Eigentümer von Altbauten können sehr findig im Verschandeln sein. Der "Fassadenpreis" ehrt aber jene, die ihre Häuser wieder strahlen lassen.
Ganz München – eine einzige Werbefläche? Droht eine Überflutung der Hausfassaden mit großformatigen Werbepostern? Solche Fragen trieben die Bewahrer der Münchner Stadtbildes vor Beginn der Fußball-WM um. Das städtische Planungsreferat legte einen strengen Maßstab bei der Genehmigungspraxis an, um den kommerziellen Wildwuchs zu verhindern. Hausbesitzer und Werbeagenturen zeigten sich kompromissbereit, im großen und ganzen leuchteten Münchens Prachtfassaden ohne allzu viel störende Reklame während der WM.
Eine richtige Strategie sei das, meint Bürgermeister Hep Monatzeder (Grüne). Das habe auch mit Blick auf kommende Großereignisse wie etwas die 850-Jahr-Feier Münchens (2008) oder das 200-jährige Jubiläum des Oktoberfestes (2010) richtungsweisende Bedeutung.
Sensibilität bei der Bewahrung und Pflege des Stadtbildes gibt es freilich nicht nur bei Mega-Events. Auch im täglichen Baugeschehen legt man Wert auf einen Sinn für liebevoll restaurierte Häuser.
Seit 1970 lobt die Stadt jedes Jahr in schöner Regelmäßigkeit den städtischen „Fassadenpreis“ (jeweils 500 Euro) aus – ein Ansporn für vorbildliche Hausfassaden.
Für insgesamt 29 Objekte verlieh Bürgermeister Hep Monatzeder die Preise für das Jahr 2005. Die prämierten Gebäudetypen reichen von der Villa über bemerkenswerte Geschäfts- und Mietshäuser sowie kleine Gebäude in der Vorstadt bis hin zu einem Bauernhof.
Eeine kleine Auswahl aus der großen Vielfalt der ausgezeichneten Häuser mit den Begründungen der Gutachterkommission:
1
Die Villa am Bogenhausener Galileiplatz wurde um das Jahr 1910 gebaut. Fenster, Rollläden und Dach seien einfühlsam renoviert worden. Abgerundet werde das noble Erscheinungsbild der Villa (Architekt Rüdiger Heitsch) auch durch die gepflegte Gartengestaltung. Das Ergebnis sei ein Musterbeispiel dafür, wie mit architektonischer Sensibilität und handwerklichem Geschick die Gestaltqualitäten einer historischen Villa wiedergewonnen werden könnten.
2
Das Gebäude in der Giesinger Gietlstraße gehört zur „Feldmüllersiedlung“. Die Grundstrukturen für das Haus wurden bereits in den Jahren 1840/45 gelegt. Es zeigt, wie auch Besitzer einfacher alter Häuser deren Charme und Charakter erhalten oder wiederbeleben können. Die „optisch hervorragende“ Sanierung der Putzfassade nach historischem Vorbild „in eher schlichter Umgebung“ bekam großes Lob (Planungsgemeinschaft Wallner Pfahler Primpke). Zweiflügelige Holzfenster haben die Einscheibenfenster ersetzt und die für die Proportionen wichtigen Fensterläden zurückerhalten.
3
Hinter der aufwändig renovierten Natursteinfassade ist die moderne Zentrale der HypoVereinsbank (Canali Botti Architekten). Diese monumentale Neubarock-Fassade zeuge jetzt wieder vom Geist des Historismus in München.
4
Das denkmalgeschützte Mietshaus in der Waltherstraße wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil der Neurenaissance errichtet. Das Besondere der Renovierung (Renate Greiner) ist die Rekonstruktion des Ziergiebels und des Zwiebeltürmchens, die seit dem Bombenkrieg fehlten. Besonders die Handwerker (Maurer, Zimmerer und Spengler) erhielten für ihre Kunstfertigkeit großes Lob. .
5
Das Haus in der Hofmillerstraße (Ingrid und Bruno Reineck) gilt als ein Schmuckstück in der „Villenkolonie Neu-Pasing II“. Es stammt aus dem Jahr 1897. Lange Zeit wurde es immer wieder verändert und büßte damit derart an historischer Substanz ein, dass die Stadt es beim besten Willen nicht mehr in die Denkmalliste der Stadt aufnehmen konnte. Die Sanierungen der Eigentümer seien sehr umsichtig gewesen. Ihrem Engagement sei es zu verdanken, dass das herabgewürdigte Gebäude nun auch ohne Denkmalschutz-Vorschriften ein ausgezeichnetes Erscheinungsbild biete.
6
Direkt beim Siegestor, an der Schnittstelle von der Ludwig- und der Leopoldstraße, steht dieses Bürogebäude (HPP Hentrich - Petschnigg & Partner) der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt. Das „Palais Leopold“ (1907 von Friedrich von Thiersch entworfen) wurde grundlegend modernisiert. Es ist ein Schmuckstück im Bereich des Siegestors mit der Kunstakademie und den Großbürger-Häusern.






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