Heimweh. Das sollten sie ernst nehmen - und die Chance des Neuanfangs nutzen.

Heimweh StudiumBild vergrößern

Manchmal will man einfach nur nach Hause. Wer im Studium unter Heimweh leidet, muss sich dafür nicht schämen. Foto: dpa

Beim Studienbeginn heißt es für viele, Abschied zu nehmen. Dann teilt sich die Freundesclique in zwei Lager. Die einen ziehen los, um die Welt zu erobern. Die anderen bleiben zurück. Und sind erstmal die Doofen, die den Absprung nicht geschafft haben. Doch was ist eigentlich, wenn der Absprung misslingt? Wenn die fremde Großstadt gar nicht so toll ist und Studenten plötzlich das Gefühl haben, dass es zu Hause doch am schönsten ist? Wer sich das eingesteht, ist keineswegs ein Weichei. Denn Heimweh haben nicht nur Muttersöhnchen.

Sprung ins kalte Wasser

Wegen Heimweh müsse man sich nicht schämen, findet der Studienberater Peter Schott von der Uni Münster. "Das ist ganz normal", sagt der Psychologe. Der Studienbeginn sei oft ein Sprung ins kalte Wasser: "Manche sind zum ersten Mal von zu Hause weg." Alles ist plötzlich neu: die Stadt, die Leute, das Leben. "Wenn dann das soziale Netz fehlt, ist es klar, dass man sich allein fühlt." In Bologna-Zeiten hat sich das Problem sogar verschärft.

"Studenten werden heute als brains on legs angesehen - nur die Karriere im Kopf und bar aller sozialen Bindungen", sagt Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk in Berlin. Der ideale Bologna-Student sei ein internationaler Jetsetter, ein "Unihopper". Mehrere Stationen im Lebenslauf seien für ihn Pflicht: Drei Jahre für den Bachelor in die eine Stadt, zum Master in eine andere und zwischendurch ins Ausland.

Zerrbild von Flexibilität

Sich zu binden, gilt in dieser Logik als Karrierehemmschuh. Der moderne Mensch ist schließlich flexibel und mobil. Das sei aber ein "Zerrbild", meint Grob. "Man muss sich im Studium wohlfühlen, und man braucht etwas, wo man sich zu Hause fühlt." Sich wohlfühlen, klingt das nicht nach Kuschelpädagogik? Ein Studium ist doch kein Wellnessurlaub. Und wo ich studiere, ist doch Nebensache! Falsch, sagt Grob. Nur wer sich wohlfühlt, sei auch erfolgreich. Schließlich gelten auch Kontakte und Netzwerke heute als unersetzlich. Und die hat man nicht, wenn man immer nur Kurzzeitgast ist. "Städtehopper"“ verbauen sich durch ihr Umherziehen womöglich sogar Karrierechancen.

Manchmal kann es sich also lohnen, zurück auf Los zu gehen, wenn sich die Wahl des Studienortes als Fehler herausstellt. Durchhalten und das Studium durchziehen, ist dann die falsche Devise. "Lieber zurück in Mamas Schoß, als sich zu quälen", rät Grob. Wenn das Heimweh nach dem ersten Semester nicht nachlassen will oder sogar größer wird, sollten Studenten die Reißleine ziehen.

E.T. als Vorbild

Dass Heimweh ein Grund ist, den Studienort zu wechseln, findet auch die Psychologin Konstanze Burger, die Studenten an der Uni Bochum berät. "Das wirkt sich sonst ja auch auf die Leistungen aus." Und wenn Studenten sich selbst unglücklich machen, wachse die Gefahr eines Studienabbruchs.
Wie schlimm Heimweh sein kann, weiß zwar jeder, der schon einmal den Film "E.T." gesehen hat. Nur eingestehen wollen sich das die wenigsten. "Das ist natürlich uncool", sagt Burger. "Und es klingt nach Milchbubi und Muttersöhnchen", ergänzt Peter Schott.

(Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2) nächste Seite

In diesem Artikel:

  1. Sie lesen jetzt Nichts wie heim zu Mama
  2. "Uncoole Entscheidung"