Von Bernd Dörries

Ehrgeizige Pläne, unbeholfene Namen, schnelle Pleite: Private Hochschulen kämpfen ums Überleben.

IU Bruchsal

Unrühmliches Ende: die IU Bruchsal. Foto: dpa

Am Anfang sprach man von einem schwäbischen Harvard, dann immerhin noch von einem Harvardle, zum Schluss hörte man nur noch vom Stuttgart Institute of Management, wenn es mal wieder fast pleite war. Auch einige Kilometer weiter ließ man anfangs keine Gelegenheit aus, deutlich zu machen, dass die Vorbilder der International University (IU) in Amerika lagen. Zur Eröffnung 1999 kam ein ehemaliger US-Finanzminister nach Bruchsal, und der frühere Außenminister George Shultz wurde per Video zugeschaltet.

Es war eine Zeit, in der es manchmal so schien, als sei das deutsche Hochschulwesen mit seinen überfüllten staatlichen Unis kurz vor dem Zusammenbruch. Und die privaten Neuankömmlinge auf dem Markt der Bildungseinrichtungen versuchten den Eindruck zu erwecken, als könnten nur sie das Land retten und in wenigen Jahren die akademischen Vorbilder auf der anderen Seite des Atlantiks einholen.

Nun, ein paar Jahre später, muss man sagen, dass die Idee zwar hübsch verpackt wurde und die ehrgeizigen Privatunis schöne Gebäude bezogen (versehen mit etwas unbeholfenen Namen, die so klangen, wie man sich in der Provinz Internationalität vorstellt) - doch dass die Pläne nicht aufgingen.

Innerhalb weniger Tage meldeten das Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT) und die International University in Bruchsal das Ende ihres Betriebs in der bisherigen Form. Das SIMT ging für einen symbolischen Euro an die Steinbeis-Hochschule Berlin, an der IU ist die Technische Universität Karlsruhe interessiert. Die schon eingeschriebenen Studenten sollen ihr Studium noch beenden können."Wir werden es zu einem guten Ende bringen", sagt der Bruchsaler Oberbürgermeister Bernd Doll.

"Von Dinosauriern gefressen"

In Baden-Württemberg sieht es zurzeit so aus, als seien die Privaten nur eine Mode gewesen, die nun von einem Retro-Trend abgelöst wird: von der guten alten staatlichen Uni. Baden-Württembergs Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) sagte nach dem Ende von Bruchsal, die Privaten hätten dazu beigetragen, Innovationen an den staatlichen Hochschulen voranzubringen. "Sie haben ihre Rolle in der Evolution der Hochschulen gespielt und werden jetzt von den stärkeren Dinosauriern gefressen." Eine teure Evolution: Schätzungsweise 20 Millionen Euro wurden allein in das SIMT investiert, für gerade einmal 280 Absolventen.

Gereicht hat das Geld trotzdem nicht, was Frankenberg zu der Schlussfolgerung führt, nur Private mit ausreichendem Stiftungskapital würden auf Dauer erfolgreich sein: Einrichtungen wie die Bucerius-Law-School in Hamburg oder die Jacobs University in Bremen. Diese könnten, folgt man dem Bild Frankenbergs, genug Kraft haben, auch noch das Ende der Dinosaurier zu erleben.

»Die Wirtschaft hat das System der Privathochschulen gewollt und uns am Ende im Stich gelassen.«

"Die Wirtschaft hat das System der Privathochschulen gewollt und uns am Ende im Stich gelassen", sagt Bernd Doll, der Oberbürgermeister von Bruchsal. Im Fall des SIMT war es die schwäbische Unternehmer-Elite aus DaimlerChrysler, Bosch und Trumpf, die hier den globalen Management-Nachwuchs heranziehen wollte. Mit dem Management der eigenen Hochschule tat man sich jedoch schwer, die Führung wechselte immer wieder. Der Anspruch der Hochschule war groß, aber es waren kaum Studenten bereit, 25.000 Euro Studiengebühren für einen MBA-Abschluss auszugeben, der noch keinen Ruf vorzuweisen hatte. Das SIMT entschied sich, die Gebühren vorzustrecken - die Absolventen entschieden sich aber nicht in jedem Fall, diese auch zurückzuzahlen.

Wie dem SIMT wurde auch der IU in Bruchsal nachgesagt, unter mangelnder Nachfrage von Studenten zu leiden. Eine neue Studenteninitiative wehrt sich aber gegen diese Darstellung, nach ihren Angaben stieg die Zahl der Bewerbungen und Studenten seit Jahren. Die aktuell Eingeschriebenen haben angekündigt, um den Erhalt ihrer Hochschule zu kämpfen. Wie, das bleibt unklar. Mit der Technischen Universität Karlsruhe, die nach ihrem Sieg in der Exzellenzinitiative zur "Elite-Uni" aufgestiegen ist, wurde eine Absichtserklärung für eine Zusammenarbeit formuliert. Doch die Staatsuni ist vor allem an den Gebäuden in Bruchsal interessiert. Sie will dort ein Studienkolleg unterbringen, für das in Karlsruhe selbst kein Platz mehr ist.

Protest der Absolventen

Die Absolventen der IU verschickten dieser Tage einen Brief, in dem sie über eine ungerechte Behandlung der Privatuni klagen: "Seit den 1990er Jahren wird über die Reform der Hochschullandschaft diskutiert. Die IU ist eine erfolgreiche Universität, die genau im Sinne dieser Diskussion aufgebaut worden ist. Trotzdem werden Staatsuniversitäten mit großem Aufwand transformiert, während eine bereits bestehende Modell-Universität nicht unterstützt wird."

Dem Brief haben die ehemaligen IU-Studenten eine lange Liste von internationalen Unternehmen beigelegt, bei denen sie heute arbeiten. Sie kämpfen um den Ruf einer Hochschule, die hoch hinaus wollte, doch schon bald in Vergessenheit geraten könnte.

(SZ vom 2.4.2007)