Von Birgit Obermeier

MBA, Executive MBA, Master – was unterscheidet diese Titel?

 
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Beim Blättern in Vorlesungsverzeichnissen deutscher Hochschulen könnte einem schwindlig werden: Da werden die Begriffe „Master“, „Business“, „International“ und „Management“ beliebig kombiniert und dem ambitionierten Absolventen als Aufbaustudiengang angeboten. Die verwirrende Titelvielfalt ist auf zwei Entwicklungen zurückzuführen: Da ist zum einen die Hochschulreform von 1998, die neben den traditionellen deutschen Abschlüssen wie Magister oder Diplom auch international gebräuchliche Titel erlaubt: Den „Bachelor“ für das Erststudium, den „Master“ für die weiterführende Ausbildung. Und dann ist da die steigende Popularität des anglo-amerikanischen Titels „Master of Business Administration“ (MBA).

Nicht selten wird dieses Kürzel in Deutschland – fälschlicherweise – als Oberbegriff für postgraduierte Studiengänge verwendet. Inhaltlich ist die Ausbildung zum MBA klar abgegrenzt: Sie vermittelt strategisches Management-Wissen und richtet sich mit ihrem generalistischen Ansatz weniger an Betriebswirte als vielmehr an Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler, die sich für einen Manager-Posten qualifizieren wollen. In der Regel setzt der MBA mindestens zwei Jahre Berufserfahrung voraus.

Nicht geschützt

Die Wege zu dem begehrten Titel sind vielfältig. Einer führt über ein- bis zweijährige Vollzeitprogramme nach dem Vorbild renommierter Institute. Die verbreitetere Variante ist die berufsbegleitende Ausbildung. Eine dritte, ebenfalls berufsbegleitende Variante ist das MBA-Fernstudium, das vor allem internationale Business Schools anbieten. Damit erfahrene Manager nicht gemeinsam mit Berufsanfängern die Schulbank drücken müssen, gibt es für sie spezielle Angebote – den „Executive MBA“. Manche Firmen lassen sich auch ihr eigenes Executive-Programm auf den Leib schneidern.

Ein Qualitätsvergleich der MBA-Programme ist schwierig. Denn: Der Titel ist gesetzlich nicht geschützt und kann für jede noch so dünne Ausbildung verliehen werden. Allein in Deutschland bieten in- und ausländische Institute derzeit knapp 150 verschiedene Programme an.

Seit vergangenem Jahr sind die deutschen Hochschulen verpflichtet, neue Master-Studiengänge – und damit auch den MBA – akkreditieren zu lassen. „Das gewährt zumindest die Einhaltung von Mindestanforderungen“, sagt Detlev Kran, Geschäftsführer der Akkreditierungs-Agentur FIBAA. Gegenwärtig sind bei den von der Hochschulrektorenkonferenz beauftragten sechs Agenturen insgesamt 61 MBA-Programme akkreditiert. Hinzu kommen zahlreiche weitere Master-Studiengänge. Für Betriebswirte werden etwa Abschlüsse zum „Master of European Studies“ oder „Master of Knowledge Management“ angeboten.

Mehr Transparenz

Geht es nach den Bildungspolitikern, hat diese Titelvielfalt bald ein Ende. Künftig soll es für weiterführende Studiengänge nur noch eine Hand voll Abschlüsse geben. Je nach Fachrichtung etwa den „Master of Arts“, „Master of Science“ oder „Master of Engineering“. Die inhaltliche Ausrichtung erläutert dann ein so genanntes „Diploma Supplement“ – und zwar detaillierter als es die gegenwärtig oft recht blumig klingenden Studienbezeichnungen tun. „Wir wollen damit mehr Transparenz bei der Titelvergabe schaffen“, sagt Andrea Frank, Leiterin des Referats Studium und Lehre bei der Hochschulrektorenkonferenz.

Von Internationalisierungsbestrebungen verschont bleibt der gute alte Doktortitel – mangels Vergleichbarkeit. Während er hierzulande stets einen wissenschaftlichen Hintergrund besitzt, kann sein internationales Pendant, der Ph.D., auf vielfältige Weise erworben werden – etwa durch Forschungsarbeit oder mehrjährige Aufbaustudien. „Die Übernahme der englischsprachigen Bezeichnung Ph.D. müsste einhergehen mit einer Einigung, was sich dahinter verbirgt“, sagt Frank. Doch damit ist vorerst nicht zu rechnen.

(SZ vom 8.11.2003)

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