"Große Männer verdienen mehr; je tiefer die Stimme, desto schneller erfolgt die Beförderung": Die Ergebnisse aus der Karriereforschung klingen oft reichlich absurd. Was ist wirklich dran an solchen Studien?
Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito: Der Große mit braunen Haaren hat bessere Karrierechancen als der kleine Glatzköpfige. Foto: dpa
Der ultimative Aufsteiger hat braune Haare, eine tiefe Stimme und schläft gut und viel. Das Verhältnis seiner Taille zur Hüfte liegt zwischen 0,9 und 1,0, er ist groß und hat im Idealfall einen Doktortitel. Außerdem ist er verheiratet - seine Frau ist jedoch nicht berufstätig.
All dies haben umtriebige Wissenschaftler in den vergangenen Monaten herausgefunden. Nahezu monatlich tauchen in den Medien Meldungen darüber auf, was Karrieren befördern und was sie zerstören kann. Die Forschungsergebnisse muten oft reichlich absurd an: Warum sollte ausgerechnet ein brünetter Mann mehr verdienen als ein blonder?
Schlechte Karten für Glatzköpfige
Doch folgt man den Karriereforschern, trifft genau dies zu. Noch wichtiger als die Haarfarbe selbst ist jedoch die Tatsache, dass Männer überhaupt Haare haben. Laut Statistik werden glatzköpfige Bewerber seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Offensichtlich wirken sie weniger karriereorientiert.
Die Liste der Ergebnisse aus der Karriereforschung lässt sich beliebig fortsetzen: Die Universität New Hampshire hat herausgefunden, dass Homosexuelle im Schnitt 23 Prozent weniger als verheiratete heterosexuelle Männer verdienen. Glaubt man der Universität Chicago, steigen tyrannische Typen, die ihre Mitarbeiter schlecht behandeln, schneller auf als faire Vorgesetzte.
Je kantiger das Kinn, desto erfolgreicher
Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung bringt jeder Zentimeter Körpergröße ein Plus auf dem Gehaltszettel. Zehn Zentimeter machen beim Jahresgehalt der Männer einen Unterschied von 2000 Euro. Für Frauen gilt: Ein zusätzlicher Zentimeter sorgt für 0,6 Prozent mehr Brutto-Monatsgehalt. Und je männlicher ihre Gesichtszüge und je kantiger das Kinn, desto erfolgreicher.
Da die meisten Arbeitnehmer in Deutschland gern mehr verdienen würden und auf einen besseren Job als den jetzigen hoffen, stoßen solche Meldungen auf großes Interesse. Bei 18 Millionen Angestellten ist der Markt riesig, und je zugespitzter die Forscher ihre Resultate formulieren, desto größer ist die mediale Aufmerksamkeit.
Zahllose Alltagsexperten
Doch was ist wirklich dran an solchen Forschungsergebnissen? "Ob solche Zahlen wirklich stimmen, kann man erst beurteilen, wenn man die zugrundeliegende Studie näher betrachtet", sagt Wolfgang Mayrhofer, Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien. So basieren einige der Untersuchungen nur auf der Rückmeldung einiger weniger Personaler. Andere Studien verwenden dagegen valide Daten von mehreren tausend Befragten.
Ebenso werden manche Zusammenhänge schlicht zufällig entdeckt. Seriöse Soziologen, Wirtschaftspsychologen oder Ökonomen gehen dagegen gezielt bestimmten Vermutungen nach. "An ihren Ergebnissen ist durchaus etwas dran", sagt Mayrhofer.
Der Betriebswirtschaftler, der selbst Erfolgs- und Karrierefaktoren von Arbeitnehmern untersucht, beklagt, dass sich in der Forschungslandschaft viel zu viele zum Spezialisten berufen fühlen. Da jeder Eindrücke aus der Arbeitswelt sammele, gebe es zahllose Alltagsexperten. "Das ist ähnlich wie im Fußball. Jeder hat's schon mal gespielt, jeder schaut's im Fernsehen - also weiß auch jeder besser als der Trainer, was zu tun ist."
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