Zika-Virus und Mikrozephalie Der Link wird stärker

An vielen Orten der Welt wird derzeit an dem Zikavirus geforscht. Hier werden Mücken, die den Erreger übertragen, untersucht.

(Foto: Bloomberg)

Zwei neue Studien erhärten den Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und den Schädelfehlbildungen bei Babys.

Von Berit Uhlmann

Kann das Zika-Virus tatsächlich schwere Gehirnschäden bei ungeborenen Babys verursachen? Einen Monat, nachdem die Weltgesundheitsorganisation WHO den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, liefern zwei Studien weitere Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang.

Brasilianische und US-amerikanische Forscher legten am Wochenende Ergebnisse einer Kohortenstudie vor (New England Journal of Medicine, online). Die Wissenschaftler hatten ab September 2015 insgesamt 42 werdende Mütter mit nachgewiesener Zika-Infektion begleitet. Bei 29 Prozent der Babys registrierten sie im Anschluss an die Ansteckung Probleme: Wachstumsstörungen, zu kleine Köpfe und Fehlbildungen im Nervensystem gehörten dazu. Zwei der Föten starben.

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"Die Frauen waren alle gesund und hatten keine weiteren Risikofaktoren für Schwangerschaftskomplikationen", schreiben die Forscher. In einer Kontrollgruppe nicht infizierter Schwangerer fanden sie keine Auffälligkeiten. Die Studie ist klein, und die meisten Babys wurden bislang nur per Ultraschall untersucht, da sie noch gar nicht geboren sind. Doch solche Kohortenstudien, die beobachten, welche Menschen eine Krankheit entwickeln und welche nicht, sind der Goldstandard in der Aufklärung von Zusammenhängen. Auf ihre Ergebnisse warten Ärzte und Gesundheitswissenschaftler in aller Welt.

Auch eine am Freitag im Fachblatt Cell Stem Cell veröffentlichte Arbeit fügt ein wichtiges Puzzleteil in die Erforschung des Erregers ein. US-Wissenschaftler haben herausgefunden, wo das Virus im Gehirn der Babys angreifen könnte.Demnach infiziert es gezielt neuronale Vorläuferzellen, die sich normalerweise zur Großhirnrinde entwickeln. Die Forscher konnten beobachten, dass das Zika-Virus innerhalb von drei Tagen 65 bis 90 Prozent dieser Zellen kaperte und sich in ihnen vermehrte.

Besorgniserregend war, dass sich die Zellen überhaupt nicht wehrten. "Die Gene, die zur Bekämpfung von Viren nötig sind, wurden nicht angeschaltet. Das ist sehr ungewöhnlich", sagt Studienautor Hengli Tang von der Florida State University. Stattdessen gingen viele der für die Hirnentwicklung wichtigen Zellen zugrunde, andere konnten sich nicht mehr effektiv teilen.

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Dieser Fund passt zu weiteren Beobachtungen, die im Laufe des Zika-Ausbruchs gemacht wurden. Betroffene Babys zeigten abnorme Veränderungen an der Großhirnrinde. In einigen Fällen wurde das Virus im Nervengewebe von Föten nachgewiesen.

Derweil erhärtete sich auch der Zusammenhang zwischen dem Zika-Erreger und dem bei Erwachsenen auftretenden Guillain-Barré-Syndrom. Wissenschaftler aus Französisch-Polynesien dokumentierten im Fachblatt Lancet alle Fälle der neurologischen Erkrankung, die 2013 und 2014 während des Zika-Ausbruchs auf der Inselgruppe beobachtet wurden. Insgesamt 42 Patienten zeigten die typischen Symptome wie Muskelschwäche und Lähmungen. Serologische Tests ergaben, dass all diese Patienten sich mit dem Zika-Virus infiziert hatten. In einer Kontrollgruppe, die das Syndrom nicht entwickelten, hatte sich nur die Hälfte mit dem Virus angesteckt. Andere potenzielle Auslöser wurden nicht gefunden oder kamen in beiden Gruppen gleich häufig vor. Die Forscher gaben zugleich eine Einschätzung zur Häufigkeit der Erkrankung: Von 100 000 Zika-Infizierten müssen 24 mit dem Guillain-Barré-Syndrom rechnen.