"Zumindest ebenbürtig, oft besser": Eine Studie bescheinigt Montessori-Schulen und Kindergärten gute Arbeit.

Den Altersgenossen voraus? Ein Schüler der St. Suitbertus Montessori Grundschule in Heiligenhaus. (Foto: dpa)

Reformpädagogik ist ,,in‘‘. Spätestens seit die Pisa-Studien die Misere an Deutschlands herkömmlichen Schulen vor aller Augen geführt haben, erfreuen sich Alternativangebote immer größeren Zulaufs.

Davon profitieren auch die nicht ausschließlich, aber überwiegend privaten Einrichtungen, die nach dem Konzept der italienischen Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori (1870-1952) unterrichten und erziehen. Knapp 1000 von ihnen gibt es bundesweit inzwischen, etwa 600 davon als Kinderhäuser und Kindertagesstätten im Elementarbereich, über 300 als Grund-, Sonder- und Förderschulen im Primarbereich und 90 als Haupt-, Real-und Gesamtschulen oder Gymnasien im Sekundarbereich.

Gutes Schulklima, individuelle Betreuung

Wie alle reformpädagogischen Einrichtungen werben auch die Montessori-Schulen mit einem speziellen Profil, einem guten Schulklima und vor allem mit einer individuellen Betreuung der Schüler. Ob und wie sich diese Vorzüge, sofern tatsächlich vorhanden, auch auf die Schüler niederschlagen, ist jedoch noch nicht sonderlich erforscht.

Für die USA ist das nun anders. Hier stellen Psychologen in einer umfangreichen Untersuchung der Montessori-Pädagogik jetzt ein gutes Zeugnis aus. Demnach erhielten Montessori-Schüler am Ende ihrer Kindergartenzeit in standardisierten Prüfungen bessere Noten beim ersten Lesen und Rechnen.

Fairer im Umgang mit den Altersgenossen

Außerdem zeigten sie sich überlegen im sozialen Umgang mit Gleichaltrigen und reagierten positiver in kritischen Situationen im Vergleich zu Kindern, die keine Montessori-Erziehung genossen hatten. Und schließlich legten sie mehr Wert auf Fairness und Gerechtigkeit.

 
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Die Autorinnen der Studie, Angeline Lillard von der Universität von Virginia in Charlottesville und Nicole Else-Quest von der Universität von Wisconsin in Madison, stellen ihre Ergebnisse nun im Fachjournal Science (Bd. 313, S. 1893) vor.

In Sachen Rechtschreibung auf einem Niveau

In einem zweiten Teil ihrer Studie widmeten sich die beiden Psychologinnen Zwölfjährigen. Eine Gruppe hatte bis dahin eine städtische Montessori-Schule besucht. Die Kontrollgruppe setzte sich aus Jungen und Mädchen zusammen, die aus Platzgründen nicht aufgenommen worden waren und deshalb andere Schulen ohne Montessori-Methode besucht hatten.

Die Montessori-Schüler lieferten hierbei kreativere Aufsätze mit vergleichsweise fortgeschrittenen Satzkonstruktionen ab. In der Rechtschreibung und Zeichensetzung unterschieden sie sich nicht von den Kontrollschülern. Ihre schriftlichen Aussagen ließen aber erkennen, dass sie einen ausgeprägteren Gemeinschaftssinn entwickelt hatten und ihre Schule als kleine Gemeinde empfanden, in der sie ihren festen Platz hatten.

Lernbedürfniss fordern statt Lernprogramm aufzwingen

Die Autoren sehen die Ergebnisse ihrer Studie als Bestätigung für den Ansatz, bei den Schülern die Entwicklung des eigenen Willens zu fördern und die individuellen Wünsche der Kinder stärker zu berücksichtigen, damit sie ihrem eigenen Lernbedürfnis folgen können und nicht ein starr vorgegebenes Lernprogramm absolvieren müssen.

Konsequent umgesetzt, erziele der Montessori-Ansatz bei den Lernleistungen und beim sozialen Verhalten zumindest ebenbürtige, oft aber bessere Ergebnisse als die übliche Bildung. Das Lob kommt zur rechten Zeit: In wenigen Wochen feiert die weltweite Montessori-Gemeinde die Gründung des ersten reformpädagogischen Kinderhauses vor 100 Jahren.

(SZ vom 02.10.2006)

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