Zucker Sind Süßstoffe eine Alternative?

Dabei findet sich Zucker nicht nur in Produkten, die jedermann direkt damit in Verbindung bringt. Zunehmend enthalten auch Wurst, Brot, Tomatensoße und sogar Salzstangen jene Geschmackskomponente, die den menschlichen Gaumen so sehr erfreut. So enthalten 100 Gramm Nutella zwar stolze 60 Gramm Zucker, aber auch Ketchup bringt es auf 30 Gramm und Rotkohl aus dem Glas schon auf 10 Gramm.

Abgesehen von der Gaumenfreude ist Zucker reichlich sinnlos. "Wir brauchen ihn überhaupt nicht", sagt Rechkemmer. Zwar benötige das Gehirn den Zucker Glucose, der Teil des gewöhnlichen Haushaltszuckers ist. Die Glucose lasse sich jedoch ebenso gut aus nährstoffreicheren Lebensmitteln wie Nudeln, Reis und Kartoffeln gewinnen.

Softgetränke enthalten viel Zucker, machen aber nicht satt. Damit steigt die Gefahr, dick zu werden.

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Aber ist Zucker - abgesehen davon, dass zu viel von ihm dick macht - auch per se ungesund? "Nein", sagt Rechkemmer, "nur für die Zähne." Zucker schade nur dann, wenn Menschen Süßigkeiten anstelle von nährstoffreichen Lebensmitteln zu sich nehmen und deshalb eine Unterversorgung an Vitaminen und Mineralien erleiden. Das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder. "Zehn Prozent der Kalorien in einer optimierten Mischkost dürfen ruhig durch Süßigkeiten gedeckt werden", sagt die Ernährungswissenschaftlerin Mathilde Kersting vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund.

Wer es trotzdem süßer mag, als es seine Kalorienbilanz erlaubt, kann bedenkenlos zu Süßstoff greifen. "Bei ordnungsgemäßem Gebrauch" sei nicht von Nebenwirkungen auszugehen, sagt Rechkemmer. Die früher kursierenden Vorwürfe, dass synthetische Süßstoffe wie Saccharin und Aspartam krebserregend seien, sind vom Tisch. "Das waren Studien an Ratten mit gigantischen Mengen Süßstoff", sagt Andreas Pfeiffer vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung. Ein Mensch müsste Tausende Süßstoffpillen essen, um eine vergleichbare Menge zu sich zu nehmen.

Einen erheblichen Nachteil haben die Süßstoffe, zu denen auch das aus einer ultrasüßen, subtropischen Pflanze gewonnene und vor knapp einem Jahr zugelassene Stevia-Extrakt gehört, aber doch: Feine Zungen erleben neben dem süßen Kick einen metallischen oder manchmal auch bitteren Beigeschmack.