"Wir hoffen, dass sie irgendwann zur Besinnung kommen"
Studentenprotest
22.02.2006, 15:58
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Der Senatsraum als Wohnzimmer: Flyer der Bielefelder Rektoratsbesetzer. ()
Idris Riahi kommt nicht einmal in Ruhe zum telefonieren. "Wo wollen Sie hin? Hier können Sie nicht durch!" Der Anglistik-Student muss eine Blockade aufrecht erhalten. Er gehört zu der kleinen Gruppe von Studierenden, die das Rektorat der Bielefelder Hochschule besetzen. Seit drei Wochen wird hier aus Protest gegen Studiengebühren gekocht, geschlafen, Kicker gespielt. Aus dem Senatsraum ist ein Wohnzimmer geworden. Hier machen es sich die Besetzer gemütlich, machen Pause von ihrer Protestarbeit.
20 bis 70 Studenten zählt die Gruppe nach eigenen Angaben. Besetzt wird im Schichtbetrieb. Nicht alle sind die ganze Zeit im Rektorat. Die Protestler kommen aus verschiedenen Fachrichtungen, Soziologie-, Informatik- und auch Physik-Studenten sind dabei. Aber nicht alle Fakultäten sind vertreten. Von den Juristen beispielsweise hat sich bislang keiner dem Protest angeschlossen.
Die Uni-Mitarbeiter müssen nun eben anderswo arbeiten. Keiner weiß, wie lange das so weitergehen soll. "So wie sie sich eingerichtet haben, könnten sie ein Jahr durchhalten", sagt Uni-Sprecher Hans-Martin Kruckis.
Vergangene Woche sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, als einige Mitarbeiter Unterlagen aus ihren Büros holen wollten, ließ die Uni in einer Pressemitteilung wissen. Die Studenten konterten ihrerseits mit einer Pressemitteilung, in der "explizit auf den am Anfang der Besetzung vereinbarten Verhaltenskodex, der absichtliche Sachbeschädigung und gewaltsames Handeln prinzipiell ausschließt", verwiesen wird.
» Es ist demokratischer Beschluss, dass wir knallhart bleiben. « |
Idris Riahi von der Besetzer-Truppe geht es nicht um Schuldzuweisungen. "In so einer Situation sind die Gemüter erhitzt. Wir wollten nicht, dass die Mitarbeiter Akten aus ihren Büros holen. Das hätte die Blockade parodiert." Und die wird durchgehalten. "Es ist demokratischer Beschluss, dass wir knallhart bleiben."
Ihre Beschlüsse fasst die Besetzergruppe jeden Abend in der "Plenumstunde". Hier wird teils heftig diskutiert, denn die Truppe ist bunt zusammengewürfelt. "Einige sind sehr links, aber es gibt auch gemäßigte Leute", sagt Riahi. Die Protestler scheinen gut organisiert. Aufgaben wie Öffentlichkeitsarbeit oder die Organisation von Infoständen haben sie untereinander aufgeteilt. Nebenher wird weiter studiert. Unterstützung gibt es vom Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der Uni Bielefeld, der auch gegen Studiengebühren ist und den Besetzern sogar die Nahrungsmittel finanziert. Auf der Webseite häufen sich Solidaritätsbekundungen aus ganz Deutschland.
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