Studenten-Verbindungen gelten als konservativ und verstaubt, manche sogar als rechtsradikal. Warum Fußball-Star Christoph Metzelder dennoch Mitglied ist.

Fußball-Star Christoph Metzelder gehört einer Verbindung an.

Fußball-Star Christoph Metzelder gehört einer Verbindung an. (Foto: dpa)

Auch wenn die meisten Studenten mit Verbindungen nichts zu schaffen haben, ist deren Tradition ungebrochen. Eine der größten Organisationen ist der Cartellverband, in dem mehr als 120 katholische Studentenverbindungen zusammengeschlossen sind. Nach Angaben des Verbands, der in dieser Woche in Münster seine Jahresversammlung abhält, haben sie in Deutschland etwa 6000 Mitglieder, unter ihnen auch Prominente wie Christoph Metzelder, 26. Der Fußballprofi mit der Abiturnote 1,8 war als Jugendlicher Ministrant. Neben dem Sport begann er ein BWL-Studium an der Fernuniversität Hagen.

SZ: Weshalb sind Sie Mitglied in einer (nicht-schlagenden) Verbindung des Cartellverbands geworden?

Metzelder: In meiner Familie sind einige Mitglieder in Verbindungen des Cartellverbands. Ein Großteil meiner Verwandtschaft und einer meiner Brüder. Von daher bin ich schon früh mit Verbindungen in Kontakt gekommen. Der Kontakt zur AV Silesia in Bochum, bei der ich Mitglied bin, ist dann über einen Cousin entstanden.

SZ: Verbindungen erscheinen vielen, vor allem Jüngeren, als dubios. Sie gelten als konservativ und verstaubt, manche sogar als rechtsradikal.

Metzelder: Ich kann natürlich nicht für alle Mitglieder in den katholischen Studentenverbindungen sprechen, aber die Menschen, die ich dort kennengelernt habe, waren nicht rechtsradikal eingestellt. Zum Stichwort Tradition: Der Cartellverband feiert sein 150-jähriges Bestehen. Eineinhalb Jahrhunderte bieten genug Zeit für die Entstehung von Traditionen, das ist in jedem Verein oder einer Institution, die eine gewisse Zeit besteht, nichts anderes. Die Kunst ist, Tradition und Modernes miteinander zu verbinden. Das ist im Cartellverband deshalb möglich, weil jedes Jahr einige hundert junge Studenten neu beitreten, die mit den Augen der Gegenwart die Tradition betrachten und weiterentwickeln.


» Ich freue mich sehr über das freundschaftliche Miteinander . «

SZ: Wie hat die Verbindung Ihr Leben verändert?

Metzelder: Ich kann wegen des Trainings und der Spiele nur sehr selten auf mein Verbindungshaus gehen, aber wenn ich es einmal schaffe, freue ich mich sehr über das freundschaftliche Miteinander und über die Gespräche, die dort generationenübergreifend geführt werden.

SZ: Das Prinzip des Cartellverbands ist der sogenannte Lebensbund: Die Alten und Jungen helfen sich gegenseitig, man kennt und unterstützt sich als Verbindungsbruder ein Leben lang. So etwas könnte man auch einfach als Klüngel bezeichnen.

Metzelder: Genau das sehe ich nicht so. Wir diskutieren heute in unserer Gesellschaft beispielsweise über generationenübergreifende Wohngemeinschaften, über das Verhältnis von junger und alter Generation. In einer Verbindung kommen junge Studenten, gestandene Familienväter, Menschen im Berufsleben und ältere Menschen mit viel Lebenserfahrung zusammen, bei den Festen oft mit der ganzen Familie. Jeder kann hier von jedem lernen. Dieser "Lebensbund", wie er im Verbindungsdeutsch genannt wird, ist aus meiner Sicht ein Angebot, wie generationenübergreifender Austausch gelebt werden kann.

Interview: Tanjev Schultz

(SZ vom 4.6.2007)

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Leserkommentare (22)



30.10.2007 11:01:28

Diego666:

Oh Mann, ich versuche das mal zusammenzufassen.

Zuerst kommt ein Tatort, Fiktion und gerade aus Münster kommend etwas skuril, dann denkt sich die BILD, wir machen jetzt einen großen Bericht dazu. Der ist gewohnt schlecht und spricht vor allem das reaktionäre Publikum und vom Studium träumende Maurer an.

Das Ergebnis des BILD Berichts ist, dass alle auf den Karren aufspringen müssen und ihrerseits Artikel schreiben müssen, die sich wiederum auf den BILD Bericht stützen.

Sind wir wirklich schon soweit angekommen, dass seriöse Zeitungen ihre Nachrichten aus vom Boulevard ausgekotzten Krimiserien beziehen müssen?

Ist ne ehrliche Frage an die SZ?


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