Verwirrender Job-Jargon: Wie man Stellenangebote in englischer Sprache entschlüsselt.

Kürzel-Wirrwarr: typische Abkürzungen in englischen Jobanzeigen. (Foto: sueddeutsche.de)

Wer in Großbritannien, den USA oder Kanada nach einem Job sucht, merkt bald, dass hier andere Spielregeln gelten. Niel Ramsey, Vorstand des Sprachdienstleisters Inlingua Deutschland, kennt sich auf dem angelsächsischen Stellenmarkt aus. Hier verrät er Tricks und Tücken, die ein Bewerber kennen sollte.

Schwarz auf weiß: Das Gehalt steht in seriösen Stellenangeboten in führenden Zeitungen oder Internetbörsen an erster Stelle. In der Regel wird der Jahresverdienst "p. a." (per annum) angegeben. Für Job-Offerten im angelsächsischen Raum (England, Schottland, Irland) ist auch die Angabe in "£70k" geläufig. Das Kürzel steht für tausend, die Angabe bedeutet also 70.000 Pfund.

Kein Gehaltspoker: Über den eigenen Marktwert zu feilschen ist tabu. Für viele Deutsche ist das überraschend, doch das Gehalt ist im angelsächsischen Raum keine Verhandlungssache. Wer meint, im Vorstellungsgespräch mehr herausholen zu können, blitzt ab. Ausnahme: In der Stellenanzeige steht explizit "neg." (negotiable). Kanadische Arbeitgeber sehen Gehaltsdiskussionen etwas lockerer.

Nomen est omen: Englische Jobtitel kommen bei deutschen Führungskräften gut an. Doch es lohnt sich, das Anforderungsprofil genau zu studieren. "Manager" (leitender Angestellter) ist nicht gleich "Manager" (Executive). Bewerber, die fachlich über- oder unterqualifiziert sind, vergeuden ihre Zeit.

Fachjargon verstehen: Nicht immer erschließen sich die Leistungen auf den ersten Blick. Üblich für Vertriebspositionen ist beispielsweise die Dotierung "plus comm." (commission). Hierbei handelt es sich um ein Festgehalt "plus Provisionsvergütung" entsprechend dem Umsatz.

Auf Sozialleistungen achten: Vieles ist nicht gesetzlich geregelt, sondern hängt vom Arbeitgeber ab. Ein "benefit package" oder "excellent package" verspricht Zusatzleistungen wie private Krankenversicherung, Altersvorsorge oder Firmenwagen. Nach Urlaubs- und Weihnachtsgeld sucht man vergebens, diese Sonderzahlungen sind typisch deutsch und bei angelsächsischen Unternehmen gänzlich unbekannt.

Geheimcode: Zu den wichtigsten Kürzeln im Anzeigenjargon gehört "P/T" (part-time). Peinlich, wenn sich später herausstellt, dass man selbstverständlich von einer Vollzeitstelle (full-time oder F/T) ausgegangen ist. "Relocation help" heißt, dass sich das Unternehmen an den Umzugskosten oder bei der Wohnungssuche beteiligt. "Paid vacation" (amerikanisch) oder "hols" für "holidays" (britisch) stehen für bezahlten Urlaub. Üblich sind jährlich 22 Tage in Großbritannien und zehn Tage plus zwei bis acht "personal days" in den USA.


» Bei Bewerbungen in Amerika sind Fotos verpönt. «

Telefonisch nachhaken: Der Griff zum Hörer lohnt sich. So lassen sich Unklarheiten beseitigen und der richtige Ansprechpartner finden. Wer keine Initiative ergreift, signalisiert schwaches Interesse. Vorsicht: Speziell bei Bewerbungen in Amerika sind Fotos sowie persönliche Angaben wie Familie, Alter und Geschlecht verpönt, um ethnische Diskriminierung zu vermeiden. Anstelle von Zeugnissen verlangen amerikanische und britische Personalchefs das Urteil von Dritten ("references"), zumindest vom letzten Arbeitgeber. Karriereförderlich ist alles, was auf das Engagement des Kandidaten schließen lässt.

(SZ vom 18.3.2006)

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